Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 184 Fehltage pro 100 Versicherte – neuer Höchststand

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 12:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychische Erkrankungen sind erstmals häufigster Grund für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Die Bundesregierung plant Reformen zur Senkung des Krankenstands.

Psychisch bedingte Fehlzeiten in Deutschland erreichen Rekordniveau
Mitarbeiter in einem modernen BĂĽro, einer davon gestresst, mit unterstĂĽtzenden Kollegen im Hintergrund. Fokus auf psychische Gesundheit. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Neue Daten der DAK-Gesundheit zeigen: Während der allgemeine Krankenstand leicht zurückging, erreichten Ausfälle wegen psychischer Erkrankungen einen neuen Höchststand.

Die Auswertung fĂĽr das erste Halbjahr 2026 basiert auf Daten von rund 2,2 Millionen Versicherten. Der allgemeine Krankenstand sank von 5,4 auf 5,3 Prozent. Auch die durchschnittlichen Krankheitstage pro Versichertem gingen von 9,9 auf 9,6 zurĂĽck.

Doch die Entspannung täuscht. Psychisch bedingte Fehlzeiten stiegen um neun Prozent an – auf 184 Fehltage pro 100 Versicherten. Damit liegen psychische Leiden erstmals vor Atemwegserkrankungen (175 Fehltage) und Muskel-Skelett-Erkrankungen (174 Fehltage) als häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit.

Jüngere gesünder, Ältere häufiger krank

Besonders auffällig: Während jüngere Beschäftigte weniger Fehltage meldeten, stiegen die Ausfälle bei den über 60-Jährigen. DAK-Vorstandschef Andreas Storm fordert gezielte Maßnahmen gegen Langzeiterkrankungen.

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Reformpläne: Krankschreibung ab Tag eins?

Die Bundesregierung plant gesetzliche Änderungen, um den Krankenstand weiter zu senken. Diskutiert wird eine Pflicht zur Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag. Auch die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung steht zur Debatte – sehr zum Ärger der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Ein weiterer Vorschlag: die Teilkrankschreibung. Sie soll Beschäftigten erlauben, trotz gesundheitlicher Einschränkungen stundenweise zu arbeiten. Das Ziel: die Bindung zum Arbeitsplatz auch während längerer Genesungsphasen erhalten.

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Bewegung als Prävention

Wie Gesundheitsförderung praktisch aussehen kann, zeigt ein Wettbewerb im Kreis Euskirchen. Unter dem Motto „Kreis in Bewegung“ nehmen über 50 Firmen mit rund 1.500 Mitarbeitern an einer app-basierten Challenge teil. Seit Mai wurden über 100.000 Bewegungsstunden gesammelt. Das Projekt läuft noch bis September 2026.

Die Dringlichkeit präventiver Maßnahmen unterstreicht auch die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Laut IGES-Institut droht der GKV 2027 eine Finanzlücke von rund 11,8 Milliarden Euro. Ohne Gegensteuerung könnte der durchschnittliche Beitragssatz auf bis zu 18,3 Prozent steigen. Branchenvertreter fordern Strukturreformen und eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik.

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