Psychische, Belastung

Psychische Belastung: Mobiles Arbeiten treibt Krankenstand in die Höhe

07.06.2026 - 18:21:05 | boerse-global.de

Krankenstand bleibt hoch, psychische Leiden als Haupttreiber. Politik plant Teilkrankschreibung und schĂ€rfere BĂŒrgergeld-Regeln.

Studie: Homeoffice erhöht Risiko fĂŒr psychische Erkrankungen
Psychische - Eine Person sitzt allein in einem dunklen Homeoffice, den Kopf in den HĂ€nden, wirkt gestresst. Ein Laptopbildschirm leuchtet. 07.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Der Krankenstand in Deutschland bleibt hoch, psychische Leiden sind ein zentraler Treiber. Die Politik reagiert mit Reformen – und stĂ¶ĂŸt auf Kritik.

Krankenstand bleibt auf hohem Niveau

Der Krankenstand lag 2025 bei 5,83 Prozent – ein minimaler RĂŒckgang zum Vorjahr. Das zeigen Daten des BKK Dachverbandes. Besonders auffĂ€llig: Seit 2016 stieg der Anteil psychischer Erkrankungen am Gesamtkrankenstand um ĂŒber 50 Prozent. Der Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse fĂŒr 2024 bestĂ€tigt den kontinuierlichen Anstieg ĂŒber das letzte Jahrzehnt.

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Die durchschnittlichen Fehltage wegen psychischer Probleme haben sich binnen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Das belegen Erhebungen von Statista und der DAK. Psychische Leiden sind damit die dritthĂ€ufigste Ursache fĂŒr ArbeitsunfĂ€higkeit. Experten weisen darauf hin, dass die elektronische Krankschreibung seit 2022 MeldelĂŒcken geschlossen hat – ein Teil des Anstiegs ist also statistisch bedingt.

Homeoffice: Einsamkeit als Risikofaktor

Eine heute bekannt gewordene Studie liefert neue Erkenntnisse zu den Ursachen. Forscher der Science-Plattform werteten Daten von ĂŒber 500.000 Personen aus den Jahren 2011 bis 2024 aus. Ergebnis: Mobiles Arbeiten korreliert signifikant mit weniger sozialen Kontakten und mehr psychischer Belastung.

Besonders betroffen sind Alleinlebende. Bei Personen in Familienhaushalten zeigte sich kein vergleichbarer Effekt. Rund ein Drittel des Anstiegs psychischer Belastungen seit der Pandemie lasse sich durch die Zunahme von Homeoffice erklÀren, so die Forscher.

Die Folgen betreffen nicht nur Erwachsene. Die COPSY-Studie des UKE zeigt: Bereits 23 Prozent der Kinder und Jugendlichen weisen psychische AuffÀlligkeiten auf. Besonders MÀdchen ab 14 Jahren leiden verstÀrkt unter Angst und Depressionen.

PflegekrÀfte besonders betroffen

Die Belastung verteilt sich ungleich. Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK fĂŒr 2023 zeigen: FĂŒhrungskrĂ€fte in der Gesundheits- und Krankenpflege haben mit durchschnittlich 43,9 Tagen je Fall die lĂ€ngsten Ausfallzeiten wegen Burn-out.

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Insgesamt verzeichnete die AOK 2023 hochgerechnet rund 186.000 Betroffene mit Burn-out-Diagnosen – das entspricht etwa 4,7 Millionen Krankheitstagen. Zum Vergleich: 2005 entfiel ein Fall auf 1.000 Mitglieder, 2023 waren es bereits 7,7 FĂ€lle.

Politik plant Teilkrankschreibung

Bundesgesundheitsministerin Warken will gegensteuern. Ein Gesetzentwurf sieht die EinfĂŒhrung einer Teilkrankschreibung vor. Ab einer Krankheitsdauer von vier Wochen sollen Arbeitnehmer in Abstimmung mit Arzt und Arbeitgeber stundenweise zurĂŒckkehren können – 25, 50 oder 75 Prozent.

Die Bundesregierung erhofft sich Einsparungen von 40 Millionen Euro im Jahr 2027, steigend auf 160 Millionen Euro bis 2030.

Strengere Kontrollen bei BĂŒrgergeld

Parallel dazu plant die Regierung schĂ€rfere Regeln fĂŒr BĂŒrgergeldbezieher. Ab Juli 2026 können Jobcenter bei wiederholter ArbeitsunfĂ€higkeit psychiatrische Zwangsuntersuchungen durch den Ärztlichen Dienst der Bundesagentur fĂŒr Arbeit auslösen. Ein neuer Paragraph im Sozialgesetzbuch II soll das ermöglichen.

Kritiker monieren: Hier stellen nicht-medizinisch geschulte Sachbearbeiter fachÀrztliche Gutachten infrage.

Gesundheitskasse unter Druck

Das Gesundheitssystem steht vor massiven finanziellen Herausforderungen. Marktforscher erwarten fĂŒr 2025 einen Anstieg der ZusatzbeitrĂ€ge auf ĂŒber zwei Prozent. Die DeckungslĂŒcke in der gesetzlichen Krankenversicherung könnte bis 2030 auf 40 Milliarden Euro anwachsen.

Die Signal Iduna Gruppe konnte ihre Beitragseinnahmen in der Krankenversicherung 2025 dennoch um 1,7 Prozent steigern – und verzeichnete im ersten Quartal 2026 weiteres deutliches Wachstum.

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