LĂ€ndervergleich Gerechtigkeit: Deutschland auf Rang zehn
05.05.2025 - 07:05:51 | dpa.deIn der neuen Ausgabe des "Gerechtigkeitsindex" belegen Norwegen, Schweden und DĂ€nemark die ersten drei PlĂ€tze, gefolgt von Island und Finnland. Deutschland liegt in dem Vergleich hinter Ăsterreich und vor der Schweiz auf Platz zehn, womit die deutschsprachigen LĂ€nder sehr nah beieinander im vorderen Mittelfeld rangieren. Auf dem letzten Platz landete die TĂŒrkei, auch Japan und die USA sind auf den PlĂ€tzen 29 und 30 in der Schlussgruppe. Auftraggeber war die Stiftung Familienunternehmen in MĂŒnchen, die die Untersuchung veröffentlichte.
Sechs Kategorien der Gerechtigkeit
Die Studienautoren verweisen ausdrĂŒcklich darauf, dass das Gerechtigkeitsempfinden in vielerlei Hinsicht von persönlichen PrĂ€ferenzen abhĂ€ngt. Um dennoch einen möglichst objektiven Index aufzustellen, verglichen der federfĂŒhrende Ăkonom Dominik Enste und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 43 einzelne Indikatoren in sechs Kategorien: Bedarfsgerechtigkeit, Regelgerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit, Chancengerechtigkeit, Einkommensgerechtigkeit und Generationengerechtigkeit. Das IW Köln wird hauptsĂ€chlich getragen von Wirtschafts- und ArbeitsgeberverbĂ€nden.
Unter das Stichwort Bedarfsgerechtigkeit etwa fĂ€llt die Deckung der menschlichen GrundbedĂŒrfnisse unabhĂ€ngig vom Einkommen, unter Einkommensgerechtigkeit die Frage nach gleichmĂ€Ăiger Verteilung von Einkommen und Lasten. Grundlage der Vergleiche waren Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat, der Weltbank, der OECD und anderer Organisationen zu Einkommen, SozialfĂŒrsorge, Renten- und Bildungssystemen.
Geteilte Meinungen ĂŒber die Gerechtigkeit
In einer begleitenden Umfrage kam heraus, dass die Vorstellungen zur Gerechtigkeit in der deutschen Bevölkerung auseinandergehen. Knapp 87 Prozent der 3.267 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Regelgerechtigkeit am wichtigsten, also der Gedanke, dass fĂŒr alle Mitglieder einer Gesellschaft gleiches Recht gelten soll. Knapp 49 Prozent halten demnach möglichst gleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen fĂŒr gerecht. Doch stimmten knapp drei Viertel - gut 74 Prozent - auch dem Satz zu: "Eine Gesellschaft ist gerecht, wenn Personen, die im Beruf viel leisten, mehr verdienen als andere."
Die auftraggebende Stiftung Familienunternehmen zog den Schluss, dass es in Deutschland kein grundlegendes Gerechtigkeitsproblem gebe. "Es ist gut, von Wissenschaftlern zu hören, dass es in Deutschland im Kern gerecht zugeht", sagte Vorstand Rainer Kirchdörfer.
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