PPWR, Ergonomie-Regeln

PPWR ab 12. August: Neue Ergonomie-Regeln für Millionen Paketarbeiter

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die PPWR bringt ab August 2026 strenge Grenzwerte und erweiterte Definitionen. Unternehmen reagieren mit Automatisierung und Debatten um Zustellergonomie.

EU-Verpackungsverordnung 2026: Neue Regeln für Logistik und Arbeitsschutz
Ergonomischer Packplatz in einem modernen Logistikzentrum mit höhenverstellbaren Arbeitstischen und effizienten Abläufen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Angesichts der ab dem 12. August 2026 geltenden EU-Verpackungsverordnung (PPWR) rücken neue Anforderungen an ergonomische Abläufe in der Intralogistik verstärkt in den Fokus der Branche. Die neuen Regelungen betreffen nicht nur die Materialbeschaffenheit und Recyclingfähigkeit, sondern ziehen weitreichende Konsequenzen für die gesamte Lieferkette und den Arbeitsschutz nach sich. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Prozesse rechtzeitig an die verschärften gesetzlichen Rahmenbedingungen anzupassen.

Verschärfte Grenzwerte und neue Einstufungen

Mit dem Inkrafttreten der PPWR am 12. August 2026 gelten strikte Vorgaben für die Zusammensetzung von Verpackungsmaterialien. So dürfen Schwermetallgrenzwerte in der Summe aus Blei, Cadmium, Quecksilber und Chrom(VI) den Wert von 100 Milligramm pro Kilogramm nicht überschreiten. Zudem treten Beschränkungen für PFAS in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt in Kraft.

Die Verordnung erweitert zudem die Definition dessen, was als Verpackung gilt. Künftig werden auch sogenannte Hangtags sowie Kaffee- und Teekapseln sowie Teebeutel als Verpackungen eingestuft. Dies bedeutet, dass diese Produkte zwingend in bestehende Sammel- und Recyclingsysteme eingebunden werden müssen. Bei Versandkartons, die mit dem Logo von Amazon gekennzeichnet sind, übernimmt der Online-Riese künftig die Rolle des Herstellers im Sinne der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR). Damit ist Amazon für die Compliance der hinzugefügten Transportverpackungen verantwortlich, während FBA-Händler in diesem speziellen Punkt entlastet werden.

Debatte um ergonomische Paketzustellung und Gewichtsgrenzen

Parallel zu den prozessualen Änderungen durch die PPWR hat sich eine Diskussion über den Gesundheitsschutz in der Zustelllogistik entwickelt. Nikola Hagleitner, Vorständin bei DHL, forderte Ende Juli eine gesetzliche Verpflichtung zur Zwei-Personen-Zustellung für Pakete mit einem Gewicht von mehr als 23 Kilogramm. Nach Angaben des Unternehmens wiegen derzeit etwa 1,1 Prozent der DHL-Sendungen zwischen 23 und 31,5 Kilogramm.

Dieser Vorstoß stößt auf geteiltes Echo. Während die Gewerkschaft Verdi noch einen Schritt weiter geht und eine generelle Gewichtsgrenze von 20 Kilogramm für die Paketzustellung fordert, lehnen Wettbewerber aus dem Bundesverband Paket und Expresslogistik (BPEX) die verpflichtende Zwei-Personen-Zustellung ab. Die Branche sucht hierbei nach einem Ausgleich zwischen operativem Aufwand und notwendigem Arbeitsschutz.

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Automatisierung und Sicherheit als Lösungsansätze

Um den ergonomischen Anforderungen gerecht zu werden, setzen Unternehmen verstärkt auf Automatisierung. BAUHAUS hat beispielsweise im Import- und Zentrallager in Krefeld die Containerentladung und Sortierung automatisiert. Zum Einsatz kommen dabei Rocky-Roboter von XYZ Robotics. Während das Modell RockyOne autonom entlädt, übernimmt der RockyOne SE die Sortierung auf Paletten. Solche Systeme entlasten Mitarbeiter von körperlich schweren Tätigkeiten und erhöhen gleichzeitig die Prozesseffizienz.

Zusätzlich gewinnen Sicherheitslösungen an Bedeutung, insbesondere in Phasen erhöhter Belastung oder bei personellen Engpässen. Branchenexperten weisen darauf hin, dass das Unfallrisiko in der Intralogistik während der Urlaubszeit steigen kann. Fachunternehmen wie die tbm hightech control GmbH bieten hierfür Personenschutzsysteme, Fahrerassistenz und Kreuzungssicherungen an, um die Sicherheit im Lagerbetrieb aufrechtzuerhalten.

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Nachhaltigkeit und Effizienz durch Mehrwegsysteme

Ein zentraler Pfeiler der PPWR ist die Förderung von Kreislaufsystemen. Anbieter von Mehrwegverpackungen wie IFCO unterstützen ihre Partner bereits bei der Compliance. Die dort eingesetzten Mehrwegbehälter bestehen durchschnittlich zu 39 Prozent aus Recyclingmaterial, wobei bis zum Jahr 2040 eine Quote von 25 Prozent angestrebt wird. Im Vergleich zu Einwegkartons können durch solche Systeme laut Unternehmensangaben bis zu 62 Prozent der CO?-Emissionen und bis zu 80 Prozent des Wasserverbrauchs eingespart werden.

Eine Studie des Fraunhofer IML aus dem Jahr 2025 belegt zudem den funktionalen Vorteil: Der Wechsel zu Mehrweglösungen reduziert die Beschädigung von Frischwaren um bis zu 98 Prozent. Trotz dieser Vorteile gibt es innerhalb der Industrie auch Vorbehalte. Die Kampagne „Stop the Clock“, unterstützt von über 500 Unternehmen, fordert eine Verschiebung der PPWR um mindestens 24 Monate, um die notwendigen Anpassungszeiträume zu gewährleisten. Der VDMA betont hingegen, dass die Verordnung zwar hohen Entwicklungsaufwand erfordere, aber durch die notwendige Digitalisierung auch erhebliche neue Geschäftsmöglichkeiten biete.

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