Nachtarbeit, WHO-Agentur

Nachtarbeit: WHO-Agentur stuft Schichtdienste als krebserregend ein

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 11:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die WHO stuft Nachtarbeit als wahrscheinlich krebserregend ein. Experten geben konkrete Tipps zur Risikominimierung durch optimierte Schichtpläne und Lebensführung.

Schichtarbeit: WHO-Einstufung als krebserregend und Schutzmaßnahmen
Ein nächtlicher Arbeitsplatz in einem modernen Büro mit gedimmter Beleuchtung und einer Digitaluhr, die 3 Uhr anzeigt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Am 30. Juli 2026 wurden neue Erkenntnisse zur gesundheitlichen Einstufung von Schichtarbeit bekannt, die das Risiko der Tätigkeit als potenziell krebserregend thematisieren. Die Veröffentlichungen stützen sich auf eine bereits im Jahr 2019 durchgeführte Untersuchung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Demnach wird Nachtarbeit offiziell als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft.

Wissenschaftliche Einordnung und körperliche Belastungen

Die gesundheitlichen Herausforderungen durch Schicht- und Nachtarbeit sind vielfältig und gehen über das Krebsrisiko hinaus. Experten weisen darauf hin, dass die dauerhafte Störung des natürlichen Biorhythmus den Körper massiv belastet. Zu den dokumentierten Risiken gehören neben Schlafstörungen auch Magen-Darm-Erkrankungen, Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Leiden.

Volker Harth vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) erläuterte in diesem Zusammenhang die Funktionsweise der inneren Uhr. Schichtarbeit bringe diesen sensiblen Rhythmus aus dem Takt, da die Arbeitszeiten den biologischen Prozessen entgegenstehen, die normalerweise auf den Wechsel von Tag und Nacht abgestimmt sind. Diese chronische Desynchronisation gilt als Ursache für die beobachteten gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Strategien zur Risikominimierung am Arbeitsplatz

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Um die Belastungen für Beschäftigte zu reduzieren, haben Fachleute wie Frank Brenscheidt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sowie Volker Harth konkrete Handlungsempfehlungen formuliert. Ein zentraler Aspekt ist die Gestaltung der Schichtpläne. Empfohlen wird ein System mit einer sogenannten Vorwärtsrotation, bei der auf die Frühschicht die Spätschicht und erst danach die Nachtschicht folgt. Zudem sollte die Anzahl der aufeinanderfolgenden Nachtschichten auf maximal drei begrenzt werden.

Nach der letzten Nachtschicht sei es zudem wichtig, schnellstmöglich wieder in den regulären Tagesrhythmus zurückzufinden. Hierbei könne Bewegung als Mittel zum Stressabbau dienen. Auch die soziale Interaktion sollte trotz der verschobenen Arbeitszeiten aktiv geplant werden, um eine Isolation zu vermeiden.

Individuelle Maßnahmen für Schichtbeschäftigte

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Neben organisatorischen Rahmenbedingungen spielt das individuelle Verhalten eine entscheidende Rolle für die Gesundheitsprävention. Experten raten dazu, den Schlaf konsequent zu schützen und während der Ruhephasen am Tag helles Licht zu meiden. Bei der Ernährung wird empfohlen, während der Nachtschicht eher leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen, um das Verdauungssystem nicht zusätzlich zu belasten.

Wachmacher wie koffeinhaltige Getränke sollten laut den Fachleuten nur gezielt eingesetzt werden, um die Schlafqualität nach Schichtende nicht negativ zu beeinflussen. Durch die Kombination aus optimierten Schichtsystemen und bewusster Lebensführung lassen sich die statistisch erfassten Risiken für Langzeitschäden senken, auch wenn die grundlegende Belastung durch die Nachtarbeit bestehen bleibt.

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