Digitales Ticket: NRW und Hamburg planen bundesweite Lösung
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 12:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNeue Tarifidee für den Nahverkehr
- Nordrhein-Westfalen und Hamburg bringen den Vorschlag bei der Herbstkonferenz der Verkehrsminister ein.
- Eine Arbeitsgruppe soll ein bundesweites Konzept nach dem Vorbild von eezy.nrw erarbeiten.
- Im September wurden in Nordrhein-Westfalen mehr als 1,4 Millionen Fahrten digital abgerechnet.
NRW und Hamburg planen digitales Nahverkehrsticket
Nordrhein-Westfalen und Hamburg wollen ein bundesweites digitales Fahrscheinangebot für gelegentliche Bus- und Bahnfahrer auf den Weg bringen. Das Smartphone soll Fahrtbeginn und Fahrtende erfassen, den günstigsten Tarif berechnen und die monatlichen Kosten auf den Preis eines Deutschlandtickets begrenzen.
Verkehrsminister beraten über Arbeitsgruppe
Die Länder haben den Vorschlag für die am Mittwoch beginnende Herbstkonferenz der Verkehrsminister eingebracht. Im bayerischen Hohenschwangau soll eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden, die ein Konzept für das neue Ticketsystem erstellt.
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eezy.nrw dient als Vorbild
Als Vorbild gilt das System eezy.nrw. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verkehrsministeriums wurden damit im September mehr als 1,4 Millionen Fahrten abgerechnet.
Bei dem Verfahren checken Fahrgäste per Smartphone ein und aus. Der Tarif wird anschließend automatisch ermittelt; innerhalb eines Monats sollen die Kosten höchstens dem Preis des Deutschlandtickets entsprechen.
Länder müssen Tariffragen klären
Niedersachsen bewertet den Vorstoß grundsätzlich positiv. Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne verwies zugleich auf den Abstimmungsbedarf bei Tarifen, Mitnahmeregeln, Finanzierung und Einnahmeaufteilung.
Auch der Fahrgastverband Pro Bahn unterstützt das Vorhaben und regt an, Gruppen und Familien einzubeziehen. Das Deutschlandticket kostet derzeit 63 Euro im Monat und soll im kommenden Jahr 66,80 Euro kosten.
Das geplante digitale Ticket zielt auf eine Lücke im deutschen Nahverkehr: Das Deutschlandticket bietet bundesweite Gültigkeit, lohnt sich aber vor allem für Menschen, die Busse und Regionalzüge regelmäßig nutzen. Wer nur wenige Fahrten im Monat unternimmt, zahlt mit einem monatlichen Abonnement häufig für eine Leistung, die er nicht ausschöpft.
Das Modell aus Nordrhein-Westfalen setzt deshalb nicht auf ein weiteres klassisches Abo, sondern auf eine automatische Abrechnung einzelner Fahrten. Die Smartphone-Erfassung könnte den Zugang vereinfachen, weil Fahrgäste nicht vor jeder Fahrt den passenden Tarif auswählen müssten. Zugleich soll die monatliche Deckelung verhindern, dass die Gesamtkosten über den Preis des Deutschlandtickets steigen.
Bundesweite Umsetzung bleibt anspruchsvoll
Für eine bundesweite Lösung müssten die Länder jedoch gemeinsame Regeln für Tarife, Mitnahmemöglichkeiten, Vertrieb und Einnahmeaufteilung festlegen. Diese Fragen sind besonders relevant, weil der Nahverkehr von unterschiedlichen Verkehrsverbünden und Aufgabenträgern organisiert wird. Ein einheitliches digitales Verfahren könnte die Nutzung über Verbundgrenzen hinweg erleichtern, verlangt aber abgestimmte technische und finanzielle Strukturen.
Für Fahrgäste wäre die wichtigste Konsequenz eine zweite bundesweite Option neben dem Deutschlandticket: regelmäßige Nutzer könnten beim Abo bleiben, gelegentliche Nutzer würden nach tatsächlicher Nutzung abrechnen. Die Verkehrsministerkonferenz soll zunächst die Voraussetzungen für ein Konzept klären; eine sofortige Einführung ist damit noch nicht verbunden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „ÖPNV: Minister wollen bundesweites Ticket für Gelegenheitsfahrer“ (20.10.2026)
Der Beitrag bestätigt den Vorschlag eines smartphonebasierten In/Out-Tarifs und stellt ihn in den Zusammenhang mit dem steigenden Preis des Deutschlandtickets ab 2027. Im Mittelpunkt stehen außerdem die Finanzierungsfragen des öffentlichen Nahverkehrs.
Deutschlandfunk: „Verkehrsminister Bundesweites Angebot für Gelegenheitsfahrer geplant“ (20.10.2026)
Der Deutschlandfunk hebt die geplante Arbeitsrichtung der Länder und das Vorbild aus Nordrhein-Westfalen hervor. Beide Beiträge sehen den Nutzen für Gelegenheitsfahrer, während die konkrete Ausgestaltung und Finanzierung offenbleiben.
Einigkeit besteht beim Ziel eines bundesweit nutzbaren Angebots. Unterschiede liegen vor allem bei der Gewichtung: Während der ZDF-Beitrag den Preis des Deutschlandtickets und die ÖPNV-Finanzierung einordnet, konzentriert sich der Deutschlandfunk stärker auf Verfahren und Zuständigkeiten.
