Porsche-Strategie, Michael Leiters

Porsche-Strategie: Michael Leiters setzt auf Luxus, Stellenabbau und neue Modelle

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 13:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Porsche-Chef Michael Leiters will den Sportwagenbauer mit weniger Volumen, mehr Luxus und einem umfassenden Sparprogramm zurĂŒck zu höheren Renditen fĂŒhren. Der Plan sieht neue Modelle, einen deutlichen Stellenabbau und eine Gewinnschwelle von weniger als 200.000 Fahrzeugen vor.

  • Porsche will seine Marke höher positionieren und mit exklusiveren Modellen mehr verdienen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
    Porsche will seine Marke höher positionieren und mit exklusiveren Modellen mehr verdienen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
  • Porsche-Chef Leiters: «Der 911er wird niemals elektrisch sein». - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    Porsche-Chef Leiters: «Der 911er wird niemals elektrisch sein». - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Weniger Masse, mehr Ertrag: Porsche will sich unabhĂ€ngiger von hohen Verkaufszahlen machen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
    Weniger Masse, mehr Ertrag: Porsche will sich unabhÀngiger von hohen Verkaufszahlen machen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
  • Der Sparkurs trifft auch die Fertigung: Porsche will die Personalkosten dort mittelfristig um bis zu 30 Prozent senken. (Archivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa
    Der Sparkurs trifft auch die Fertigung: Porsche will die Personalkosten dort mittelfristig um bis zu 30 Prozent senken. (Archivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa
  • Porsche will stĂ€rker auf gemeinsame Bauteile setzen – und die Technik bewahren, die seine Fahrzeuge von anderen VW-Marken unterscheidet. (Archivbild) - Bild: Hannes P. Albert/dpa
    Porsche will stĂ€rker auf gemeinsame Bauteile setzen – und die Technik bewahren, die seine Fahrzeuge von anderen VW-Marken unterscheidet. (Archivbild) - Bild: Hannes P. Albert/dpa
Porsche will seine Marke höher positionieren und mit exklusiveren Modellen mehr verdienen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa Porsche-Chef Leiters: «Der 911er wird niemals elektrisch sein». - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Weniger Masse, mehr Ertrag: Porsche will sich unabhĂ€ngiger von hohen Verkaufszahlen machen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa Der Sparkurs trifft auch die Fertigung: Porsche will die Personalkosten dort mittelfristig um bis zu 30 Prozent senken. (Archivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa Porsche will stĂ€rker auf gemeinsame Bauteile setzen – und die Technik bewahren, die seine Fahrzeuge von anderen VW-Marken unterscheidet. (Archivbild) - Bild: Hannes P. Albert/dpa

Porsche-Chef Michael Leiters hat im Entwicklungszentrum Weissach den Sanierungsplan „Sportwagenschmiede ’35“ vorgestellt, mit dem der Sportwagenbauer durch mehr ExklusivitĂ€t, neue Modelle und deutlich niedrigere Kosten wieder profitabler werden soll.

Weniger Autos, höhere Preise

Porsche will kĂŒnftig bereits mit weniger als 200.000 verkauften Fahrzeugen die Gewinnschwelle erreichen. In den vergangenen Jahren war ein großer Teil des Konzerns noch auf eine Produktion von rund 350.000 Autos ausgerichtet.

Statt hoher StĂŒckzahlen sollen teurere Fahrzeuge und umfangreichere Individualisierungen die ErtrĂ€ge steigern. Der Umsatz des Sonderwunsch-Programms soll sich mittelfristig versechsfachen. Bis 2030 soll der Anteil besonders teurer Modelle von etwa einem Drittel auf fast die HĂ€lfte steigen.

Neue Modelle oberhalb des 911

Der durchschnittliche Preis der teuersten 10.000 verkauften Porsche soll bis 2030 von 270.000 auf 330.000 Euro steigen. GeprĂŒft werden ein grĂ¶ĂŸeres und teureres SUV oberhalb des Cayenne sowie ein zweisitziger Supersportwagen ĂŒber dem 911.

Gleichzeitig will Porsche die Zahl der Modellvarianten um rund 20 Prozent verringern. Die Elektroversionen von Boxster und Cayman sollen 2027 starten. FĂŒr 2028 ist ein neues SUV mit Verbrenner oder Plug-in-Hybrid neben dem elektrischen Macan angekĂŒndigt. Der 911 soll nach Leiters’ Aussage niemals vollelektrisch werden.

Kosten und Entwicklungszeit sinken

Die Entwicklungskosten fĂŒr kĂŒnftige Modellreihen sollen um bis zu 20 Prozent sinken, die Personalkosten in der Fertigung mittelfristig um bis zu 30 Prozent. Verkaufs- und Vertriebskosten sollen um 20 Prozent zurĂŒckgehen, bei den Materialeinzelkosten peilt Porsche rund zehn Prozent weniger als in bisherigen Planungen an.

Mehr Simulationen, eine geringere technische KomplexitĂ€t und gemeinsame Bauteile im Volkswagen-Konzern sollen die Entwicklungszeit um bis zu 40 Prozent verkĂŒrzen. Porsche will sich zudem auf das KerngeschĂ€ft konzentrieren und Beteiligungen sowie mehrere Tochtergesellschaften aufgeben oder schließen.

Abbau von bis zu 30 Prozent der Stellen

Die Belegschaft soll mittelfristig um 25 Prozent schrumpfen; strategisch strebt Porsche eine Reduzierung um 30 Prozent an. Besonders Verwaltung und Entwicklung sind betroffen, dort sollen 40 Prozent der Managementstellen entfallen. Ende 2025 beschÀftigte Porsche weltweit rund 41.800 Menschen.

Ein im Sommer vereinbartes Zukunftspaket sieht unter anderem den Abbau von weiteren 5.000 Stellen in der Region Stuttgart bis 2035 vor. Betriebsbedingte KĂŒndigungen wurden im Gegenzug ausgeschlossen. In der Porsche-Heimat sollen insgesamt rund 9.000 Stellen wegfallen, hinzu kommen Programme in Leipzig und bei Tochterunternehmen.

China und die Gewinnziele

Porsche kĂ€mpft mit sinkenden AbsĂ€tzen, einer schwĂ€cheren Nachfrage nach Elektroautos, US-Zöllen und hohen Kosten fĂŒr die verlĂ€ngerte Verbrennerstrategie. Der Gewinn nach Steuern sank 2025 um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr stabilisierte sich das Ergebnis.

FĂŒr China plant Leiters kĂŒnftig höchstens noch einen Anteil von zehn Prozent am Absatz. 2020 waren fast 35 Prozent der Porsche-Fahrzeuge dorthin verkauft worden, 2025 knapp 15 Prozent. Porsche wolle den Markt trotz der verĂ€nderten Bedingungen nicht aufgeben.

Rendite soll wieder zweistellig werden

Mittelfristig soll Porsche aus 100 Euro Umsatz wieder 10 bis 15 Euro operativen Gewinn erzielen. Im ersten Halbjahr lag die operative Marge bei 7,80 Prozent. Der Umsatz soll in einigen Jahren zwischen 41 und 45 Milliarden Euro liegen, nach 36,3 Milliarden Euro im Jahr 2025.

Die Gewinnschwelle soll bereits im kommenden Jahr unter 200.000 Fahrzeuge sinken. Ab 2028 sollen die elektrischen 718-Modelle den Absatz stĂŒtzen, ab 2029 ein neues SUV mit Verbrennerantrieb spĂŒrbar zu Umsatz und ProfitabilitĂ€t beitragen. Die langfristig angestrebte Rendite von 15 Prozent bleibt unter den Spitzenwerten frĂŒherer Jahre.

Wende nach dem Wachstumsschub

Porsche versucht, einen Zielkonflikt der vergangenen Jahre aufzulösen: Die Marke soll weniger abhĂ€ngig von hohen Verkaufszahlen werden, zugleich aber neue Modelle und höhere Preise zusĂ€tzliche Erlöse bringen. Der Ansatz verschiebt den Schwerpunkt vom Volumen- zum Wertwachstum. DafĂŒr muss Porsche die ExklusivitĂ€t der Marke bewahren, obwohl gemeinsame Bauteile und Konzernsynergien die Kosten senken sollen.

Besonders wichtig ist der chinesische Markt. Sein Anteil an den Porsche-Auslieferungen ist seit dem Spitzenjahr 2020 deutlich gesunken. Leiters plant deshalb konservativer und will China dennoch nicht aufgeben. FĂŒr Porsche bedeutet das, dass das Unternehmen AbsatzrĂŒckgĂ€nge dort nicht kurzfristig durch eine RĂŒckkehr zu frĂŒheren Volumina ausgleichen kann.

Hoher Druck auf BeschÀftigte und Produkte

Der Umbau fĂ€llt in eine Phase, in der Porsche gleichzeitig in Verbrenner, Plug-in-Hybride und Elektrofahrzeuge investieren muss. Die angekĂŒndigten Modellstarts sollen LĂŒcken schließen, wĂ€hrend die KĂŒrzung von Varianten und die kĂŒrzeren Entwicklungszeiten KomplexitĂ€t reduzieren sollen. Ob diese Kombination aufgeht, hĂ€ngt davon ab, ob Porsche Kosten senken kann, ohne die technische und gestalterische Differenzierung der Marke zu beschĂ€digen.

FĂŒr die BeschĂ€ftigten ist der Plan unmittelbar relevant: Der Abbau betrifft Verwaltung, Entwicklung und Fertigung und reicht ĂŒber bereits vereinbarte Programme hinaus. Der Ausschluss betriebsbedingter KĂŒndigungen in der Region Stuttgart begrenzt zwar das Instrumentarium, Ă€ndert aber nichts an der langfristig geplanten Verkleinerung. Der Erfolg wird daher nicht nur an Umsatz und Marge, sondern auch an der Umsetzung des Personal- und Produktumbaus gemessen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Der Börsen-Tag Mittwoch, 7. Oktober 2026“ (07.10.2026)

Der Börsenbericht schreibe, Porsche wolle mit Einsparungen, Personalabbau und zusÀtzlichen Spitzenmodellen aus der Krise kommen. Er hebe neben dem Renditeziel von zehn bis 15 Prozent und dem Umsatzkorridor von 41 bis 45 Milliarden Euro besonders die erwartete Gewinnschwelle von weniger als 200.000 Fahrzeugen ab 2027 hervor; zudem bleibe das schwierige Umfeld aus China, Lieferkettenproblemen und US-Zöllen bestehen.

Damit bestĂ€tige der Bericht den Kern des vorgestellten Plans, setze seinen Schwerpunkt aber stĂ€rker auf die Kapitalmarkt- und Konjunkturperspektive. Offen bleibe auch dort, ob die RĂŒckkehr zu zweistelligen Margen unter den genannten Belastungen gelingt.

Der Bericht fasse zusammen, Porsche setze auf weniger Volumen, höhere Preise und einen erheblichen Stellenabbau. Unterschiede bestĂŒnden vor allem in der Gewichtung: WĂ€hrend die Unternehmensstrategie Produkt- und Markenentwicklung betone, rĂŒcke der Börsenbericht die kurzfristige ProfitabilitĂ€t und die schwierigen Marktbedingungen in den Vordergrund.

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