NIS-2-Richtlinie: Registrierungsfrist bis 31. Juli fĂŒr Unternehmen
Veröffentlicht: 30.06.2026 um 10:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein aktueller Marktbericht von Black Kite verzeichnet einen Anstieg um 55,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit durchschnittlich 171 VorfÀllen pro Monat erreicht die Bedrohungslage einen neuen Höchststand.
Besonders die groĂen Volkswirtschaften des Kontinents sind betroffen. Auf sie entfallen rund 70 Prozent aller Attacken.
Deutschland ist der Hotspot
Mit 370 gemeldeten VorfĂ€llen liegt Deutschland an der Spitze â das sind knapp 18 Prozent aller europĂ€ischen Angriffe. Das Bundeskriminalamt registrierte bereits fĂŒr 2025 einen Anstieg auf 1.041 FĂ€lle, nach 950 im Vorjahr. Experten des Hasso-Plattner-Instituts bezeichnen Deutschland als aktuellen Ransomware-Hotspot in Europa. Die Zuwachsraten fallen hier fast doppelt so hoch aus wie in Frankreich.
Hinter Deutschland folgen das Vereinigte Königreich (347 VorfÀlle) sowie Frankreich, Italien und Spanien. Besonders starke Anstiege verzeichneten Italien mit 92 und Frankreich mit 119 Prozent. Die Lösegeldforderungen liegen laut Branchenexperten oft im Bereich mehrerer Hunderttausend Euro. Im Gesundheitssektor werden die höchsten Summen verlangt.
Industrie und Lieferketten im Visier
Die verarbeitende Industrie ist das Hauptziel. Mit knapp 28 Prozent aller Angriffe war das Manufacturing der am hÀufigsten attackierte Sektor, gefolgt von professionellen Dienstleistungen. Ein aktuelles Beispiel: Der Textilhersteller Kunert Fashion meldete am 29. Juni eine Kompromittierung durch die Ransomware-Gruppe Qilin.
Angriffe ĂŒber Drittanbieter werden zum zentralen Problem. Allein im ersten Drittel des Jahres traf es 64 europĂ€ische Organisationen ĂŒber Schwachstellen bei ihren Zulieferern. Besonders drastisch war der Vorfall beim Dienstleister Miljödata: Rund 250 Kunden, darunter 200 Kommunen, waren betroffen. Die Daten von ĂŒber einer Million Personen wurden offengelegt.
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Die wirtschaftlichen Folgen sind massiv. Einer Studie von HarfangLab zufolge erwarten 54 Prozent der befragten FĂŒhrungskrĂ€fte noch am selben Tag eines Angriffs Umsatzverluste. Die durchschnittliche Wiederherstellungszeit liegt bei etwa dreieinhalb Tagen.
Angreifer nutzen KI fĂŒr Phishing
Die Bedrohungsakteure professionalisieren ihre Methoden. Zu den aktivsten Gruppen zĂ€hlen Qilin, Akira und SafePay. Microsoft warnte am 25. Juni vor einer neuen Phishing-Methode namens âAuthentication Laundering". Dabei nutzen Angreifer legitime Drittanbieter-Plattformen, um schĂ€dliche Links zu verbreiten, die herkömmliche Sicherheitsfilter passieren.
KĂŒnstliche Intelligenz spielt eine zwiespĂ€ltige Rolle. WĂ€hrend Unternehmen KI zur Abwehr einsetzen, nutzen Angreifer generative Tools fĂŒr Zielrecherche und tĂ€uschend echte Phishing-Kampagnen. Eine BCG-Untersuchung zeigt das Paradoxon: 74 Prozent der Angestellten nutzen KI-Werkzeuge, um Zeit zu sparen â gleichzeitig erhöht der Einsatz fortgeschrittener KI die Wahrscheinlichkeit fĂŒr SicherheitsvorfĂ€lle um rund 40 Prozent.
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BSI verschÀrft die Regeln
Angesichts der Bedrohungslage erhöhen Behörden den Druck. Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik mahnt die Einhaltung der Registrierungsfristen fĂŒr die NIS-2-Richtlinie an. Diese muss bis zum 31. Juli 2026 erfolgen. Bis Ende Mai hatten sich rund 18.500 Einrichtungen registriert. VerstöĂe gegen die Meldepflichten können mit erheblichen BuĂgeldern geahndet werden.
Gleichzeitig flieĂt Geld in neue Verteidigungslösungen. Das Unternehmen Eye Security schloss Ende Juni eine Finanzierungsrunde ĂŒber 60 Millionen Euro ab. Ziel ist der Ausbau der KI-gestĂŒtzten Erkennungsplattform und spezialisierter Cyberversicherungen â mit Fokus auf Deutschland. Auch das BSI plant fĂŒr den Haushalt 2027 rund 200 Millionen Euro fĂŒr Automatisierungsprojekte ein. Die Bundesbank berichtet von zeitweise bis zu 5.000 Attacken pro Minute.
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