Psychische, Belastung

Psychische Belastung: 119 Krankheitstage – fast doppelt so viele wie 2017

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die BG RCI verzeichnet 2025 einen neuen Tiefststand bei meldepflichtigen Arbeitsunfällen. Trotz hoher Investitionen in Prävention steigen psychische Belastungen und fordern politische Reaktionen.

BG RCI meldet Rekordtief bei Arbeitsunfällen 2025 – Prävention greift
Sicherheitshelm und Warnweste in einer modernen Industrieanlage als Symbol fĂĽr Arbeitssicherheit. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Die BG RCI verzeichnet 2025 nur noch 20.409 meldepflichtige Arbeitsunfälle – so wenige wie seit einem Jahrzehnt nicht. Das sind acht Prozent weniger als im Vorjahr, als noch 22.196 Fälle gezählt wurden. Die Unfallquote sank auf 15,97 Vorfälle je 1.000 Vollzeitkräfte. Auch die Wegeunfälle gingen leicht zurück: von 5.001 auf 4.867.

Hauptgeschäftsführer Markus Oberscheven wertet die Entwicklung als Beleg für die Wirksamkeit der Präventionsarbeit. Die BG RCI betreut rund 1,5 Millionen Versicherte in etwa 38.000 Mitgliedsbetrieben der Rohstoff- und Chemiebranche.

135 Millionen Euro fĂĽr mehr Sicherheit

Um das Unfallrisiko weiter zu senken, investierte die Berufsgenossenschaft im vergangenen Jahr 135 Millionen Euro in Prävention. 17 Millionen davon flossen in Qualifizierungsmaßnahmen, an denen rund 27.746 Personen teilnahmen.

Trotz sinkender Unfallzahlen bleiben die Entschädigungsleistungen hoch. Rund 938 Millionen Euro – etwa 80 Prozent der Gesamtausgaben – gingen an Versicherte. Die medizinische Rehabilitation kostete 250,5 Millionen Euro, Rentenzahlungen schlugen mit 667 Millionen Euro zu Buche.

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Psychischer Druck steigt – Rekordwerte bei Belastungsstörungen

Während die körperliche Sicherheit zunimmt, sieht es bei der psychischen Gesundheit anders aus. Die Krankenkasse KKH meldet für 2025 einen Rekordwert bei Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen: knapp 119 Krankheitstage je 100 Versicherte – fast doppelt so viele wie 2017. Als Stressfaktoren gelten mobiles Arbeiten, hohe Arbeitspensen und die Entgrenzung zwischen Beruf und Privatleben.

Eine YouGov-Umfrage unter 1.153 Industriebeschäftigten aus dem Juni 2026 bestätigt den Trend. 44 Prozent berichten von gestiegener geistiger oder körperlicher Belastung, in der Produktion sind es sogar 59 Prozent. Hauptgründe: Kosteneinsparungen und Effizienzprogramme (49 Prozent) sowie Personalabbau und unbesetzte Stellen (48 Prozent).

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Streit um Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag

Die angespannte Lage hat die Bundespolitik erreicht. Die Regierung unter Kanzler Friedrich Merz plant für 2026 eine Gesetzesänderung: Attestpflicht ab Tag eins, die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden.

Die vbw unterstützt die Pläne, Arbeitnehmervertreter laufen Sturm. Der DGB Bayern warnt vor zusätzlicher Bürokratie für Hausärzte und höherer Ansteckungsgefahr in Wartezimmern. Die Umfrage zeigt zudem: 37 Prozent der unter 30-Jährigen fürchten langfristige Jobverluste durch Künstliche Intelligenz.

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