Pflegereform: Rentenbeiträge für Angehörige um 30% gekürzt
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 14:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine neue Studie zeigt: Wer in der späten Berufsphase Familienmitglieder pflegt, riskiert erhebliche Einbußen bei der Rente. Das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) hat die finanziellen Risiken für pflegende Erwerbstätige untersucht – mit alarmierenden Ergebnissen.
Drei Hürden für die Rente
Die Analyse konzentriert sich auf die Geburtsjahrgänge 1946 bis 1955. Sie zeigt: Nur wer bestimmte Kriterien erfüllt, sammelt Rentenpunkte durch Pflegetätigkeiten. Die Voraussetzungen sind streng:
- Mindestens zehn Stunden Pflege pro Woche
- Höchstens 30 Stunden parallele Erwerbstätigkeit
- Pflegegrad 2 oder höher bei der gepflegten Person
Wer diese Schwellen unterschreitet, baut weniger Rentenanwartschaften auf als Menschen ohne Pflegeverpflichtungen. Besonders hart trifft es Beschäftigte in der späten Erwerbsphase – genau dann, wenn die höchsten Beiträge zur Rentenversicherung fällig wären.
Dr. Ulrike Ehrlich kritisiert geplante Einsparungen, die die Lage pflegender Angehöriger weiter verschärfen könnten.
Pflegeneuordnungsgesetz: Kürzungen in Milliardenhöhe
Die Studie erscheint inmitten weitreichender Reformpläne. Ein Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) vom Juni 2026 sieht vor, die Rentenbeiträge der Pflegekassen für pflegende Angehörige auf 70 Prozent zu kürzen. Grund: Das drohende Defizit der Pflegeversicherung, das bis 2027 auf 22,5 Milliarden Euro anwachsen könnte.
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Allein die Rentenbeitragskürzung soll rund 1,9 Milliarden Euro einsparen. Weitere Maßnahmen:
- Höhere Beitragsbemessungsgrenze
- Höhere Abgaben für Minijobber und Kinderlose
- Verlängerung der Wartezeiten auf Leistungszuschläge für Heimbewohner von 12 auf 18 Monate (Einsparung: 2,6 Milliarden Euro)
Pflegeheimplätze werden immer teurer
Die Kosten für stationäre Pflege steigen rasant. Mitte Juli 2026 lag der durchschnittliche Eigenanteil für einen Heimplatz im ersten Jahr bei 3.364 Euro monatlich – ein Plus von 256 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Spitzenreiter ist Bremen mit 4.105 Euro, am günstigsten ist Sachsen-Anhalt mit 3.190 Euro.
Die durchschnittliche gesetzliche Rente lag 2024 bei 1.154 Euro. Die Lücke ist enorm. Betroffene müssen auf privates Vermögen zurückgreifen oder „Hilfe zur Pflege" beantragen. Das Schonvermögen für Barvermögen liegt bei gerade einmal 10.000 Euro.
Droht die Altersarmut?
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Die Opposition schlägt Alarm. Ein Abgeordneter der Linken warnt: Bundeseit droht jedem dritten Beschäftigten eine Rente unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze von 1.446 Euro – sofern das Bruttoeinkommen unter 3.771 Euro liegt. In Ostdeutschland sei rechnerisch sogar jeder zweite Beschäftigte betroffen.
Eine Rentenkommission der Bundesregierung empfahl Mitte Juli 2026 Gegenmaßnahmen: eine schrittweise Anhebung des Rentenalters ab 2042 und die Einführung einer kapitalgedeckten Rentenkomponente. Gleichzeitig soll geprüft werden, ob Selbstständige und Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden. Ziel: das Rentenniveau für Neurentner langfristig stabil halten.
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