Plastiksteuer, Kunststoffverpackungen

Plastiksteuer: Koalition plant 550 Euro je Tonne ab 2027

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 17:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

CDU/CSU und SPD wollen Kunststoffverpackungen ab Juli 2027 mit 550 Euro je Tonne belasten. Der Bund rechnet dadurch ab 2028 mit Mehreinnahmen von knapp 1,5 Milliarden Euro jÀhrlich.

Steuerpflichtig sollen Kunststoffverpackungen sein, wenn deren Kunststoffanteil mehr als fĂŒnf Prozent betrĂ€gt. (Symbolbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Steuerpflichtig sollen Kunststoffverpackungen sein, wenn deren Kunststoffanteil mehr als fĂŒnf Prozent betrĂ€gt. (Symbolbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD planen ab Juli 2027 eine Steuer von 550 Euro je Tonne auf Kunststoff in Verpackungen.

Gesetzentwurf wird noch abgestimmt

Das geht aus einem Entwurf fĂŒr ein Kunststoffverpackungsteuergesetz hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und auf einem Beschluss der Bundesregierung vom Juli basiert. Die beiden Fraktionen sollen den Entwurf in den Bundestag einbringen; das Papier stammt aus der Vorarbeit von Umwelt- und Finanzministerium und soll zunĂ€chst noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt werden.

Mit der Verbrauchsteuer soll der Verbrauch von Kunststoffverpackungen sinken. Nach Angaben im Entwurf fielen 2023 rund drei Millionen Tonnen KunststoffverpackungsabfÀlle an.

Bis zu 1,5 Milliarden Euro Mehreinnahmen

ZusĂ€tzlich soll die Abgabe Geld in den Bundeshaushalt bringen. FĂŒr 2027 werden 805 Millionen Euro zusĂ€tzliche Steuereinnahmen erwartet, ab 2028 sollen es den Prognosen zufolge knapp 1,5 Milliarden Euro jĂ€hrlich sein.

Welche Verpackungen betroffen wÀren

Steuerpflichtig wĂ€ren Kunststoffverpackungen und -folien sowie Verbundverpackungen mit einem Kunststoffanteil von mehr als fĂŒnf Prozent. Dazu zĂ€hlen unter anderem Folien, Transport- und Verpackungsmittel, VerschlĂŒsse, Deckel und Kunststoffkapseln.

Die Steuer wĂŒrde bei der Herstellung, dem Verbringen oder der Einfuhr der Verpackungen anfallen. ZunĂ€chst könnten rund drei Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen pro Jahr erfasst werden; diese Menge dĂŒrfte laut BegrĂŒndung des Entwurfs im Laufe der Zeit zurĂŒckgehen.

Recycling soll begĂŒnstigt werden

FĂŒr Verpackungen aus recyceltem Kunststoff könnte die Steuer auf Antrag entfallen. Privatpersonen sollen bei der Weitergabe betroffener Produkte steuerfrei bleiben.

Umwelthilfe und Kunststoffbranche uneinig

Die Deutsche Umwelthilfe begrĂŒĂŸt den Ansatz, fordert aber eine BeschrĂ€nkung auf Einwegverpackungen und eine Ausweitung auf Papier, Pappe, Karton sowie Metalle wie Aluminium und Weißblech, um Ausweichbewegungen zu verhindern.

Der Kunststoffverband Plastics Europe Deutschland kritisiert offene Umsetzungsfragen. HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Christine Bunte bezeichnete den Entwurf als kein ausgereiftes Gesetz, sondern als nationales Steuerexperiment.

Steuer zwischen Klimasignal und Haushaltsbeitrag

Die geplante Abgabe verbindet zwei Ziele: Kunststoffverpackungen sollen durch einen höheren Preis unattraktiver werden, zugleich soll der Bundeshaushalt zusÀtzliche Einnahmen erhalten. Nach dem Entwurf könnte das Aufkommen bereits 2027 mehrere hundert Millionen Euro erreichen und ab 2028 bei rund 1,5 Milliarden Euro jÀhrlich liegen.

Entscheidend fĂŒr die praktische Wirkung ist die Ausgestaltung. Werden recycelte Kunststoffe von der Steuer ausgenommen, entsteht ein finanzieller Anreiz, mehr Recyclingmaterial einzusetzen. FĂŒr Unternehmen kommt es außerdem darauf an, wie Hersteller, Importeure und auslĂ€ndische Anbieter erfasst werden und wie die Abgabe bei Verbundmaterialien berechnet wird.

Auswirkungen auf Preise und Verpackungen

Die Steuer richtet sich zunĂ€chst an Unternehmen, dĂŒrfte aber zumindest teilweise in Kalkulationen und damit in Produktpreise einfließen. Besonders relevant ist sie fĂŒr Branchen mit hohen Verpackungsmengen, etwa Lebensmittelhandel, GetrĂ€nke, Logistik und Versandhandel.

FĂŒr Verbraucher wird die Abgabe voraussichtlich nicht als eigener Betrag an der Kasse erscheinen. Ihre Bedeutung liegt eher in möglichen PreisĂ€nderungen und einem grĂ¶ĂŸeren Angebot an Mehrweg- oder recyclingbasierten Verpackungen. Die weitere parlamentarische und ressortinterne Abstimmung wird deshalb klĂ€ren mĂŒssen, welche Materialien tatsĂ€chlich erfasst werden und ob die erwarteten Umweltwirkungen den zusĂ€tzlichen Verwaltungsaufwand rechtfertigen.

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