EVOScreen von Evotec SE - High-Throughput-Screening für Pharma-Partner
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 12:16 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
EVOScreen wirkt auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Labor und Fabrik: Roboterarme greifen routiniert Mikrotiterplatten, eine Kamera überprüft jede Bewegung, während im Hintergrund Pumpen rhythmisch klicken. In diesem Setup entscheidet sich, welche Wirkstoffideen eine Chance auf den nächsten Entwicklungsschritt bekommen, wie Evotec Forschungsvorstand Dr. Cord Dohrmann betont.
Was EVOScreen im Alltag leistet
EVOScreen ist das High-Throughput-Screening-Angebot von Evotec, mit dem pro Jahr Millionen Substanzen gegen biologische Zielstrukturen getestet werden. Die Plattform dient vor allem Pharma- und Biotechunternehmen, die frühe Hits für Wirkstoffkandidaten suchen und ihren eigenen Laborbetrieb nicht auf diese Skalierung ausrichten wollen.
Evotec beschreibt EVOScreen als integralen Bestandteil der eigenen integrierten Forschungs- und Entwicklungsservices mit Laboren in Hamburg, Toulouse und Verona, ergänzt durch Sites in den USA und Großbritannien, die das Screening mit nachfolgenden Assays und Hit-Optimierung verbinden. Die Dienstleistung wird in der Regel als längerfristige F&E-Partnerschaft strukturiert, oft mit Meilensteinen und Lizenzoptionen für erfolgreich identifizierte Kandidaten.
Technik und Umfang der Screening-Plattform
Auf der technischen Seite setzt Evotec bei EVOScreen auf automatisierte Hochdurchsatzsysteme mit Kapazitäten im siebenstelligen Bereich an Tests pro Jahr, kombiniert mit eigenen chemischen Bibliotheken und kundenspezifischen Substanzsammlungen. Ein zentraler Baustein ist dabei eine Sammlung aus Hunderttausenden diverser kleinmolekularer Verbindungen, die laut Unternehmensangaben kontinuierlich durch Medicinal Chemistry Teams weiterentwickelt wird, um chemische Räume abzudecken, die für unterschiedliche Zielstrukturen relevant sind.
Neben klassischem biochemischem Screening bietet EVOScreen auch zellbasierte Assays, zum Beispiel für GPCRs, Ionenkanäle oder Enzymaktivitäten, sowie zunehmend phenotypische Screening-Formate, bei denen nicht ein einzelnes Zielprotein im Mittelpunkt steht, sondern die funktionelle Antwort von Zellen oder Geweben. In der Praxis bedeutet das, dass bei einem typischen Projekt Zehntausende bis Hunderttausende Verbindungen im Primärscreen getestet werden, bevor eine kleinere Zahl in Bestätigungs- und Folgeassays weitergeführt wird.
Mehr zur Evotec SE und ihren Forschungsservices
Hinter EVOScreen steht ein breites Portfolio an F&E-Dienstleistungen, das Anlegern und Partnern wichtige Kontextinformationen liefert.
Wie EVOScreen Projekte strukturiert
Typischerweise startet ein EVOScreen-Projekt mit einer gemeinsamen Definition des biologischen Targets und der gewünschten Screening-Strategie, inklusive Assay-Design und Auswahl relevanter Substanzbibliotheken. Ein Projektmanager auf Evotec-Seite koordiniert die Abläufe, hält den Kontakt zu den Partnerteams und berichtet über Meilensteine, sodass ein Biotech-Startup oder ein Pharmakonzern die Ergebnisse im eigenen F&E-Workflow weiterverarbeiten kann.
Evotec betont in Präsentationen, dass EVOScreen nicht isoliert arbeitet, sondern bereits in der Hit-Stage Verknüpfungen zu nachgelagerten Bereichen wie Strukturbiologie, Computational Chemistry und ADME-Tox-Analytik schafft. Damit sollen Partner schneller entscheiden können, welche frühen Hits sich tatsächlich für die Optimierung zu Leitstrukturen eignen und welche besser aussortiert werden, weil sie etwa ungünstige Eigenschaften bei Stabilität oder Selektivität zeigen.
Evotec als Forschungsdienstleister im Pharmasektor
Hinter EVOScreen steht das Geschäftsmodell von Evotec als Auftragsforscher und Entwicklungspartner für die globale Pharmaindustrie. Die Hamburger Gruppe ist auf frühe und mittlere Phasen der Wirkstoffforschung spezialisiert, arbeitet in Dutzenden Programmen mit großen Konzernen wie Bristol Myers Squibb, Bayer oder Sanofi zusammen und erzielt den Großteil ihrer Umsätze über F&E-Dienstleistungen sowie Meilensteinzahlungen aus Co-Entwicklungen.
Nach außen sichtbar wird die Bedeutung von EVOScreen in den Unternehmenspräsentationen und Analysten-Calls, in denen Evotec die Screening-Kapazitäten regelmäßig als Ausgangspunkt für ein breites Portfolio an präklinischen Kandidaten hervorhebt. Vorstandschef Dr. Werner Lanthaler weist dort gerne darauf hin, dass die Kombination aus Screening, Medicinal Chemistry und präklinischer Bewertung den Partnern Zeit spart und interne Ressourcen schont, was gerade für kleinere Biotech-Unternehmen wesentlich ist.
Verfügbarkeit und Zielgruppen der Plattform
EVOScreen richtet sich klar an B2B-Kunden: Pharmaunternehmen, Biotech-Startups, akademische Gruppen mit translationalem Fokus und teils auch Stiftungen, die eigene Programme etwa in seltenen Erkrankungen vorantreiben wollen. Ein breiter Endkundenmarkt existiert nicht, stattdessen läuft der Zugang über bilaterale Verträge, Rahmenabkommen oder Konsortien, in denen Evotec das Screening als Dienstleistung einbringt.
Die Plattform ist grundsätzlich global verfügbar, da Evotec nach eigenen Angaben mit Partnern aus Nordamerika, Europa und Asien arbeitet und Proben sowie Daten in standardisierten Prozessen über Ländergrenzen hinweg austauscht. Praktisch bedeutet das: Ein Biotechteam in Boston kann seine Targets und Designs mit Evotec abstimmen, während die physische Ausführung des Screenings in einem europäischen Labor erfolgt und die Auswertung anschließend digital zurückgeliefert wird.
Risiken, Grenzen und Wettbewerb
Für Anleger und Kunden ist wichtig, die Grenzen von EVOScreen zu kennen: Hochdurchsatz-Screening liefert keine fertigen Medikamente, sondern frühe Hits, die noch durch umfangreiche Chemie- und Biologiearbeit gehen müssen. Die Trefferquote ist zwangsläufig begrenzt; selbst gut gestaltete Screens produzieren eine Mehrheit an Verbindungen, die später wieder aussortiert wird, etwa weil sie unerwünschte Nebenwirkungen oder unzureichende Wirksamkeit zeigen.
Im Wettbewerb steht Evotec mit EVOScreen gegen andere Forschungsdienstleister und interne F&E-Abteilungen großer Pharmaunternehmen. Konzerne wie Charles River Laboratories, WuXi AppTec oder einzelne Big-Pharma-F&E-Units betreiben eigene Screening-Plattformen, die teilweise ähnliche technische Leistungen erbringen. Evotec versucht, sich durch die Kombination aus Screening, nachgelagerter Optimierung und Co-Ownership-Modelle an Projekten abzugrenzen, bei denen Risiko und potenzieller Ertrag geteilt werden.
Finanzielle Bedeutung für Evotec und Anleger
Im Geschäftsbericht wird EVOScreen nicht als eigene Sparte ausgewiesen, sondern als Teil der integrierten F&E-Services, die nach Segmenten wie "Just - Evotec Biologics", "Integrated Drug Discovery" und "Development" strukturiert sind. Das klassische Small-Molecule-Screening fällt vor allem in das Segment Integrated Drug Discovery, das zusammen mit Biologics einen bedeutenden Anteil am Konzernumsatz ausmacht, auch wenn einzelne Plattformen nicht separat beziffert werden.
Für die Evotec SE Aktie an Xetra dient die Nachfrage nach Plattformen wie EVOScreen als indirekter Indikator für die Auslastung der Forschungsstandorte und die Sichtbarkeit von Evotec im Partnernetzwerk. Ein hoher Projektzufluss in Screening und nachgelagerte Chemie bedeutet tendenziell robuste Serviceumsätze, auch wenn Meilenstein- und Lizenzzahlungen aus Einzelprojekten schwankungsanfällig bleiben.
EVOScreen im Überblick
- Produkt: EVOScreen High-Throughput-Screening-Plattform
- Hersteller: Evotec SE
- Kategorie: B2B/Pro-Linie F&E-Dienstleistung
- Markteinführung: schrittweise seit den 2000er Jahren ausgebaut
- UVP / Preis: projektspezifische F&E-Serviceverträge
- Verfügbarkeit: global für Pharma-, Biotech- und akademische Partner
- Zielgruppe: Unternehmen und Einrichtungen mit Wirkstoffforschungsprogrammen
- Besonderheit / USP: Verbindung aus großskaligem Screening und integrierter Hit-Optimierung
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