Pflegekrise, Fachkräfte

Pflegekrise: 350.000 Fachkräfte fehlen bis 2034, Ausland kompensiert

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 14:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Bundesregierung leitet umfassende Gesundheitsreform ein: Sparpaket gegen Milliardenloch, Bürokratieabbau und Maßnahmen gegen den Personalmangel.

Gesundheitsreform: Sparpaket, Bürokratieabbau und Fachkräftemangel
Pflegekrise - Eine vielfältige Gruppe von medizinischem Fachpersonal, die in einer modernen Klinik zusammenarbeitet und Teamarbeit und internationale Integration symbolisiert. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Grund sind ein sich verschärfender Personalmangel und steigende Defizite in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stellte Maßnahmen zum Bürokratieabbau vor. Parallel verabschiedete der Gesundheitsausschuss am Mittwoch ein milliardenschweres Sparpaket. Aktuelle Daten belegen zudem eine wachsende Abhängigkeit von internationalen Fachkräften.

350.000 Pflegekräfte fehlen bis 2034

Der Mangel an qualifiziertem Personal wird zur zentralen Herausforderung. Schätzungen zufolge fehlen bis 2034 rund 350.000 Pflegekräfte. Die Branche setzt daher verstärkt auf Personal aus dem Ausland.

Eine aktuelle Analyse des Portals Pflegia zeigt: Bereits 39 Prozent der registrierten Pflegekräfte haben keinen deutschen Pass. In Berlin liegt dieser Anteil bei 55 Prozent, in Bremen bei 52 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern bildet mit 20 Prozent das Schlusslicht.

Dieser trend setzt sich in der Ausbildung fort. Ende 2025 besaßen in Berlin rund 40 Prozent der Azubis im Gesundheitswesen eine ausländische Staatsangehörigkeit – ein Plus von 16 Prozent zum Vorjahr. In Brandenburg stieg die Zahl ausländischer Azubis sogar um 47 Prozent auf 1.620 Personen. Die meisten von ihnen absolvieren eine Ausbildung zur Pflegefachkraft.

Hausärztemangel: Versorgungslücke droht

Auch in der ambulanten Versorgung zeichnen sich Engpässe ab. Laut einer Prognose des Barmer-Instituts steigt der Bedarf an Hausärzten in Baden-Württemberg bis 2040 um 6,3 Prozent. Gleichzeitig sinkt die Zahl verfügbarer Mediziner um 4 Prozent. Der Versorgungsgrad könnte von 97 auf 79 Prozent fallen.

In Niedersachsen zeigt die aktuelle KVN-Prognose eine leicht entspannte Lage. Dennoch müssen dort bis 2040 zwischen 50 und 90 Prozent der heutigen Hausarztsitze neu besetzt werden. Jährlich sind dafür etwa 280 Nachfolger nötig. Neben der Allgemeinmedizin droht ein Facharztmangel in Augenheilkunde, Kinder- und Jugendmedizin sowie Gynäkologie.

Warken kündigt Bürokratieabbau an

Um das Personal von administrativen Aufgaben zu entlasten, kündigte Gesundheitsministerin Warken am 7. Juli ein Maßnahmenpaket an. Geplant sind die elektronische Überweisung, digitale Terminvermittlung und ein Pflege-Cockpit. Bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen soll eine Bagatellgrenze von 300 Euro Regressverfahren für Kleinbeträge verhindern.

Ein weiterer Schritt: Die Arbeitsmedizin wird in die digitale Infrastruktur eingebunden. Das geplante Gesundheits-Digital-Gesetz (GeDIG) sieht vor, dass Betriebsärzte künftig auf die elektronische Patientenakte (ePA) zugreifen können. Fachgesellschaften wie die DGAUM befürworten das, Datenschützer äußern Bedenken. Die ePA wurde Anfang 2025 flächendeckend eingeführt.

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Milliardenloch: Sparpaket für die GKV

Am 8. Juli billigte der Gesundheitsausschuss nach neunstündiger Sitzung ein GKV-Sparpaket. Es soll das prognostizierte Defizit von rund 19 Milliarden Euro für 2027 ausgleichen. Die Neuregelung sieht unter anderem Anpassungen bei Zuzahlungen vor.

Die endgültige Entscheidung im Bundestagsplenum wird für den 10. Juli erwartet. Die Vorstandsvorsitzende der AOK, Dr. Carola Reimann, mahnte weitere tiefgreifende Strukturreformen an, um die Beitragssätze stabil zu halten.

Attestpflicht ab erstem Tag geplant

Flankiert wird die Kostendebatte durch Pläne der Regierungskoalition: Eine Attestpflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Bundeskanzler Merz begründete dies mit den hohen Krankenständen.

Daten des BKK Dachverbandes für 2025 zeigen: Der Krankenstand lag stabil bei 6,1 Prozent. Die Ausgaben für Krankengeld erreichten mit 21,6 Milliarden Euro einen Höchststand.

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Hausärzteverband und Arbeitsrechtler äußerten sich kritisch. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht wies darauf hin, dass bestehende Verträge mit großzügigeren Regelungen durch das Günstigkeitsprinzip geschützt sein könnten. Zudem wird vor einer Überlastung der Praxen gewarnt: Kurzzeiterkrankungen von bis zu sieben Tagen machen zwar den Großteil der Fälle aus, sind aber nur für etwa 23 Prozent der Fehltage verantwortlich. Hauptkostentreiber bleiben Langzeiterkrankungen durch psychische Leiden oder Muskel-Skelett-Beschwerden.

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