Personalreserve, Gesundheit

Personalreserve Gesundheit: KBV warnt vor zusÀtzlicher Belastung der Praxen

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das geplante Gesetz umfasst Personalreserven, grĂ¶ĂŸere VorrĂ€te und ein digitales Lagebild; die KBV kritisiert mögliche Zusatzbelastungen.
Ein minimalistischer, leerer Krankenhausflur mit heller Beleuchtung und klaren architektonischen Linien. Illustration mit AI erstellt.

Die Bundesregierung bereitet den Aufbau einer Personalreserve Gesundheit vor, um die Versorgungssicherheit in Krisen- oder VerteidigungsfĂ€llen strukturell abzusichern. Katja Kohfeld, StaatssekretĂ€rin im Bundesgesundheitsministerium, stellte die entsprechenden PlĂ€ne auf dem Symposium „Gesundheitsversorgung in der Gesamtverteidigung“ der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung in Berlin vor.

Drei SĂ€ulen im neuen Gesundheitssicherstellungsgesetz

Das Vorhaben zur Personalsicherung ist Bestandteil des geplanten Gesundheitssicherstellungsgesetzes, das auf drei zentralen SĂ€ulen aufbaut. Die erste SĂ€ule widmet sich dem Personalbereich. Hierbei sollen rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, um pensionierte Ärztinnen und Ärzte sowie PflegefachkrĂ€fte bei Bedarf aus dem Ruhestand zurĂŒckzuholen.

Zudem sieht das Konzept die Schulung von HilfskrÀften sowie gezielte Weiterqualifizierungen vor, insbesondere mit Blick auf die Behandlung von Explosions- und Kriegsverletzungen. Kohfeld hob hervor, dass Gesundheitsvorsorge ein Teil der Daseinsvorsorge sei und das Personal dabei die kritischste Komponente darstelle. Das Gesetz und die laufende Krankenhausreform gehörten eng zusammen.

Die zweite SĂ€ule betrifft die Vorratshaltung medizinischer GĂŒter. Bislang bewegt sich die Bevorratung im System in einem Rahmen von 2–6 Wochen. KĂŒnftig sollen rechtliche Ausnahmen im Arzneimittel-, Medizinprodukte- und Apothekenrecht ermöglicht werden, um eine umfassendere Lagerhaltung zu gewĂ€hrleisten.

Als dritte SÀule ist ein zentrales Gesundheitslagebild vorgesehen. Dieses soll den behördlichen Datenaustausch optimieren und den LÀndern weitergehende Befugnisse einrÀumen, darunter die Aussetzung elektiver Leistungen sowie die verbindliche Einbeziehung von Leistungserbringern.

Technisch ist hierfĂŒr eine bundesweite Echtzeit-Plattform geplant, welche die VerfĂŒgbarkeit von Betten, Personal und Material erfasst. Nach Angaben aus dem Deutschen Bundestag entwickeln deutsche Behörden entsprechende Reformen und Vorsorgemaßnahmen, um KrankenhĂ€user und die Gesundheitsinfrastruktur bei Großschadenslagen und Verteidigungsszenarien robuster aufzustellen.

Anzeige

Die Bundesregierung bereitet eine Personalreserve Gesundheit vor, und die KBV warnt bereits vor zusĂ€tzlicher Belastung der ambulanten Praxen. Wer heute 97 Prozent der BehandlungsfĂ€lle trĂ€gt, sollte die eigenen Strukturen kennen, bevor neue Pflichten greifen. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen die wichtigsten Vorsorge-Hebel fĂŒr Ihre Praxis. Kostenlosen Praxis-Leitfaden zur Krisenvorsorge anfordern

Kritik von der KassenÀrztlichen Bundesvereinigung

Aus den Reihen der niedergelassenen Ärzteschaft stĂ¶ĂŸt das Vorhaben auf Bedenken. KBV-Vize Stephan Hofmeister kritisierte das vorgesehene Verpflichtungsinstrument der Personalreserve. Er verwies auf die bereits hohe Belastung der ambulanten Versorgung. Das ambulante System trage derzeit 97% der BehandlungsfĂ€lle in der gesetzlichen Krankenversicherung. Dies entspreche ĂŒber 586 Mio. FĂ€llen jĂ€hrlich, darunter 61,7 Mio. Gesundheits- und FrĂŒherkennungsuntersuchungen.

Szenarien der Bundeswehr fĂŒr den Ernstfall

Den verteidigungspolitischen Hintergrund der Reformen erlÀuterten Vertreter der Bundeswehr wÀhrend der Tagung. Brigadegeneral David Markus skizzierte das Szenario eines hybriden Angriffs im Jahr 2029 mit Kampfhandlungen gegen Russland.

Anzeige

Ein Verpflichtungsinstrument fĂŒr die Personalreserve ist geplant — und viele Praxisinhaber wissen nicht, welche Vorbereitung dann von ihnen erwartet wird. Dieser Leitfaden ordnet die geplanten Regelungen ein und liefert eine Checkliste fĂŒr Personal, VorrĂ€te und Notfallbetrieb. Vorsorge-Checkliste fĂŒr Ihre Praxis jetzt abrufen

In einer solchen Lage mĂŒsse mit einer hohen Zahl von Verwundeten, Kriegsgefangenen und FlĂŒchtlingen gerechnet werden. Da eine derartige Auseinandersetzung ĂŒber Jahre andauern könne, sei die Bundeswehr zwingend auf die UnterstĂŒtzung der Zivilgesellschaft angewiesen.

FĂŒr die Koordinierung der militĂ€rischen SanitĂ€tsstrukturen kĂŒndigte Generaloberstabsarzt Ralf Hoffmann, Befehlshaber des Zentralen SanitĂ€tsdienstes, organisatorische Fortschritte an: Das Medical Component Command in Bonn solle ab nĂ€chstem Jahr voll einsatzfĂ€hig sein.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70447609 |