Pflegekräfte unter Druck: 88% bewältigen ständig Multitasking
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 08:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat am 10. August 2026 ein neues Faktenblatt zu den Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche vorgelegt.
Die Auswertung basiert auf Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024 und verdeutlicht die erheblichen körperlichen und psychischen Belastungen, denen Beschäftigte in diesem Sektor im Vergleich zu anderen Berufsgruppen ausgesetzt sind. Die Untersuchung unterscheidet dabei differenziert zwischen der stationären Langzeitpflege, der akutstationären Versorgung sowie dem ambulanten Sektor.
Hohe körperliche Belastung im Pflegealltag
Ein zentrales Ergebnis der Veröffentlichung betrifft die physische Beanspruchung des Personals. Laut den Daten der BAuA müssen 62 Prozent der Beschäftigten in der stationären Langzeitpflege sowie 69 Prozent in der akutstationären Pflege häufig schwere Lasten heben oder tragen.
Im Vergleich dazu liegt dieser Wert in anderen Berufsfeldern lediglich bei 15 Prozent. Zudem gaben mindestens 85 Prozent der Pflegenden an, ihre Tätigkeit häufig im Stehen auszuüben, während dies in anderen Branchen nur auf 45 Prozent der Erwerbstätigen zutrifft.
Diese dauerhafte körperliche Exposition schlägt sich in der Gesundheit der Arbeitnehmer nieder. Die BAuA berichtet, dass zwischen 56 und 65 Prozent der Pflegekräfte unter Rückenbeschwerden leiden. In der restlichen Arbeitswelt liegt die Quote der Betroffenen mit 39 Prozent deutlich niedriger.
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Speziell für den Bereich der Krankenhäuser zeigen die Zahlen ein noch detaillierteres Bild: Hier geben 65 Prozent der Pflegenden Rückenschmerzen an, während 60 Prozent unter Schlafstörungen leiden. Zudem berichteten 64 Prozent der Befragten in diesem Bereich von Erschöpfungssymptomen.
Zeitdruck und Multitasking in der stationären Versorgung
Neben den körperlichen Faktoren spielen psychische Belastungen eine wesentliche Rolle im Berufsalltag. Besonders in der akutstationären Pflege ist die Arbeitsverdichtung hoch.
Den Daten zufolge sehen sich 71 Prozent der dort Beschäftigten regelmäßig mit Termin- und Leistungsdruck konfrontiert. Ein noch höherer Anteil von 88 Prozent gab an, häufig Multitasking bewältigen zu müssen, also verschiedene Aufgaben gleichzeitig oder in sehr kurzer Abfolge zu koordinieren.
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Ein weiterer Aspekt der Untersuchung ist der sogenannte Handlungsspielraum, der beschreibt, inwieweit Beschäftigte ihre Arbeitsabläufe selbst beeinflussen können. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede innerhalb der Branche. Während in der ambulanten Pflege 60 Prozent der Befragten einen entsprechenden Spielraum wahrnehmen, sinkt dieser Wert in der akutstationären Pflege auf 32 Prozent.
Hohe Identifikation mit der Tätigkeit trotz Widrigkeiten
Trotz der dokumentierten Belastungen und gesundheitlichen Risiken zeichnet sich das Berufsfeld durch eine außergewöhnlich hohe subjektive Relevanz aus. Die BAuA-Daten belegen, dass zwischen 92 und 97 Prozent der Pflegenden ihre Tätigkeit als wichtig empfinden.
Dieser Wert liegt signifikant über dem Durchschnitt anderer Berufe, in denen 76 Prozent der Erwerbstätigen ihre Arbeit als wichtig einstuften. Die Ergebnisse unterstreichen damit die Diskrepanz zwischen der hohen intrinsischen Motivation und den objektiv schwierigen Rahmenbedingungen, unter denen die Pflegeleistungen in Deutschland derzeit erbracht werden.
