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Das National Grid Viking Link Interconnector - Großbritanniens Strombrücke nach Dänemark

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 12:05 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

National Grid Viking Link Interconnector verbindet seit Ende 2023 Großbritannien und Dänemark mit einer 1,4-GW-HGÜ-Leitung über rund 765 Kilometer. Wer National Grid PLC Aktien (ISIN GB00B03MM408) hält, sollte dieses Infrastrukturprojekt kennen.

Extreme Nahaufnahme einer Banknote mit Füllfederhalter beim Unterschreiben eines Dokuments
Makroaufnahme von Banknotenpapier und Füllfeder symbolisiert Finanzgeschäfte von M&G plc, ISIN GB00B03MM408, Illustration mit AI erstellt.

National Grid Viking Link Interconnector steht in einem unscheinbaren Umspannwerk in Lincolnshire, wo Kabelrollen dicker als ein menschlicher Arm unter grauem Himmel auf feuchtem Gras liegen und Techniker ihre Warnwesten zurechtziehen, bevor sie die Hochspannungsanlage betreten. Zwischen dröhnenden Transformatoren prüft Projektleiterin Helen Campbell die Anzeigen und erklärt, wie die Verbindung zu Dänemark jeden Tag echten Strom durch die Nordsee schickt.

Viking Link im B2B-Alltag

Der Viking Link ist ein 1,4-Gigawatt-Hochspannungs-Gleichstrom-Interkonnektor, der Großbritannien mit dem dänischen Stromnetz verbindet und als reinrassiges B2B-Infrastrukturprodukt ausschließlich Netzbetreiber und Stromhändler adressiert. Die Verbindung wird gemeinsam von National Grid und dem dänischen Übertragungsnetzbetreiber Energinet betrieben, die sich Planung, Bau und laufenden Betrieb teilen und langfristige Kapazitätsauktionen für Marktteilnehmer organisieren.

Auf der britischen Seite landet die Leitung in der Nähe von Bicker Fen in Lincolnshire, während sie auf der dänischen Seite am Umspannwerk Revsing in Südjütland anbindet, wodurch zwei bislang getrennte Strommärkte erstmals direkt gekoppelt werden. Die rund 765 Kilometer lange Verbindung nutzt überwiegend Seekabel, ergänzt um kurze Landkabelabschnitte, und ermöglicht den Handel von Strom in beide Richtungen, je nach Preis- und Lastsituation an den jeweiligen Börsen.

Technische Eckdaten und Betrieb

Die HGÜ-Technologie des Viking Link arbeitet mit einer Spannung von 525 Kilovolt, wodurch große Energiemengen verlustarm über lange Distanzen übertragen werden können. Zwei Konverterstationen wandeln Wechselstrom aus den nationalen Netzen in Gleichstrom und zurück, wobei moderne Leistungselektronik in einer Halle so groß wie ein kleines Logistikzentrum steht und bei Lastwechseln leise klickt, während Lüfter ein stetiges Rauschen erzeugen. Das Projekt wurde nach mehreren Jahren Bauzeit planmäßig Ende 2023 in Betrieb genommen und befindet sich seitdem im kommerziellen Regelbetrieb.

National Grid beziffert die Übertragungsleistung auf bis zu 1,4 Gigawatt, was rechnerisch ausreicht, um rund 1,4 Millionen europäische Haushalte mit Strom zu versorgen, wenn man von einem typischen Verbrauch ausgeht. Die Leitung erlaubt, britische Offshore-Windkraftspitzen nach Dänemark zu exportieren oder umgekehrt dänischen Windstrom nach Großbritannien zu importieren, wodurch erneuerbare Energien besser ausgenutzt und weniger abgeregelt werden müssen. Neben der Kapazität sind auch Verfügbarkeit und Netzsicherheit zentrale Kennzahlen, weshalb Monitoring-Systeme jede Spannungsschwankung erfassen.

Vertiefen & einordnen

National Grid PLC und der Viking Link im Anlegerblick

Der Viking Link Interconnector ist ein langfristiges Infrastrukturprojekt, das die Netzinfrastruktur von National Grid international verzahnt und damit eine zentrale Rolle im europäischen Stromhandel spielt.

Kosten, Bau und Partner

Die Gesamtkosten des Viking Link Projekts lagen nach Angaben der beteiligten Unternehmen bei rund 2 Milliarden Euro, wobei sich National Grid und Energinet die Investitionssumme teilen. Projektleiterin Helen Campbell beschreibt den Bau als mehrjährigen Kraftakt, bei dem Kabelschiffe über die Nordsee fuhren und Tag für Tag neue Kabelabschnitte auf den Meeresboden legten, während Ingenieure aus beiden Ländern die Route so planten, dass sensible Gebiete wie Fischereizonen und maritime Schutzareale möglichst wenig beeinträchtigt werden. Die Landkabel wurden in vorbereiteten Trassen verlegt, deren feuchter Boden bei Nachtarbeiten den typischen Erdgeruch freisetzte, den jeder kennt, der schon einmal nach einem Sommergewitter draußen stand.

Die Projektstruktur folgt der üblichen Logik großer Interkonnektoren: National Grid verantwortet die britische Seite, Energinet die dänische, während beide Unternehmen über eine gemeinsame Governance-Struktur Entscheidungen zu Wartungsfenstern, Kapazitätsauktionen und Modernisierungen treffen. Nationale und europäische Regulierungsbehörden wie die britische Ofgem und ihre dänischen Pendants mussten genehmigen, dass die Kosten teilweise über Netzentgelte refinanziert werden. Zudem wurden Ausschreibungen für Bauleistungen, Kabelhersteller und Konvertertechnik durchgeführt, wobei mehrere internationale Industriepartner zum Zug kamen.

Marktzugang und Handel

Für Energiehändler und Versorger ist Viking Link kein Produkt, das man physisch „kauft“, sondern eine Handelsplattform auf Basis gesicherter Transportkapazität zwischen zwei Märkten. Kapazitäten werden über Auktionen und Day-Ahead-Mechanismen vergeben, wobei Unternehmen gegen Gebühr Rechte erwerben, Strom zu bestimmten Zeiten über die Leitung zu leiten. Der Handel orientiert sich an Preisunterschieden zwischen dem britischen Markt und dem dänischen beziehungsweise dem integrierten nordischen Markt, sodass der Strom meist in die Richtung fließt, in der der Preis höher ist. Dadurch verdient Viking Link mittelbar an der Arbitrage zwischen diesen Märkten.

Der Zugang ist für regulierte Unternehmen und professionelle Marktteilnehmer reserviert, was Viking Link klar im B2B-Segment verortet. Typische Nutzer sind große Energieversorger, spezialisierte Stromhändler, Industriekunden mit eigener Handelsabteilung sowie Netzbetreiber, die kurzfristig auf Engpässe reagieren müssen. Die genauen Handelsregeln und Kapazitätsauktionen werden auf den Plattformen der beteiligten Netzbetreiber sowie an den Strombörsen kommuniziert, wobei elektronische Buchungssysteme sicherstellen, dass Zusagen und physische Flüsse übereinstimmen.

Klimanutzen und Netzstabilität

Der Viking Link ist Teil einer Strategie, europäische Stromnetze stärker zu verknüpfen und so erneuerbare Energien besser zu integrieren. Wenn zum Beispiel in Dänemark und dem umliegenden Nordseeraum eine kräftige Brise weht und Windparks viel mehr Strom produzieren, als lokal benötigt wird, kann ein Teil dieser Energie über Viking Link nach Großbritannien fließen. Umgekehrt ist der Export britischer Offshore-Windspitzen nach Dänemark möglich, wenn dort die Nachfrage hoch ist und eigene Erzeugung nicht ausreicht. Dadurch wird weniger fossiler Strom erzeugt, und National Grid nennt die Leitung einen wichtigen Baustein der Dekarbonisierung.

Darüber hinaus trägt Viking Link zur Netzstabilität bei, weil er zusätzliche Flexibilität bei Engpässen schafft und im Notfall helfen kann, kritische Situationen abzufedern. Wenn beispielsweise ein großes Kraftwerk ausfällt, stehen alternative Stromquellen im anderen Land zur Verfügung, vorausgesetzt, ausreichende Kapazität und passende Handelsverträge bestehen. Netzwissenschaftlich gesprochen erhöht die Leitung die Knotenvielfalt im europäischen Netz, was die Resilienz gegenüber Störungen verbessert und Systemdienstleistungen wie Frequenzhaltung unterstützt.

Regulierung und Geschäftsmodell

National Grid operiert Viking Link als regulierten Netzbetreiber mit klar definierten Rahmenbedingungen, die von der britischen Regulierungsbehörde Ofgem überwacht werden. Die Erlöse stammen überwiegend aus Netzentgelten und Kapazitätsauktionen, wobei die Regulierer sicherstellen, dass Einnahmen und zulässige Renditen im Einklang mit den öffentlichen Interessen stehen. Das Geschäftsmodell ist langfristig angelegt und rechnet mit einer Betriebsdauer von mehreren Jahrzehnten, über die sich die hohen Anfangsinvestitionen amortisieren sollen.

Der Interkonnektor fügt sich ein in eine wachsende Palette ähnlicher Projekte, die National Grid bereits betreibt oder plant, etwa Verbindungen nach Frankreich, Belgien oder den Niederlanden. Vorstandschef John Pettigrew stellt Viking Link gern als Beispiel dafür dar, wie das Unternehmen über die klassische nationale Netzrolle hinauswächst und sich als europäischer Infrastrukturdrehscheibe positioniert. Für Investoren ist wichtig, dass solche Leitungen planbare Cashflows liefern, die weniger von kurzfristigen Strompreisschwankungen abhängen als der Handel selbst.

Einordnung und Aktienbezug

Für Privatanleger ist Viking Link ein infrastrukturelles Hintergrundprodukt, das man nie im Alltag sieht, das aber die Energieversorgung in Großbritannien und in Teilen Europas spürbar mitprägt. Die Leitung stärkt die Rolle von National Grid als zentrale Netzdrehscheibe und unterstützt die strategische Ausrichtung auf internationale Interkonnektoren und erneuerbare Energien. Damit trägt das Projekt dazu bei, dass der Konzern stabile regulierte Erträge kombiniert mit Wachstumsfeldern im Netto-Null-Umfeld.

Die National Grid PLC Aktie (ISIN GB00B03MM408) ist an der London Stock Exchange in Pfund Sterling gelistet und reflektiert solche Großprojekte in den langfristigen Bewertungsmodellen institutioneller Anleger.

Kernfakten zum Viking Link Interconnector

  • Produkt: Viking Link Interconnector
  • Hersteller: National Grid PLC
  • Kategorie: B2B/Pro-Linie – Netzinfrastruktur
  • Markteinfuehrung: kommerzieller Betrieb seit Ende 2023
  • UVP / Preis: Investitionsvolumen rund 2 Milliarden Euro
  • Verfuegbarkeit: kontinuierlicher Betrieb, Kapazitaeten ueber Auktionen buchbar
  • Zielgruppe: Netzbetreiber, Energieversorger, Stromhaendler, grosse Industriekunden
  • Besonderheit / USP: 1,4-GW-HGUE-Verbindung ueber etwa 765 Kilometer zwischen Grossbritannien und Daenemark

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