Photovoltaik-Förderung: Ab 2027 soll der Speicherbonus Investitionshilfen ersetzen
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus plant einen grundlegenden Systemwechsel bei der staatlichen Unterstützung von Solaranlagen. Ab dem Jahr 2027 soll die klassische Investitionsförderung für neue Photovoltaikanlagen durch einen gezielten Bonus für intelligente Stromspeichersysteme abgelöst werden. Die Eckpunkte dieser Reform hatte das Ministerium am 6. Oktober 2026 vorgestellt.
Ende der starren Förderaufrufe und Fokus auf Speicher
Mit der Neuregelung soll das bisherige System der festen Förderaufrufe beendet werden. Vorgesehen ist stattdessen eine fortlaufende Antragstellung nach erfolgter Fertigstellung unter Vorlage der Schlussrechnung. Zudem wird ein intelligentes Energiemanagement künftig verpflichtend vorgeschrieben.
Bei Neuanlagen soll der Einsatz von Wechselrichtern aus europäischer Produktion zur Pflicht werden, während bei Nachrüstungen ein gesonderter Bonus greifen soll. Auch die Nachrüstung bestehender Anlagen mit Speichern wird förderfähig sein.
Anlagen mit Speichersystemen, die ab dem 1. November 2026 abgerechnet werden, sollen bereits 2027 eingereicht werden können oder eine entsprechende Perspektive für das neue Fördermodell erhalten. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner erklärte zu den Plänen, man wolle weg vom bisherigen Wettlauf um Sekunden.
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Ab 2027 sollen nach ihren Angaben ausschließlich Batteriespeicher und Energiemanagementsysteme gefördert werden. Die konkrete Höhe der Förderungen, das Budget sowie die genauen Vergabekriterien sind derzeit allerdings noch offen. Für die Umsetzung der Gesetzesnovelle im österreichischen Parlament ist zudem eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.
Reaktionen aus Branche und Wirtschaft
Der Branchenverband PV&B Austria forderte rasch konkrete Details zur geplanten Förderumstellung ein. Alternative Vorschläge kommen unterdessen aus der Praxis: Der westösterreichische Photovoltaikanbieter Hansesun regte statt des geplanten Systems einen allgemeinen Klima-Investitionsfreibetrag an.
Für Unternehmen gilt derzeit für den Zeitraum von November 2025 bis Dezember 2026 ein Investitionsfreibetrag von 22 Prozent statt der regulären 15 Prozent, begrenzt auf maximal 1 Million Euro pro Wirtschaftsjahr.
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Hohe Nachfrage und Probleme beim letzten Förderaufruf
Hintergrund der geplanten Umstellung ist die wiederholte Überzeichnung des bisherigen Verfahrens. Das bestehende Ticket-System, das seit 2021 im Einsatz ist, geriet zuletzt erneut an seine Grenzen.
Beim dritten und letzten Fördercall für Photovoltaik und Speicher nach dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, der am 8. Oktober 2026 um 17:00 Uhr über die Abwicklungsstelle OeMAG startete, stieg das Ministerium mit einem auf 38,5 Millionen Euro aufgestockten Budget ein, nachdem ursprünglich 8 Millionen Euro vorgesehen waren.
Laut einer ersten Auswertung des Ministeriums wurden bereits nach einer Minute rund 19.600 Tickets gezogen. Nach fünf Minuten stieg die Zahl auf rund 40.800 und nach zehn Minuten auf rund 43.300 Tickets. Beim vorangegangenen Call im Sommer 2026 waren es 24.900 Tickets innerhalb von zehn Minuten gewesen.
Im Juni 2026 waren die verfügbaren Mittel bereits nach 33 Sekunden vergeben: Von 27.925 Anträgen mit einem Fördervolumen von rund 120 Millionen Euro konnten bei Mitteln von rund 20 Millionen Euro lediglich 2.991 Projekte bewilligt werden, was einer Quote von rund 11 Prozent entsprach. Beim Call im Juli 2026 gingen rund 25.000 Antragsteller leer aus.
Beim jüngsten Aufruf kam es zudem zu technischen Problemen bei der OeMAG. Das Antragsportal war zeitweise nicht erreichbar, und fehlerfreie Sicherheitsabfragen wurden als falsch gewertet.
Das Ministerium wertete den Ablauf am 9. Oktober 2026 aus und verwies darauf, dass die Ticketziehung lediglich eine Reihung darstelle, Anträge aber noch bis zum 22. Oktober 2026 eingereicht werden können. Der Anbieter Hansesun kündigte angesichts der Vorfälle an, rechtliche Schritte zu prüfen, und forderte eine Warteliste für alle vorliegenden Anträge.

