NextGenerationEU: 32–38 Milliarden Euro Tilgungslast ab 2028 für Deutschland
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die finanzielle Abwicklung des EU-Corona-Wiederaufbaufonds (NextGenerationEU) wird Deutschland in den kommenden Jahrzehnten erheblich belasten. Aktuellen Berechnungen zufolge belaufen sich die voraussichtlichen Kosten für die Bundesrepublik bis zum Jahr 2058 auf eine Summe zwischen 145 und 154 Milliarden Euro.
Diese Summe umfasst sowohl die Tilgung als auch die Zinsen für die erstmals gemeinsam auf EU-Ebene aufgenommenen Schulden. Der deutsche Anteil an der Gesamtbelastung der Europäischen Union, die auf 649 bis 681 Milliarden Euro geschätzt wird, liegt bei 22,6 Prozent.
Hohe Tilgungslasten ab dem Jahr 2028
Die Rückzahlung der Kredite soll im Jahr 2028 beginnen. Besonders der Zeitraum zwischen 2028 und 2034 wird den Bundeshaushalt fordern: In diesen sechs Jahren entfallen Schätzungen zufolge bereits 32 bis 38 Milliarden Euro auf Deutschland. Angesichts dieser Verpflichtungen verschärft sich die Debatte um die künftige Finanzplanung der Europäischen Union.
Bundeskanzler Friedrich Merz lehnt den aktuellen Vorschlag der EU-Kommission für den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) 2028–2034 entschieden ab. Der Entwurf der Kommission sieht ein Volumen von 1,76 Billionen Euro (zu Preisen von 2025) vor, wobei andere Kalkulationen die Summe auf bis zu 2 Billionen Euro beziffern. Merz bezeichnete diese Pläne als unbezahlbar und forderte stattdessen deutliche Einsparungen sowie Reformen.
Allianz der Nettozahler fordert drastische Kürzungen
Im Streit um den EU-Haushalt hat Deutschland eine Allianz mit fünf weiteren Nettozahler-Staaten gebildet. Gemeinsam mit Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Österreich und Schweden fordert die Bundesregierung eine Kürzung des Haushaltsentwurfs um mehrere Hundert Milliarden Euro. Interne Papiere und Berichte nennen in diesem Zusammenhang eine angestrebte Reduzierung um etwa 400 Milliarden Euro.
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Die Gruppe der sogenannten „frugalen“ Staaten, die rund 40 Prozent des EU-Budgets finanziert, lehnt die Aufnahme neuer gemeinsamer EU-Schulden strikt ab. Stattdessen plädieren die Länder für eine Umschichtung vorhandener Mittel.
Die Schwerpunkte sollen künftig verstärkt auf den Bereichen Verteidigung, Sicherheit, Migration und der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit liegen. Ohne solche Kurskorrekturen drohe Deutschland ein Anstieg der jährlichen EU-Beiträge um 15 bis 20 Milliarden Euro auf insgesamt etwa 60 Milliarden Euro.
Angespannte Haushaltslage in Deutschland
Die Forderungen nach Ausgabendisziplin auf EU-Ebene fallen zusammen mit einer herausfordernden Haushaltslage im Inland. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete Deutschland ein Staatsdefizit von 71,3 Milliarden Euro.
Die Bundesschulden inklusive der Sondervermögen beliefen sich Ende Juli 2026 auf 1,885 Billionen Euro, was einem Anstieg von 90 Milliarden Euro innerhalb der ersten sieben Monate des Jahres entspricht. Allein für Zinsausgaben wendete der Bund in diesem Zeitraum 17 Milliarden Euro auf.
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Trotz dieser Entwicklung bestätigten Ratingagenturen wie S&P, Fitch und Moody’s zuletzt die Bestnoten (AAA bzw. Aaa) für die deutsche Kreditwürdigkeit mit einem stabilen Ausblick. Allerdings warnen Experten vor einer steigenden Schuldenquote.
Während S&P für das Jahr 2025 eine Nettoschuldenquote von 59 Prozent erwartet, prognostiziert Fitch einen Anstieg auf über 70 Prozent bis zum Jahr 2029. Die Bundesbank rechnet für 2028 mit einem Defizit von 4,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
In der wirtschaftspolitischen Diskussion werden derweil verschiedene Lösungsansätze für künftige Investitionen erörtert. Während die EU-Kommission eine Verstetigung der gemeinsamen Verschuldung anzustreben scheint, schlagen Wirtschaftsforscher wie Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine schrittweise Einführung von Eurobonds vor, die jedoch zweckgebunden für Infrastruktur, Energie und Verteidigung eingesetzt werden sollten. Kritiker geben jedoch zu bedenken, dass solche Instrumente die Stabilitätspolitik untergraben könnten.
