Plastiksteuer ab 2027: Koalition plant 550 Euro je Tonne Kunststoff
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 17:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Koalitionsfraktionen aus CDU/CSU und SPD wollen Kunststoffverpackungen ab Juli 2027 mit einer neuen Steuer von 550 Euro je Tonne belegen.
Milliardeneinnahmen fĂŒr den Bund
Das geht aus dem Entwurf fĂŒr ein âKunststoffverpackungsteuergesetzâ hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und auf einem Beschluss der Bundesregierung vom Juli basiert.
Der Staat soll bereits 2027 zusÀtzliche Einnahmen von 805 Millionen Euro erzielen. Ab 2028 werden den Prognosen zufolge jÀhrliche Mehreinnahmen von knapp 1,5 Milliarden Euro erwartet.
Welche Verpackungen betroffen sind
Steuerpflichtig sollen Kunststoffverpackungen und -folien sowie Verbundverpackungen mit einem Kunststoffanteil von mehr als fĂŒnf Prozent werden. Dazu zĂ€hlen unter anderem Folien, Transport- und Verpackungsmittel, VerschlĂŒsse, Deckel und Kunststoffkapseln.
Die Steuer soll bei der Herstellung, dem Verbringen oder der Einfuhr der betroffenen Verpackungen anfallen. Nach dem Entwurf könnten zunĂ€chst rund drei Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen pro Jahr besteuert werden; diese Menge dĂŒrfte im Laufe der Zeit zurĂŒckgehen.
Ausnahmen und Reaktionen
FĂŒr Verpackungen aus recyceltem Kunststoff kann die Steuer auf Antrag entfallen. Privatpersonen bleiben bei der Weitergabe der betroffenen Produkte steuerfrei.
Die Deutsche Umwelthilfe begrĂŒĂt den Ansatz, fordert aber eine BeschrĂ€nkung auf Einwegverpackungen. Die Abgabe solle keinesfalls Mehrweg treffen und nach ihrer Ansicht auch auf Papier, Pappe, Karton sowie Metalle wie Aluminium und WeiĂblech ausgeweitet werden.
Der Kunststoffverband Plastics Europe Deutschland kritisiert offene Umsetzungsfragen. HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Christine Bunte bezeichnete den Entwurf als nicht ausgereiftes Gesetz, sondern als ânationales Steuerexperimentâ.
Lenkungswirkung und Einnahmen
Die geplante Abgabe verbindet zwei Ziele: Sie soll Kunststoffverpackungen verteuern und zugleich den Bundeshaushalt entlasten. Bei erwarteten Einnahmen von zunĂ€chst 805 Millionen Euro und spĂ€ter rund 1,5 Milliarden Euro wĂ€re sie fiskalisch relevant. FĂŒr Unternehmen hĂ€ngt die tatsĂ€chliche Belastung davon ab, ob sie die Steuer selbst tragen oder ĂŒber Preise weitergeben.
Erfasst werden nach dem Entwurf zahlreiche Verpackungsbestandteile, wĂ€hrend recycelter Kunststoff auf Antrag ausgenommen werden kann. Damit entsteht ein finanzieller Anreiz, Recyclingmaterial einzusetzen und den Materialverbrauch zu senken. Die Wirkung dĂŒrfte jedoch davon abhĂ€ngen, wie leicht Unternehmen den Kunststoffanteil nachweisen können und wie die Ausnahmen administrativ umgesetzt werden.
Auswirkungen auf Verbraucher und Recycling
Privatpersonen sollen bei der Weitergabe betroffener Produkte nicht steuerpflichtig werden. Im Alltag kann die Abgabe dennoch spĂŒrbar werden, wenn Hersteller und HĂ€ndler höhere Kosten an die Preise weiterreichen. Besonders relevant ist deshalb, ob Mehrwegverpackungen tatsĂ€chlich ausgenommen bleiben und wie stark die Steuer auf unterschiedliche Verpackungsarten wirkt.
Der politische Streit dreht sich damit um Reichweite und Umsetzung. UmweltverbĂ€nde verlangen eine Konzentration auf Einweg und eine Ausweitung auf alternative Materialien, wĂ€hrend die Kunststoffindustrie vor einem nationalen Sonderweg warnt. Vor dem geplanten Start im Juli 2027 mĂŒssten daher Bemessungsgrundlage, Nachweisverfahren und die Abgrenzung zu bestehenden Recycling- und Verpackungsregeln prĂ€zisiert werden.
