Nachhaltigkeitsberichterstattung: Bergbau muss ISSB- und CSRD-Standards umsetzen
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 23:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die globale Bergbaubranche steht vor einer ZĂ€sur in ihrer Transparenzpflicht. Mit der EinfĂŒhrung und verbindlichen Umsetzung der Standards des International Sustainability Standards Board (ISSB) sowie der europĂ€ischen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) werden Unternehmen des Sektors gezwungen, ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung grundlegend neu zu gestalten.
In den vergangenen Tagen wurde deutlich, dass die regulatorische Dynamik sowohl auf internationaler Ebene als auch in spezifischen Jurisdiktionen erheblich zugenommen hat.
Einheitliche Standards und globale Akzeptanz
Die ISSB-Standards IFRS S1 und S2 haben bereits in ĂŒber 20 Jurisdiktionen Einzug in die Gesetzgebung gefunden. Insgesamt nutzen bereits mehr als 45 LĂ€nder diese Rahmenwerke, um eine weltweit vergleichbare Klimaberichterstattung zu etablieren.
Um die langfristige StabilitĂ€t dieser Entwicklung zu sichern, genehmigten die TreuhĂ€nder der IFRS Foundation jĂŒngst einen Finanzierungsplan fĂŒr den ISSB, der bis zum Jahr 2031 reicht. Begleitend dazu soll im Jahr 2027 ein neues BĂŒro in Genf eröffnet werden, wĂ€hrend ab 2028 eine angepasste Governance-Struktur mit zehn Mitgliedern die Aufsicht ĂŒbernehmen wird.
Parallel dazu setzt die EU mit der CSRD und den dazugehörigen European Sustainability Reporting Standards (ESRS) auf das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit. Dies verpflichtet Bergbauunternehmen dazu, nicht nur die Auswirkungen des Klimawandels auf das eigene GeschÀft, sondern auch die Auswirkungen der eigenen TÀtigkeit auf Umwelt und Gesellschaft offenzulegen.
Besonders kritisch fĂŒr den Sektor ist dabei die Pflicht zur Berichterstattung ĂŒber Treibhausgasemissionen (GHG), Wasserverbrauch, BiodiversitĂ€t und den Umgang mit BergbaurĂŒckstĂ€nden (Tailings). WĂ€hrend die Offenlegung von Scope-1- und Scope-2-Emissionen unmittelbar verpflichtend ist, sieht die Regulierung fĂŒr Scope-3-Emissionen eine phasenweise EinfĂŒhrung vor.
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Regionale Implementierung und regulatorische Spannungen
Die Umsetzung dieser globalen Trends erfolgt in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. In Australien greifen fĂŒr Unternehmen der sogenannten Gruppe 2 ab dem 1. Juli 2026 die neuen ASRS-Berichtspflichten. Dies betrifft Firmen mit mindestens 250 Mitarbeitern, einem Vermögen von 500 Millionen Australischen Dollar oder einem Umsatz von mindestens 200 Millionen Australischen Dollar. Eine dritte Gruppe mit niedrigeren Schwellenwerten folgt ein Jahr spĂ€ter.
Auch in SchwellenlĂ€ndern verschĂ€rft sich das Regiment. Die Ghana Stock Exchange veröffentlichte am 19. August 2026 einen aktualisierten Leitfaden, demzufolge die IFRS-Standards S1 und S2 ab Januar 2027 fĂŒr alle börsennotierten Unternehmen verpflichtend werden. Bereits seit Beginn des laufenden Jahres ist dort eine Klimarichtlinie der Bank of Ghana in Kraft.
Diese Entwicklung verlĂ€uft jedoch nicht ohne diplomatische Reibungen. Die US-Regierung forderte die EuropĂ€ische Union Mitte August auf, die CSRD sowie die Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) zu ĂŒberarbeiten.
Washington kritisierte insbesondere die Belastung fĂŒr US-Unternehmen durch die doppelte Wesentlichkeit und drĂ€ngte darauf, den Anwendungsbereich der CSDDD auf EU-Unternehmen zu begrenzen sowie Erleichterungen fĂŒr Firmen aus den Vereinigten Staaten zu schaffen.
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Operative Relevanz und Risikomanagement
Wie dringlich eine standardisierte Berichterstattung ĂŒber physische Risiken ist, zeigte Mitte August ein folgenschwerer Zwischenfall in SĂŒdafrika. An der Samancor Dikwena Chrome Mine ereignete sich am 13. August 2026 ein Dammbruch an einer Tailings-Anlage.
In der Folge untersagte das zustĂ€ndige Ministerium fĂŒr Wasser und SanitĂ€re Einrichtungen (DWS) die weitere Deponierung von RĂŒckstĂ€nden an diesem Standort. Unter den neuen Standards gewinnen Richtlinien wie der Global Industry Standard on Tailings Management (GISTM) an Bedeutung, da die Offenlegung von Tailings-Risiken nun integraler Bestandteil der Finanz- und Nachhaltigkeitsberichte wird.
Ein Beispiel fĂŒr die praktische Umsetzung lieferte der australische Bergbaukonzern Fortescue. Das Unternehmen veröffentlichte am 19. August 2026 seinen Nachhaltigkeitsbericht fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2026. Darin dokumentierte der Konzern unter anderem AuftrĂ€ge an indigene Unternehmen im Wert von ĂŒber 1 Milliarde Australischen Dollar innerhalb eines Jahres.
Seit 2011 belĂ€uft sich diese Summe auf insgesamt 7,6 Milliarden Australische Dollar. Trotz eines GewinnrĂŒckgangs im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr bei gleichzeitigem Umsatzanstieg betonte das Unternehmen die Fortschritte bei der Integration sozialer Kriterien in die GeschĂ€ftsstrategie.
ZusÀtzlicher Druck auf die Branche entsteht durch die EU-Batterieverordnung, deren Due-Diligence-Anforderungen ab dem 18. August 2027 greifen werden. In Peru startet zudem am 21. August 2026 eine neue Initiative zur Bewertung bewÀhrter Praktiken im Bergbausektor, die die Einhaltung ESG-relevanter Kriterien methodisch erfassen soll.
