Protestforscher erwartet keine Gewalt wie in Frankreich
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 06:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAusschreitungen in einem Ausmaß wie in Frankreich halte er für unwahrscheinlich, sagte der Wissenschaftler vom Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung der Freien Universität Berlin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.
Andere Protestkultur in Deutschland
"Erstens hat sich in Deutschland eine deutlich weniger konfrontative Protestkultur etabliert", erklärte Grimm. Die gesellschaftliche Akzeptanz konfrontativer Protestformen sei vergleichsweise gering. "In einem solchen gesellschaftlichen Klima gibt's für Protestbewegungen mit konfrontativen Aktionsformen vergleichsweise wenig zu gewinnen."
Zudem unterschieden sich Polizeistrategien und -mittel erheblich, so Grimm. "Die französische Polizei geht bei größeren Protestkonfrontationen traditionell deutlich brutaler vor. Dort kommen regelmäßig Tränengasgranaten und Gummigeschosse zum Einsatz, die in Deutschland glücklicherweise nicht zum üblichen Repertoire der Polizei gehören. Auch beim Einsatz von Wasserwerfern oder körperlicher Gewalt ist die Hemmschwelle höher."
Gleichwohl habe es auch in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder unverhältnismäßige Gewaltanwendung und hochproblematische Einsatzstrategien gegeben, sagte Grimm.
Eskalation kann sich entwickeln
Eine mögliche Eskalation könne sich auch erst im Verlauf von Veranstaltungen ergeben, betonte Grimm. "Gerade Eskalationen lassen sich nicht allein aus den Absichten der Organisierenden oder aus der Zusammensetzung einer Demonstration vorhersagen. Sie entstehen häufig erst im konkreten Verlauf eines Protestereignisses, aus den Interaktionen zwischen Demonstrierenden, Polizei und gegebenenfalls weiteren beteiligten Gruppen." Eine polizeiliche Maßnahme werde von Protestierenden als unverhältnismäßig oder provozierend wahrgenommen, darauf folgten Protesthandlungen, die wiederum von der Polizei als Bedrohung interpretiert würden.
Im Internet ruft eine Initiative, die sich "Gen Z regelt" nennt, für den 31. Oktober zu bundesweiten Protesten auf. Vorgesehen sind demnach Aktionen in rund 30 Städten. Die Initiative setzt sich den Angaben zufolge unter anderem für mehr Klimaschutz, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und gegen eine Wehrpflicht ein. Dabei lehnt sie Gewalt ausdrücklich ab.
