Parkinson-Anerkennung: Neue Berufskrankheit für Landwirte ab August
18.06.2026 - 15:35:03 | boerse-global.de
Das Bundeskabinett stimmte am 27. Mai zu, der Bundestag folgte Ende Mai. Die Zustimmung des Bundesrates gilt als Formsache.
Damit endet ein langer Weg: Bereits im März 2024 war die Erkrankung als sogenannte „Wie-Berufskrankheit“ anerkannt. Der Unterschied zur jetzigen Regelung ist gewaltig.
Weniger Bürokratie für betroffene Landwirte
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Bisher mussten erkrankte Landwirte, Gärtner oder Forstarbeiter im Einzelfall nachweisen, dass ihre Parkinson-Erkrankung durch die Arbeit entstand. Das war aufwendig und oft schwierig.
Mit der neuen Verordnung kehrt sich die Beweislast um. Sind die spezifischen Bedingungen erfüllt – langjährige, häufige und selbst durchgeführte Pestizidanwendungen – gilt der Zusammenhang als gegeben.
Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Verdachtsanzeigen. Auch Krankenkassen sind verpflichtet, entsprechende Fälle zu melden.
Rückwirkend bis September 2023
Für bereits Erkrankte gibt es eine wichtige Frist: Wer eine Meldung vor dem 1. August einreicht, kann unter Umständen eine rückwirkende Anerkennung bis zum 5. September 2023 erhalten.
Das ist entscheidend für Entschädigungsleistungen und die Übernahme von Behandlungskosten. Betroffene sollten daher schnell prüfen lassen, ob ihre Erwerbsbiografie die Kriterien erfüllt.
Streit um Kosten und Kausalität
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Ganz unumstritten ist die Neuregelung nicht. Der Deutsche Bauernverband (DBV) wies darauf hin, dass der direkte Zusammenhang zwischen Pestiziden und Parkinson weiterhin umstritten sei. Zudem forderte der Verband eine finanzielle Beteiligung des Bundes an den zu erwartenden Kosten.
Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) sieht das anders. Sie bezeichnete die Anerkennung als überfällig und betonte die Bedeutung des Arbeitsschutzes für Beschäftigte, die jahrzehntelang chemischen Substanzen ausgesetzt waren.
Während die rechtliche Umsetzung läuft, arbeitet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bereits an neuen Technologien. KI-gestützte Bildanalysen sollen künftig Hautbelastungen durch Schadstoffe schneller erkennen.
