Pflegereform: Elf-Milliarden-Sparpaket trifft Gutverdiener und Kinderlose
07.06.2026 - 15:03:21 | boerse-global.de
Juni den Entwurf fĂŒr das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) vor. Die Reform soll die drohende FinanzierungslĂŒcke in der Pflegeversicherung schlieĂen. Vorgesehen ist ein jĂ€hrliches Sparpaket im Umfang von elf Milliarden Euro.
Der Druck auf die Branche ist enorm. Der FachkrĂ€ftemangel wird auf rund 200.000 fehlende Stellen beziffert. Immer mehr PflegekrĂ€fte geben ihren Beruf auf â ein SystemverschleiĂ, der die Versorgungssicherheit gefĂ€hrdet.
Wer mehr zahlen soll
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Die geplanten MaĂnahmen treffen vor allem Gutverdiener und kinderlose Beitragszahler. Ab Januar 2027 steigt die Beitragsbemessungsgrenze auf das Niveau der Jahresarbeitsentgeltgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung. Rund sechs Millionen BeschĂ€ftigte mit höheren Einkommen sind betroffen. Das soll Mehreinnahmen von 1,6 Milliarden Euro bringen.
Der Beitragssatz fĂŒr Kinderlose klettert auf 4,3 Prozent. Auch Minijobber werden kĂŒnftig zur Kasse gebeten â erwartete Mehreinnahmen: 1,2 Milliarden Euro jĂ€hrlich. Die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern fĂ€llt ab 2028 weg.
PflegebedĂŒrftige zahlen lĂ€nger drauf
Besonders einschneidend: LeistungszuschlĂ€ge fĂŒr Heimbewohner greifen erst nach 18 statt bisher 12 Monaten. Allein 2027 spart das 2,6 Milliarden Euro. Der ParitĂ€tische Wohlfahrtsverband warnt vor steigenden Eigenanteilen. In Mecklenburg-Vorpommern liegen sie bereits bei durchschnittlich 2.903 Euro pro Monat.
Die Gesundheitsministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Drese (SPD), lehnt die PlĂ€ne ab. Gemeinsam mit MinisterprĂ€sidentin Schwesig (SPD) kritisiert sie, dass die Lasten einseitig auf PflegebedĂŒrftige und Angehörige verschoben werden.
Altersarmut fĂŒr pflegende Angehörige?
Ein weiterer Streitpunkt: Die Pflegekassen sollen kĂŒnftig nur noch 70 Prozent der RentenbeitrĂ€ge fĂŒr pflegende Angehörige ĂŒbernehmen. Das spart jĂ€hrlich rund 1,9 Milliarden Euro. Gesundheitsökonomen warnen vor einem erhöhten Risiko fĂŒr Altersarmut â fast drei Viertel der pflegenden Angehörigen sind Frauen.
Teilkrankschreibung als Ausweg?
Parallel plant die Bundesregierung die EinfĂŒhrung einer Teilkrankschreibung. Versicherte, die lĂ€nger als vier Wochen arbeitsunfĂ€hig sind, können freiwillig in den Beruf zurĂŒckkehren. Ărzte stellen eine TeilarbeitsunfĂ€higkeit in Stufen von 25, 50 oder 75 Prozent fest. Voraussetzung ist die Zustimmung des Arbeitgebers.
Das skandinavische Modell soll die Wiedereingliederung nach Krankheit erleichtern. FĂŒr 2027 rechnet die Regierung mit Einsparungen von 40 Millionen Euro, bis 2030 könnten es 160 Millionen Euro sein.
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Demografischer Druck wÀchst
Der demografische Wandel verschĂ€rft die Situation zusĂ€tzlich. Experten warnen: Ohne Reformen gerĂ€t die Pflegeversicherung in eine massive finanzielle Schieflage. FĂŒr die kommenden zwei Jahre wird ein Defizit von insgesamt 22,5 Milliarden Euro prognostiziert.
Das Kabinett soll den Entwurf noch vor der Sommerpause verabschieden. Ob die Reform in dieser Form durchkommt, ist fraglich â der Widerstand aus den LĂ€ndern und von SozialverbĂ€nden ist massiv.
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