Niedriglohnschwelle, Euro

Niedriglohnschwelle: 2.811 Euro im Monat – 3,4 Millionen verdienen weniger

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 22:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Statistische Bundesamt meldet höhere Bruttolöhne, zugleich zeigen sich deutliche Unterschiede nach Region, Branche und Einkommensgruppe.
Moderne Glasarchitektur eines Bürogebäudes in der Abenddämmerung als Symbol für die deutsche Wirtschaftslandschaft. Illustration mit AI erstellt.

Der Median-Bruttovollzeitverdienst in Deutschland lag im Jahr 2025 bei 54.066 Euro jährlich einschließlich Sonderzahlungen. Dies geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor, die einen Zuwachs von 1.907 Euro gegenüber dem Jahr 2024 ausweisen.

Während der Medianwert die Beschäftigten exakt in eine besser und eine schlechter verdienende Hälfte teilt, beziffert die Behörde das rechnerische Durchschnittsgehalt auf 64.441 Euro im Jahr. Bezogen auf den Monat entspricht der Medianwert rund 4.505 Euro brutto und damit einem monatlichen Plus von etwa 159 Euro gegenüber dem Vorjahr.

Deutliche Spreizung der Einkommen und regionale Unterschiede

Die Auswertungen des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen eine erhebliche Spannbreite der Einkommen über die Beschäftigtengruppen hinweg. Das unterste Zehntel der Vollzeitbeschäftigten erzielte im Jahr 2025 höchstens 33.828 Euro brutto im Jahr.

Rund 44.000 Euro markierten die Grenze für die 30 Prozent mit den niedrigsten Verdiensten. Am oberen Ende der Skala erreichten die obersten 20 Prozent rund 80.000 Euro, während die obersten zehn Prozent ab 100.719 Euro begannen. Für das oberste eine Prozent wurden mindestens 219.110 Euro brutto im Jahr fällig.

Erhebliche Differenzen bestehen weiterhin im regionalen Vergleich: In den westdeutschen Bundesländern betrug der Medianverdienst im Jahr 2025 genau 55.435 Euro, während in Ostdeutschland ohne Berlin ein Wert von 46.013 Euro verzeichnet wurde. Der Abstand zwischen beiden Landesteilen lag somit bei 9.422 Euro.

Auch zwischen den Wirtschaftszweigen klafft die Schere weit auseinander. Spitzenreiter beim Branchen-Median war die Energieversorgung mit 77.522 Euro, dicht gefolgt von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit 76.594 Euro. Am unteren Ende rangierten die Land- und Forstwirtschaft mit 35.689 Euro sowie das Gastgewerbe mit 35.545 Euro.

Anzeige

Ab welchem Gehalt für Angestellte keine weiteren Sozialabgaben mehr fällig werden, lässt sich anhand der aktuellen Grenzwerte exakt bestimmen. Dieser kostenlose Überblick liefert alle wichtigen Beitragsbemessungsgrenzen und hilft bei der sicheren Kalkulation von Gehaltsabrechnungen. Aktuelle Beitragsbemessungsgrenzen hier kostenlos herunterladen

Lohnentwicklung und Niedriglohnquoten

Für das zweite Quartal 2026 wies das Statistische Bundesamt einen nominalen Verdienstzuwachs von 4,1 Prozent im Vorjahresvergleich aus. Bereinigt um einen Anstieg der Verbraucherpreise von 2,5 Prozent ergab sich ein realer Lohnanstieg von 1,5 Prozent. Bei Vollzeitbeschäftigten legten die Löhne um 3,9 Prozent zu.

Beschäftigte im untersten Fünftel verzeichneten dabei ein Lohnplus von 6,7 Prozent, während das oberste Fünftel um 3,3 Prozent zulegte. Flankiert wird diese Entwicklung durch Beschlüsse der Bundesregierung zur Lohnuntergrenze: Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro und zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro.

Trotz dieser Steigerungen bleibt der Niedriglohnsektor relevant. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit lag die bundesweite Niedriglohnschwelle bei 2.811 Euro im Monat. Ende 2025 arbeiteten knapp 3,4 Millionen von gut 21,6 Millionen Vollzeitbeschäftigten unterhalb dieser Grenze, was einer Quote von 15,5 Prozent entspricht.

Im Westen lag der Anteil bei 14,2 Prozent (gut 2,5 Millionen Personen), im Osten einschließlich Berlin bei 21,7 Prozent (knapp 823.000 Personen). Legt man regionale Schwellenwerte zugrunde – 2.877 Euro im Westen und 2.507 Euro im Osten –, betrug die Quote im Westen 15,5 Prozent (knapp 2,8 Millionen) und im Osten 12,2 Prozent (rund 460.000 Beschäftigte).

Anzeige

Wer sich mit der korrekten Abrechnung von Löhnen und Gehältern befasst, muss besonders bei Grenzbeträgen und Sozialabgaben die Übersicht behalten. Der bewährte Gratis-Report liefert alle aktuellen Kennzahlen für West und Ost kompakt auf einen Blick. Kostenlose Übersicht zur sicheren Gehaltsabrechnung sichern

Einkommen der Mittelschicht und Wohlstandsgrenzen

Ergänzende Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) ordnen das Gefüge auf Haushaltsebene ein. Bei einem Median des bedarfsgewichteten Nettoeinkommens von 2.419 Euro im Monat gehörten Alleinlebende mit einem monatlichen Nettoverdienst zwischen 1.940 und 3.630 Euro zur Mittelschicht im engeren Sinne.

Als relativ arm galten Alleinlebende bei weniger als 1.450 Euro netto, während die Einstufung als relativ reich ab 6.050 Euro monatlich griff, was den obersten vier Prozent entsprach.

Um vor 99 Prozent der Bevölkerung zu liegen, benötigte ein Single ein monatliches Nettoeinkommen von über 8.275 Euro, ein kinderloses Paar rund 12.413 Euro und eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren 17.377 Euro.

Eine Auswertung von Euronews Business beziffert das für ein komfortables Leben notwendige Nettoeinkommen, definiert als 150 Prozent des nationalen Medians, für Alleinstehende in Deutschland auf 3.611 Euro im Monat. Dies ist der höchste Betrag unter den vier größten Volkswirtschaften der Europäischen Union, vor Frankreich mit 3.307 Euro, Italien mit 2.758 Euro und Spanien mit 2.546 Euro.

Wie Ökonomen der OECD und des DIW Berlin anmerken, signalisiert ein solches Niveau ein relativ komfortables Leben; echte wirtschaftliche Sicherheit hänge jedoch eng mit dem Vorhandensein von privatem Vermögen zusammen.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70430328 |