Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 202 Fehltage pro 100 BeschÀftigte im H1 2026

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 08:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue BGF-Plattform fĂŒr KMU, BAG-Urteil zu Betriebsvereinbarungen und erste Betriebsratswahl bei Nutracorp nach Rechtsstreit.

BGF-Portal, BAG-Urteil & Betriebsratswahl: Aktuelle News
Modernes BĂŒro mit digitalem Tablet, das Gesundheitsstatistiken anzeigt, als Symbol fĂŒr betriebliche PrĂ€vention. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Koordinierungsstelle fĂŒr betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) hat ein neues Informations- und Kollaborationsportal gestartet. Die Plattform richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen sowie KrankenhĂ€user und Pflegeeinrichtungen. Sie bietet Informationsmaterialien, die Anmeldung zu Fachveranstaltungen und eine kostenlose Erstberatung durch Krankenkassen-Fachberater – wahlweise vor Ort, telefonisch oder digital.

FĂŒr die interne Zusammenarbeit der beteiligten Akteure gibt es den datenschutzgesicherten Bereich „BGF.intern“. Über die Erstberatung hinaus ist eine Weitervermittlung an Renten- oder UnfallversicherungstrĂ€ger vorgesehen.

Psychische Erkrankungen als grĂ¶ĂŸter Krankenstandstreiber

Die Dringlichkeit solcher Maßnahmen zeigen aktuelle Krankenstandszahlen aus Nordrhein-Westfalen. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Krankenstand bei 5,6 Prozent – ermittelt aus Daten von rund 385.000 Versicherten des IGES-Instituts.

WĂ€hrend Atemwegserkrankungen um 20 Prozent zurĂŒckgingen, stiegen psychische Erkrankungen um 9 Prozent an. Sie sind inzwischen die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr Fehlzeiten: Auf 100 BeschĂ€ftigte entfielen durchschnittlich 202 Fehltage aufgrund psychischer Belastungen.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben darauf bereits reagiert. 2024 investierten sie rund 686 Millionen Euro in Gesundheitsförderung und PrĂ€vention und erreichten damit etwa 8,9 Millionen Menschen. Die Pflegeversicherung steigerte ihre Ausgaben fĂŒr PrĂ€vention in stationĂ€ren Einrichtungen um 25 Prozent auf 25 Millionen Euro.

Ein weiteres Projekt startete im FrĂŒhjahr 2025: Die AOK Bayern und die Hochschule Allensbach entwickeln ein Programm zum „Gesunden Onboarding in der Pflege“. Nach einer Pilotphase 2026 soll es ab 2027 flĂ€chendeckend implementiert werden – mit Resilienztraining und Schlafmanagement.

BAG-Urteil: Formfehler können Betriebsvereinbarungen kippen

Parallel dazu schĂ€rfte das Bundesarbeitsgericht die Regeln fĂŒr Betriebsratsarbeit. Ein Urteil vom 27. Januar 2026 (Az. 1 AZR 147/24) stellt klar: Eine Betriebsvereinbarung ist unwirksam, wenn ihr kein wirksamer Betriebsratsbeschluss zugrunde liegt.

Im konkreten Fall fĂŒhrte das zur Nichtigkeit einer ablösenden Vereinbarung zur betrieblichen Altersversorgung von 2007. Der KlĂ€ger erhĂ€lt nun eine monatlich um rund 422 Euro höhere Betriebsrente. Das Gericht betonte: Es gibt keine Anscheins- oder Duldungsvollmacht des Betriebsratsvorsitzenden. Die Wirksamkeit mĂŒssen Gerichte von Amts wegen prĂŒfen.

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Auch externe Beratung ist nur unter engen Voraussetzungen zulĂ€ssig. Das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern entschied Ende 2025 (Az. 5 TaBV 2/25): Externe dĂŒrfen nur bei konkreten Aufgabenstellungen und nachgewiesenen Fachwissensdefiziten hinzugezogen werden. Beratung auf Vorrat oder die Delegation originĂ€rer Aufgaben ist nicht gestattet.

Betriebsratswahl nach dreijÀhrigem Rechtsstreit

Beim Elmshorner NahrungsergĂ€nzungsmittel-Hersteller Nutracorp wurde am 3. Juli 2026 erstmals ein Betriebsrat gewĂ€hlt. Die Wahlbeteiligung lag bei 60 Prozent – das Ende eines dreijĂ€hrigen Rechtsstreits ĂŒber fĂŒnf Instanzen bis vors Bundesarbeitsgericht.

Anders lief es im Hotelgewerbe: Im „Four Points by Sheraton“ in Offenbach wurde die Betriebsratsvorsitzende Maria Angelika El Mahjoub fristlos gekĂŒndigt. Das Arbeitsgericht Offenbach wertete die KĂŒndigung in einer ersten EinschĂ€tzung als unwirksam – die nach dem Betriebsverfassungsgesetz erforderliche Zustimmung des Betriebsrats fehlte. Ein Kammertermin ist fĂŒr Ende August angesetzt.

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Wie das aktuelle Beispiel aus Elmshorn zeigt, kann der Weg zur Mitbestimmung langwierig sein. Um rechtliche Fallstricke von Anfang an zu vermeiden, hilft dieser bewĂ€hrte Leitfaden dabei, die BetriebsratsgrĂŒndung rechtssicher zu meistern. Gratis-Fahrplan zur Betriebsratswahl sichern

Die IG Metall formulierte auf ihrer Aktivenkonferenz in Schweinfurt am 28. Juli Forderungen nach einer solidarischen Pflegeversicherung und dem Erhalt des Altersteilzeit-Blockmodells. Der DGB plant fĂŒr den 26. September eine Kundgebung in NĂŒrnberg.

Unternehmen suchen VerstĂ€rkung fĂŒrs Management

Die wachsende KomplexitĂ€t betrieblicher Steuerung zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. Zahlreiche Unternehmen suchen derzeit UnterstĂŒtzung fĂŒr die GeschĂ€ftsfĂŒhrung und Prozesskoordination.

Ausschreibungen der digitalen Logistikplattform bex, des Ingenieurdienstleisters BrĂŒggen Engineering oder der BĂ€ckerei Hoefer zeigen: Gefragt sind Referenten und Assistenten mit kaufmĂ€nnischer Expertise sowie Kenntnissen in Arbeitsrecht und Projektmanagement. Flexible Modelle wie Homeoffice und Teilzeit gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und MĂ€rkten ohne GewĂ€hr; Änderungen jederzeit möglich. BörsengeschĂ€fte können zu hohen Verlusten fĂŒhren. Unsere BeitrĂ€ge werden ganz oder teilweise automatisiert mit UnterstĂŒtzung von AI erstellt und geprĂŒft.

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