Psychische Belastung: Krankheitstage steigen auf 119 je 100 Versicherte
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Ruf nach längerem Arbeiten wird lauter – doch die Gesundheit der Beschäftigten steht dem entgegen. Krankenkassen melden Rekordwerte bei psychischen Belastungen, während viele Arbeitnehmer früher in Rente wollen.
Psychische Erkrankungen auf Höchststand
Die Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Probleme steigt kontinuierlich. Die Krankenkasse KKH registrierte 2025 insgesamt 119 Krankheitstage je 100 Versicherte aufgrund von Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 112 Tagen im Jahr 2024. Zum Vergleich: 2017 lag der Wert noch bei 66 Tagen. Damit sind psychische Diagnosen inzwischen der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen.
Als Ursachen nennen Fachleute hohes Arbeitspensum, Überstunden und Konflikte am Arbeitsplatz. Auch finanzielle Sorgen und die Herausforderungen mobiler Arbeit belasten zunehmend. Eine Umfrage unter Industriebeschäftigten bestätigt den Trend: 44 Prozent berichten von gestiegener Belastung, die vor allem auf Einsparungen und Personalabbau zurückgeht. In der Produktion fühlen sich mit 59 Prozent deutlich mehr Beschäftigte stark belastet als in der Verwaltung.
Mehrheit will früher in Rente
Die gesundheitliche Situation prägt die Rentenwünsche der Arbeitnehmer. Der Gesundheitsreport der DAK zeigt: In Niedersachsen planen 54 Prozent der über 50-Jährigen einen vorzeitigen Ruhestand, bundesweit sind es 52 Prozent. Bei Beschäftigten mit bestehenden gesundheitlichen Problemen steigt die Bereitschaft zur Frührente auf 57 Prozent. Nur 38 Prozent der Befragten wollen bis zur regulären Altersgrenze durchhalten.
Damit mehr Menschen länger arbeiten, fordern Beschäftigte bessere Rahmenbedingungen: höhere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Anerkennung stehen ganz oben auf der Liste. Interessant: Ältere Arbeitnehmer fehlen zwar seltener als jüngere Kollegen, fallen im Krankheitsfall mit durchschnittlich 16,2 Tagen aber doppelt so lange aus.
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Flexible Modelle als Ausweg?
Ein Lösungsansatz könnten flexiblere Arbeitsmodelle sein. Eine Studie von PwC Österreich zeigt: 75 Prozent der Erwerbstätigen bevorzugen Modelle, die sich an der Lebensphase orientieren. Teamarbeit und Flexibilität werden dabei sogar höher bewertet als das Gehalt.
Doch die Arbeitgeber hinken hinterher: 23 Prozent der Befragten beklagen eine fehlende Förderung ihrer Arbeitsfähigkeit – Frauen sind davon stärker betroffen. Besonders belastet sind Personen mit Pflegeverantwortung: 83 Prozent geben eine gestiegene psychische Belastung an. Auch bei der Altersvorsorge klafft eine Lücke: Während 62 Prozent der Männer Klarheit über ihre Pension haben, sind es bei Frauen nur 48 Prozent.
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Streit um Rente mit 73
In der Politik prallen derweil gegensätzliche Modelle aufeinander. Ein wissenschaftlicher Beraterkreis um Wirtschaftsministerin Katherina Reiche empfiehlt, das Renteneintrittsalter perspektivisch auf 73 Jahre anzuheben – angelehnt an das dänische Modell, wo das Rentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt ist.
Die Gegenseite pocht auf den Erhalt der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Während Teile der Unionsführung diese Regelung abschaffen wollen, warnen ostdeutsche Ministerpräsidenten und Gewerkschaften vor sozialer Polarisierung. In einem offenen Brief an Kanzler Merz forderten Mercedes-Beschäftigte den Erhalt von Altersteilzeit und 8-Stunden-Tag.
Die Alterssicherungskommission schlägt unterdessen vor, den Begriff der Erwerbsminderung zu überarbeiten und die tatsächlichen Vermittlungschancen am Arbeitsmarkt stärker zu berücksichtigen. Zudem steht eine Schutzrente für ältere Beschäftigte im Raum, die ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Eine Entscheidung wird bis Ende des Jahres erwartet.
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