OT-Sicherheit, Schutzmaßnahmen

OT-Sicherheit: Nur 17 Prozent trauen ihren Schutzmaßnahmen

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Krones startet Forschungsprojekt zur Härtung von Fabriknetzen, Haribo nutzt KI zur Wartungsoptimierung. Die OT-Sicherheitslage in der Industrie bleibt angespannt.

Industrie 4.0: Krones und Haribo investieren in Cybersicherheit und KI-Wartung
Moderne, digital vernetzte Fabrikanlage mit KI-gestützten Überwachungssystemen und Schutzschichten für die Cybersicherheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Deutsche Unternehmen investieren massiv in den Schutz ihrer Produktionsanlagen. Während Krones ein Forschungsprojekt zur IIoT-Sicherheit startet, setzt Haribo auf KI-gestützte Wartung. Der Anlass: Die Bedrohungslage in der Industrie verschärft sich.

Krones forscht an robusteren Fabriknetzen

Der Regensburger Anlagenbauer Krones hat Anfang August gemeinsam mit der Universität Regensburg, Scherdel, Innotec und Integral-Scherdel das Forschungsprojekt REINSIST gestartet. Ziel ist es, industrielle Steuerungsnetzwerke gegen Angriffe von außen zu härten.

Das bayerische Wirtschaftsministerium fördert das auf drei Jahre angelegte Vorhaben mit rund 614.000 Euro. Staatssekretär Tobias Gotthardt übergab die Förderurkunde offiziell.

Haribo überwacht Hochregallager mit KI

Parallel zur Forschung treibt der Süßwarenhersteller Haribo die Digitalisierung voran. Im Verteilzentrum Grafschaft überwacht Künstliche Intelligenz seit Kurzem das 40 Meter hohe Hochregallager mit 92.000 Palettenstellplätzen.

22 Regalbediengeräte und eine 2,6 Kilometer lange Fördertechnik sind mit Edge-Geräten von Siemens und Software von SSI Schäfer vernetzt. Das System erfasst Maschinendaten kontinuierlich und erkennt Wartungsbedarf frühzeitig. Nach Unternehmensangaben spart Haribo dadurch bereits bis zu 30 Prozent der unnötigen Wartungseinsätze. Der Pilot startete im Wareneingang, weitere Bereiche sollen folgen.

Unternehmen schätzen Sicherheitslage realistischer ein

Ein Branchenreport für 2026 zeigt einen bemerkenswerten Trend: Nur noch 17 Prozent der Unternehmen stufen ihre OT-Sicherheit als höchste Reifestufe ein – im Vorjahr waren es noch 49 Prozent. Experten werten das nicht als Rückschritt, sondern als realistischere Selbsteinschätzung.

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Die tatsächliche Bedrohung wächst derweil. Sicherheitsanalysten beobachten, dass Angreifer länger unbemerkt in industriellen Netzen verweilen. Phishing bleibt mit 76 Prozent die häufigste Angriffsmethode, Ransomware folgt mit 50 Prozent. Angesichts dieser Lage fordern 81 Prozent der Unternehmen, die OT-Sicherheit direkt dem Chief Information Security Officer zu unterstellen.

Dezentrale Lösungen im Trend

Um Angriffsflächen zu minimieren, setzen Hersteller zunehmend auf Edge-Computing. Der Anbieter Igus bringt ein neues Modul auf den Markt, das Maschinendaten direkt im Schaltschrank verarbeitet – ohne permanente Internetanbindung. Das kann die CPU-Last in Steuerungen um bis zu 68 Prozent senken.

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Auch bei den Kommunikationsstandards tut sich etwas: OPC UA bleibt der zentrale Standard für Industrie 4.0, während die neue Technologie 10BASE-T1S Ethernet kostengünstig bis auf die Sensorebene bringt.

Sicherheitsbehörden wie CISA und FBI warnen jedoch davor, sich allein auf virtuelle Netzwerktrennungen zu verlassen. Nach jüngsten Vorfällen in kommunalen Wassersystemen in den USA gelten herkömmliche VLANs als nur minimal effektiv. Echte Isolation erfordere detaillierte Analysen der Systemabhängigkeiten.

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