Internationalisierung geht zurĂŒck: DAX-Aufsichtsratsmandate immer unattraktiver fĂŒr internationale Top-Manager
31.05.2024 - 09:56:19 | presseportal.de
«Zu groĂ, zu bĂŒrokratisch, keine offene Diskussionskultur und ohne Deutsch bleibt man aussen vor», so lauten die Urteile vieler der befragten auslĂ€ndischen DAX-AufsichtsrĂ€te. Der hĂ€ufigste Kritikpunkt sind jedoch die mangelnden Gestaltungsmöglichkeiten. Deutsche AufsichtsrĂ€te seien wortwörtlich auf die Aufsicht beschrĂ€nkt, könnten aber kaum Einfluss auf die Strategie eines Unternehmens nehmen. Das frustriert besonders Aufsichtsratsmitglieder aus dem anglo-amerikanischen Raum, in dem das 'Board' direkt Einfluss auf die Strategieentwicklung nimmt. Dass die VergĂŒtung im internationalen Vergleich gering ist, hĂ€lt hingegen kaum jemanden davon ab, ein Mandat in Deutschland zu ĂŒbernehmen.
Die Zusammensetzung deutscher AufsichtsrĂ€te aus Arbeitnehmer- und AktionĂ€rsvertretern, die paritĂ€tische Mitbestimmung, einst bewundert als Garant fĂŒr sozialen Frieden, wird von auslĂ€ndischen Vertretern zwar als deutsche Besonderheit gewĂŒrdigt. Sie wird aber auch als wesentliches Hindernis deutscher DAX-Unternehmen fĂŒr eine gröĂere internationale Ăffnung gesehen. Die Kritik: Die Arbeitnehmervertreter wĂŒrden vor allem die Interessen deutscher Mitarbeiter thematisieren, nicht die der weltweiten Belegschaft, selbst wenn die meisten BeschĂ€ftigten im Ausland sĂ€Ăen. Das fĂŒhre oft zu einer Verengung der Debatten auf BeschĂ€ftigung in Deutschland, statt weltweite Entwicklungen in den Blick zu nehmen und die Unternehmensinteressen im Ganzen zu priorisieren AuĂerdem wĂŒrden die Aufsichtsgremien durch die paritĂ€tische Mitbestimmung mit oft bis zu 20 Mitgliedern zu groĂ und entsprechend schwerfĂ€llig. Wegen der rigiden formalen AblĂ€ufe im Gesamtaufsichtsrat fĂ€nden wichtige GesprĂ€che entweder in AusschĂŒssen oder ganz auĂerhalb der Gremien statt, und das zumeist auf Deutsch. Hier einen Zugang zu finden, fĂ€llt AuslĂ€ndern besonders schwer.
So kommen 70% der Befragten zu dem Schluss, dass die komplizierten Strukturen deutscher AufsichtsrĂ€te internationale Manager davor zurĂŒckschrecken lassen, einen Aufsichtsratsposten zu ĂŒbernehmen. Wenn es doch geschieht, dann hĂ€ufig aus Bewunderung fĂŒr die LeistungsfĂ€higkeit der deutschen Wirtschaft. Fast alle auslĂ€ndischen Mitglieder deutscher AufsichtsrĂ€te (90%) sind der Meinung, dass deutsche Unternehmen von einem höheren AuslĂ€nderanteil in ihren AufsichtsrĂ€ten stark profitieren wĂŒrden. Insgesamt nutzten deutsche Aufsichtsgremien die Potenziale auslĂ€ndischer Mitglieder nicht richtig, um die durch geopolitische Unsicherheiten, Digitalisierung und KI anstehende Transformation zu meistern.
«Die auslĂ€ndischen AufsichtsrĂ€te stellen Deutschland leider kein gutes Zeugnis aus: nicht attraktiv fĂŒr internationale Top-Manager. Wer nicht mit den Besonderheiten deutscher AufsichtsrĂ€te vertraut ist und kein Deutsch spricht, hat es schwer. Die komplexen Strukturen erschweren eine Ăffnung hin zu einer echten Internationalisierung, wie es das globale GeschĂ€ft erfordern wĂŒrde. 'Ohne Reformen nicht zukunftsfĂ€hig', so lĂ€sst sich das Urteil vieler auslĂ€ndischer DAX-AufsichtsrĂ€te zusammenfassen. Dem deutschen Aufsichtsrat droht ein Bedeutungsverlust, wenn er es nicht schafft, sich stĂ€rker den internationalen Gepflogenheiten anzunĂ€hern. Der hochgradig international verflochtene Standort Deutschland braucht aber internationales Spitzenpersonal, um am Puls technologischer Disruptionen und geopolitischer VerĂ€nderungen zu bleiben», so Jens-Thomas Pietralla, Leiter der EuropĂ€ischen Board & CEO Praxisgruppe von Russell Reynolds Associates.
Zur Zeit gibt es 88 auslĂ€ndische (hier: nicht aus dem DACH-Raum kommende) MandatstrĂ€ger in den DAX40-AufsichtsrĂ€ten. Mehr als ein Drittel davon hat sich fĂŒr persönliche Einzelinterviews zur VerfĂŒgung gestellt. - Zur Zeit betrĂ€gt der AuslĂ€nderanteil 34%, letztes Jahr waren es 35%. Ohne Schweizer und Ăsterreicher betrĂ€gt die internationale Quote im DAX40 nur 26%. Zum Vergleich: im französischen Index CAC40 sind es 38%, im britischen FTSE100 42%.
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Ăber Russell Reynolds Associates
Russell Reynolds Associates ist eine der weltweit fĂŒhrenden Personalberatungen bei der Besetzung von Spitzenpositionen. Rund 520 Berater unterstĂŒtzen von 48 Standorten aus weltweit private, öffentliche und Nonprofit-Organisationen verschiedenster Branchen bei der Auswahl geeigneter FĂŒhrungskrĂ€fte. Sie helfen Kunden dabei, FĂŒhrungskrĂ€fteteams aufzubauen und auf die Herausforderungen, die sich fĂŒr die GeschĂ€ftswelt aus den digitalen, wirtschaftlichen und politischen VerĂ€nderungen ergeben, vorzubereiten - von der Definition der spezifischen Anforderungen an FĂŒhrungskrĂ€fte bis zur Besetzung von VorstĂ€nden und AufsichtsrĂ€ten. Das Unternehmen ist vollstĂ€ndig im Besitz der im Unternehmen tĂ€tigen Partner. Neben dieser UnabhĂ€ngigkeit sind es vor allem die weltweit agierenden Spezialistenteams fĂŒr einzelne Branchen, mit denen sich Russell Reynolds Associates vom Wettbewerb abhebt. Mehr unter www.russellreynolds.com und bei Twitter @RRAonLeadership.
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