Deutschland, China

Chinesische Autobauer haben Deutschland im Visier

08.09.2025 - 14:18:53 | dpa.de

Nie waren so viele chinesische Aussteller bei der IAA und noch nie wurden so viele chinesische Autos in Deutschland zugelassen. Und es sollen noch viel mehr werden.

  • Chinesische Elektro- und Hybridautos fĂŒr den Export. Die Stromer werden von der EU mit Zöllen belegt. (Archivbild) - Foto: XinHua/dpa
  • Der chinesische Autobauer BYD tritt auf der IAA voller Selbstbewusstsein auf. - Foto: Sven Hoppe/dpa
Chinesische Elektro- und Hybridautos fĂŒr den Export. Die Stromer werden von der EU mit Zöllen belegt. (Archivbild) - Foto: XinHua/dpa Der chinesische Autobauer BYD tritt auf der IAA voller Selbstbewusstsein auf.  - Foto: Sven Hoppe/dpa

Die chinesische Autoindustrie drĂ€ngt nach Deutschland. Noch ist ihr Marktanteil klein, doch er steigt - und soll noch weiter gewaltig zulegen. Auf der MobilitĂ€tsmesse IAA in MĂŒnchen sind so viele chinesische Unternehmen wie noch nie - und sie haben ambitionierte PlĂ€ne. 

116 Aussteller aus China zĂ€hlt die IAA, die am Dienstag fĂŒr das breite Publikum öffnet, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) auf Basis vorlĂ€ufiger Zahlen meldet. Abgesehen von Deutschland kommen aus keinem anderen Land auch nur annĂ€hernd so viele Unternehmen zu der weltweit beachteten MobilitĂ€tsmesse.

Marktanteil verdoppelt

In China haben die dortigen Hersteller den deutschen inzwischen den Rang abgelaufen, nun greifen sie nach dem deutschen Markt. Noch dominieren hierzulande zwar die heimischen Platzhirsche, doch es gibt Bewegung, wie ein Blick in die Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigt: Mehr als 35.000 chinesische Autos im engeren Sinne weist sie von Januar bis August aus. Das mag im Vergleich zum Gesamtmarkt von 1,87 Millionen Autos wenig sein - gerade einmal 1,9 Prozent - doch der Anteil hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum etwa verdoppelt.

Und zĂ€hlt man auch die zum chinesischen Konzern Geely gehörenden Marken Volvo und Polestar mit, sind es sogar ĂŒber 4 Prozent - mehr als etwa die bekannten Fabrikate Toyota und Tesla zusammen. 

BYD will HĂ€ndlernetz schnell ausbauen

Bisher war es vor allem MG Roewe, das die Zahlen der chinesischen Hersteller im engeren Sinne trieb - möglicherweise auch dank des aus Großbritannien ĂŒbernommenen Namens MG, der Kunden kaum an China denken lĂ€sst. Mit mehr als 15.600 Neuzulassungen in den ersten acht Monaten ist es auch weiter die Nummer eins bei den chinesischen Marken in Deutschland. Doch inzwischen spielt auch Elektroschwergewicht BYD eine zunehmende Rolle und hat seine Neuzulassungen gegenĂŒber dem Vergleichszeitraum 2024 mehr als verfĂŒnffacht - auf gut 8.500.

Und es sollen noch viel mehr werden: 50.000 verkĂŒndet Deutschlandchef Lars Bialkowski am Montag beim selbstbewussten Auftritt von BYD als Ziel fĂŒr den Jahresabsatz in Deutschland, das er als SchlĂŒssel in Europa sieht. Bis wann diese Zahl erreicht werden soll, sagt er allerdings nicht. Doch die Marke will ihr HĂ€ndlernetz rasch ausbauen, um das Ziel zu erreichen.

Auf Wachstum in Europa setzt auch der E-Auto-Bauer Xpeng, der in China Technologiepartner von VW ist: «Einer der wichtigsten Katalysatoren fĂŒr unsere Dynamik ist die globale Expansion», sagt der fĂŒrs AuslandsgeschĂ€ft zustĂ€ndige Vizechef Brian Gu in MĂŒnchen. Und nirgendwo sieht er hierfĂŒr bessere Chancen als in Europa. Auf der IAA feiert Xpeng den Europastart seines neuen Elektro-Modells P7 - und hat seinen Stand direkt gegenĂŒber von VW aufgebaut.

Ein Mangel an HĂ€ndlern zĂ€hlt hierzulande - neben Zöllen und Vorbehalten der eher konservativen Kunden - zu den Aspekten, der die chinesischen Marken bremst. Das gilt nicht nur fĂŒr BYD, wie Stefan Reindl, Direktor des Instituts fĂŒr Automobilwirtschaft, sagt. MG Roewe hat ihm zufolge nur rund 150 Vertriebsstandorte, Xpeng um die 35. Bei BYD waren es im FrĂŒhjahr noch keine 30, inzwischen sind es laut Bialkowksi 50 und weitere 50 hat man unter Vertrag. Bis Ende 2026 sollen es sogar 300 werden. 

Damit wĂŒrde sich die Marke den Dimensionen der deutschen Hersteller zumindest annĂ€hern: 700 sind es bei VW, um die 400 bei BMW, etwa 300 bei Audi und knapp 400 bei Mercedes. Ob es am Ende aber ebenso große Standorte sind wie die GlaspalĂ€ste der etablierten Hersteller, ist eine andere Frage.

Europaweit sind die chinesischen Marken stÀrker

Die deutschen Hersteller sollten sich jedenfalls nicht auf ihren Vorsprung verlassen. Eine Verdopplung - wenn auch auf niedrigem Niveau - ist eine Verdopplung; und weitet man den Blick auf ganz Europa, liegt der Anteil der chinesischen Marken bereits deutlich höher: Im ersten Halbjahr waren es mehr als fĂŒnf Prozent, wie eine Analyse des Marktbeobachters Jato Dynamics ergab, die allerdings auch Marken berĂŒcksichtigte, die das KBA mangels Neuzulassungsvolumen in Deutschland nicht einzeln ausweist. 

Die deutschen Marken halten durchaus dagegen - neue Fahrzeuge wie der iX3 von BMW, den die MĂŒnchner auf der IAA prĂ€sentieren, haben auch China im Blick. In Deutschland mĂŒsse man die chinesischen Hersteller ernst nehmen, sagt Vertriebschef Jochen Goller. Doch einige ihrer Rezepte funktionierten in Deutschland schlechter - seien es die niedrigen Preise, die hierzulande nur bedingt darstellbar seien, sei es der Ansatz, ein Smartphone auf RĂ€dern zu bauen. 

Man habe in der Vergangenheit auch schon die Welle der japanischen und der koreanischen Hersteller gesehen, sagt Goller - und sei weiter gewachsen. Auch VW-Konzernchef Oliver Blume betont, dass er den Wettbewerb schÀtze. Und man gehe «sehr selbstbewusst in diese Konkurrenz, die wir auch mit chinesischen Herstellern haben.»

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