Nivea-Umsatz sinkt im dritten Quartal nur noch um 4,9 Prozent
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 11:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBeiersdorf setzt auf neue Nivea-Käufer
- Beiersdorf-Chef Vincent Warnery sieht bei der Kernmarke eine verbesserte Dynamik.
- Die Produktlinie Face+ kam im September nach Europa und richtet sich an jüngere Kunden.
- Für 2027 erwartet Warnery nach einem schwachen vierten Quartal wieder Wachstum.
Nivea-Umsatz sinkt im dritten Quartal um 4,9 Prozent
Der Umsatzrückgang der Beiersdorf-Kernmarke Nivea hat sich im dritten Quartal abgeschwächt. Der Hamburger Dax-Konzern sieht nach dem im Sommer angekündigten 18-monatigen Umbauplan eine verbesserte Dynamik.
Minus fällt geringer aus
Der Nivea-Umsatz sank organisch um 4,9 Prozent auf nahezu 1,3 Milliarden Euro. Im Vorquartal hatte das Minus noch 6,7 Prozent betragen; im Einzelhandel wuchsen die Nivea-Umsätze weltweit.
Belastet wurde das Quartal durch einen Streit mit einem russischen Zulieferer. Beiersdorf zufolge ist der Streit beigelegt, sodass das Unternehmen im vierten Quartal keine signifikanten Auswirkungen erwartet.
Neue Produkte sollen jüngere Kunden erreichen
Beiersdorf gewährt im Rahmen des Wachstumsplans Rabatte und investiert mehr Geld in Werbung. Für Nivea Sun schloss der Konzern eine Partnerschaft mit der Tour de France ab; im September brachte er die ursprünglich für Schwellenländer entwickelte Produktlinie Face+ nach Europa.
Vorstandschef Vincent Warnery sagte der Deutschen Presse-Agentur, rund 80 Prozent der Face+-Käufer hätten zuvor keine Nivea-Hautpflegeprodukte gekauft. Die Kunden seien zudem deutlich jünger als die gewöhnlichen Nivea-Kunden.
Dermatologie-Marken wachsen stärker
Auf Nivea entfällt mehr als die Hälfte des Beiersdorf-Umsatzes. Der Konzernumsatz lag im dritten Quartal bei annähernd 2,4 Milliarden Euro und ging organisch um 1,3 Prozent zurück.
Das Nivea-Minus wurde durch das beschleunigte Wachstum der Dermatologie-Marken abgeschwächt. Auch die Luxusmarke La Prairie entwickelte sich dank einer höheren Nachfrage in China deutlich besser.
Prognose bleibt unverändert
Beiersdorf bestätigte die im Sommer gesenkte Jahresprognose. Der Konzern erwartet organisch einen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Bereich und eine operative Marge von mindestens 11,8 Prozent nach 14 Prozent im Jahr 2025.
Warnery rechnet im vierten Quartal mit einer negativen Umsatzentwicklung und erwartet anschließend für 2027 wieder Wachstum. Beiersdorf beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 22.000 Menschen; deutsche Werke befinden sich in Hamburg, Berlin und Leipzig.
Die Entwicklung bei Nivea zeigt, wie stark Beiersdorf von seiner wichtigsten Marke abhängig ist. Auf die Markenfamilie entfällt mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes. Ein Rückgang von 4,9 Prozent belastet deshalb das Gesamtergebnis, auch wenn sich das Minus gegenüber dem Vorquartal verringert hat.
Der Konzern reagiert mit einem 18-monatigen Umbau, höheren Werbeausgaben, Preisnachlässen und neuen Produkten. Die Einführung von Face+ in Europa zielt darauf, jüngere und preissensiblere Käufer zu erreichen. Dass rund 80 Prozent der Face+-Käufer zuvor keine Nivea-Hautpflegeprodukte gekauft haben, deutet auf zusätzliches Reichweitenpotenzial hin.
Andere Marken stabilisieren das Geschäft
Die Belastung durch Nivea wird derzeit durch das Wachstum der Dermatologie-Marken und die bessere Entwicklung von La Prairie abgefedert. Damit verteilt sich das Risiko im Konzern teilweise auf mehrere Marken, die allerdings unterschiedliche Kundengruppen und Absatzkanäle bedienen.
Für Beiersdorf bleibt die Margenentwicklung entscheidend. Die bestätigte Prognose sieht einen organischen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Bereich und eine operative Marge von mindestens 11,8 Prozent vor. Im vierten Quartal erwartet der Vorstand noch eine negative Umsatzentwicklung; ein nachhaltiger Erfolg des Umbauplans muss sich daher erst im weiteren Verlauf zeigen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
NDR: „Beiersdorf: Weniger Umsatz, aber Rückgang bei Nivea gebremst“ (27.10.2026)
Der Beitrag hebt neben dem verlangsamten Rückgang bei Nivea die Belastung durch das Sparverhalten der Verbraucher hervor. Anders als die dpa-Meldung nennt er zudem höhere Werbeausgaben im zweiten Halbjahr und die Kursreaktion der Beiersdorf-Aktie.
stern: „Kosmetik: Beiersdorf dämpft Umsatzrückgang bei Nivea“ (27.10.2026)
Der Artikel bestätigt die Entwicklung bei Nivea, die Konzernzahlen und die gesenkte Jahresprognose. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Umbauplan, der Produktlinie Face+ und dem Beitrag der Dermatologie- und Luxusmarken zur Stabilisierung.
Beide Beiträge stimmen beim abgeschwächten Nivea-Rückgang und der weiterhin belasteten Konzernentwicklung überein. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Gewichtung von Konsumzurückhaltung, Werbeausgaben und der Entwicklung einzelner Geschäftsbereiche.
