Brasilien, Physiotherapeuten

PL 2635/ 26: Brasilien plant Physiotherapeuten für Hochrisikobetriebe

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein brasilianischer Gesetzentwurf sieht Physiotherapeuten in größeren Unternehmen mit erhöhtem Gefahrenpotenzial vor; Beratungen stehen noch aus.
Eine leere, helle Industriehalle mit hohen Decken und Stahlkonstruktionen in einer modernen Fertigungsanlage. Illustration mit AI erstellt.

In der brasilianischen Abgeordnetenkammer liegt ein Gesetzesentwurf vor, der den betrieblichen Gesundheitsschutz in Unternehmen mit erhöhten Gefahrenpotenzialen grundlegend erweitern soll.

Das Gesetzesvorhaben mit der Bezeichnung PL 2635/26 sieht vor, dass bestimmte Betriebe dazu verpflichtet werden, qualifizierte Fachkräfte für Physiotherapie fest in ihre internen Strukturen für Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit einzubinden. Die Initiative zielt darauf ab, gesundheitliche Belastungen am Arbeitsplatz frühzeitig zu reduzieren und arbeitsbedingten Ausfallzeiten entgegenzuwirken.

Schwellenwerte und flexible Beschäftigungsmodelle im Entwurf

Nach den Vorgaben des Gesetzesentwurfs greift die Verpflichtung für Unternehmen, die mehr als 250 Beschäftigte zählen und den Risikograden 3 (mittel bis hoch) oder 4 (sehr hoch) zugeordnet sind. Diese Betriebe müssen mindestens einen Physiotherapeuten in ihre spezialisierten Dienste für Sicherheitstechnik und Arbeitsmedizin, in Brasilien als SESMT bekannt, integrieren.

Dabei lässt der Entwurf den Arbeitgebern verschiedene Optionen bei der vertraglichen Ausgestaltung offen. Eine Anstellung der Fachkraft kann direkt über das Unternehmen erfolgen, über externe Dienstleister ausgelagert oder im Rahmen geteilter Modelle organisiert werden.

Um den betrieblichen Anforderungen größerer Organisationen gerecht zu werden, sieht die Vorlage zudem vor, dass die Zahl der geforderten Physiotherapeuten mit wachsender Beschäftigtenzahl stufenweise ansteigt.

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Aufgabenprofil und arbeitsmedizinische Zielsetzungen

Das im Entwurf definierte Aufgabenspektrum der Fachkräfte im SESMT-Team konzentriert sich im Wesentlichen auf drei Kernbereiche:
- die gezielte Prävention von arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen,
- die Durchführung fundierter ergonomischer Bewertungen direkt an den Arbeitsplätzen,
- die funktionelle Rehabilitation betroffener Mitarbeiter.

Das übergeordnete Ziel des Gesetzesvorhabens besteht darin, die Häufigkeit von Verletzungen im Arbeitsumfeld signifikant zu senken und krankheitsbedingte Fehlzeiten im Betrieb zu verringern. Durch kontinuierliche ergonomische Anpassungen und präventive Übungskonzepte sollen Belastungsfaktoren entschärft werden, bevor chronische Schäden entstehen.

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Parlamentarischer Weg und politischer Hintergrund

Der Entwurf geht auf den Nachrückerabgeordneten Ilacir Bicalho von der Partei Republicanos aus Minas Gerais zurück, der derzeit ohne Mandat ist. Wie das Portal poder360.com.br in einem Bericht vom 24. Oktober 2026 darlegte, steht der Gesetzesentwurf PL 2635/26 nun vor einem mehrstufigen Gesetzgebungsprozess.

Bevor das Vorhaben Rechtskraft erlangen kann, muss es zunächst die zuständigen Fachausschüsse der Abgeordnetenkammer durchlaufen. Geplant sind Beratungen im Gesundheitsausschuss, im Arbeitsausschuss sowie im Ausschuss für Verfassung und Justiz, dem eine abschließende Beschlussfassung zukommt. Nach dem Abschluss dieser Ausschussberatungen folgen die weiteren Abstimmungen im Plenum der Abgeordnetenkammer sowie im Bundessenat.

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