Nike einigt sich mit Gewerkschaften: Maximal 371 Stellenstreichungen in Laakdal
24.05.2026 - 14:16:34 | boerse-global.de
Der Sportartikelriese Nike und die Arbeitnehmervertretungen haben sich am heutigen Sonntag auf einen umfassenden Sozialplan für den belgischen Standort Laakdal geeinigt. Die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen wurde auf maximal 371 Stellen gedeckelt – deutlich weniger als die ursprünglich geplanten 736 Streichungen. Ein Erfolg für die Gewerkschaften, die damit die Hälfte der befürchteten Arbeitsplätze retten konnten.
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Zalando: Rechtsstreit beigelegt, Verhandlungen laufen
Parallel zu den Nike-Einigung haben sich auch beim Online-Modehändler Zalando die Fronten entspannt. Am vergangenen Freitag einigten sich das Unternehmen und der Betriebsrat des Logistikzentrums Erfurt auf einen Vergleich – der Gang vors Landesarbeitsgericht wurde damit abgewendet.
Bis zum 20. Juni wollen beide Seiten nun ohne formelle Einigungsstelle verhandeln. Sollte bis dahin kein Konsens über Interessenausgleich und Sozialplan erzielt sein, wird am 23. Juni eine offizielle Schlichtung einberufen. Der Betriebsrat wertet diese Vereinbarung als taktischen Erfolg: „Wir haben einen strukturierten Zeitplan, der übereilte Entscheidungen verhindert", so Betriebsratschef Tony Krause.
Das Erfurter Werk, das einst 2.700 Mitarbeiter beschäftigte, hat derzeit noch rund 2.000 Beschäftigte. Zalando will den Standort bis September 2026 schließen. Auch Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt war bereits in die Gespräche eingebunden.
Biontech unter Druck: Gewerkschaft wirft Intransparenz vor
Im Pharmasektor brodelt es derweil gewaltig. Die Industriegewerkschaft IG BCE hat die Führung von Biontech scharf kritisiert. Konkret werfen die Arbeitnehmervertreter dem Management vor, bei der geplanten Veräußerung mehrerer Produktionsstandorte nicht klar zu kommunizieren.
Betroffen sind die Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie die Curevac-Standorte in Tübingen. Insgesamt sind laut Gewerkschaft bis zu 1.860 Arbeitsplätze in Gefahr – allein 820 davon in Tübingen. Biontech will die Verkäufe bis Oktober 2026 abschließen.
Die Situation wird zusätzlich dadurch verkompliziert, dass die Firmengründer Ugur Sahin und Özlem Türeci offenbar ein neues Unternehmen gründen wollen. Für die Belegschaft der bestehenden Standorte wirft das bange Fragen auf.
Hydro Extrusion: Endgültiges Aus Ende Mai
Während bei Nike und Zalando noch verhandelt wird, steht bei Hydro Extrusion Lüdenscheid das endgültige Aus bevor. Der Betrieb wird zum 31. Mai 2026 geschlossen. Der Betriebsrat veröffentlichte einen offenen Dankesbrief an alle Unterstützer.
Immerhin: Ein Sozialplan mit Abfindungen und einer Transfergesellschaft namens „Pro Person" steht. Rund 20 Mitarbeiter bleiben bis zur endgültigen Schließung am 30. November für Restarbeiten an Bord. Eine Jobmesse für die ausscheidenden Kräfte ist für Juli geplant.
Audi Brüssel: 3.000 Mitarbeiter ohne Sozialplan
Noch härter trifft es die Belegschaft des Audi-Werks in Brüssel. Der Standort, der den Q8 e-tron produzierte, wird Ende Februar geschlossen – und zwar ohne Sozialplan. Stattdessen bietet das Unternehmen individuelle Abfindungen an. Hohe Logistikkosten und fehlende Erweiterungsmöglichkeiten hatten das Werk unrentabel gemacht. Versuche, einen externen Investor zu finden, scheiterten.
VW lockert Arbeitszeitregelung
Positivere Nachrichten kommen von Volkswagen. Der Autobauer hat seine betriebliche Flexibilisierung ausgeweitet: Mitarbeiter können nun zwischen einer monatlichen Zulage von 27,5 Prozent des Bruttogehalts oder bis zu sechs zusätzlichen freien Tagen (T-ZUV) wählen. Die Option war zuvor durch eine Pflichtumwandlung in Freizeit bis 2027 blockiert. Der Betriebsrat ruft die Belegschaft auf, die Wahl bis Ende August zu treffen.
BAG-Urteil: Gleicher Lohn nur mit präzisen Arbeitszeitangaben
Ein Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichts vom Oktober 2025 sorgt weiterhin für Diskussionen. In einem Fall, in dem eine Tierärztin die gleiche Bezahlung wie ihr Bruder forderte, entschieden die Richter: Kläger müssen konkrete Angaben zu ihren tatsächlichen Arbeitszeiten machen, um einen Stundenlohnvergleich zu ermöglichen. Die pauschale Behauptung einer Vollzeitbeschäftigung reiche nicht aus.
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Analyse: Zweigeteilte Arbeitswelt
Die unterschiedlichen Ergebnisse bei Nike, Zalando und Audi zeichnen ein gespaltenes Bild der europäischen Arbeitsbeziehungen. Wo Gewerkschaften frühzeitig eingreifen und rechtliche Hebel nutzen konnten – wie bei Zalando oder Nike – ließen sich die Folgen für die Belegschaft abfedern. In Branchen mit hohem Kostendruck, wie der Automobilproduktion in Brüssel, setzt das Management dagegen auf Einzellösungen statt kollektiver Sozialpläne.
Der Juni wird zeigen, ob der eingeschlagene Verhandlungsweg bei Zalando hält. Und ob das Nike-Modell – halbierte Stellenstreichungen durch entschlossene Gewerkschaftsarbeit – Schule macht in einer Zeit des industriellen Umbruchs.
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