Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: Fehltage seit 2019 um 50 Prozent gestiegen

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 19:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychisch bedingte Krankschreibungen erreichen neuen Höchststand. Forscher warnen vor einseitigen Anti-Stress-Kursen und fordern strukturelle Änderungen.

Psychische Fehltage steigen: Neue Angebote und ihre Grenzen
Ein moderner, heller Büroarbeitsplatz mit einem Laptop und einer Pflanze, der eine ruhige und konzentrierte Atmosphäre vermittelt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Psychische Erkrankungen sind inzwischen die zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen in Deutschland. Der TK-Gesundheitsreport 2025 zeigt: Mit durchschnittlich 3,75 Fehltagen pro Person stieg die Zahl seit 2019 um 50 Prozent. Unternehmen und Bildungsträger reagieren mit neuen Angeboten – doch eine Studie der Universität Liechtenstein mahnt zur Vorsicht.

Arbeitsschutz im Wandel

Klassische Arbeitsschutzorganisationen richten ihren Fokus neu aus. Der Dienstleister BG prevent etwa entwickelt anlässlich seines 50-jährigen Bestehens eine digitale Lösung zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Ein KI-Assistent soll dabei helfen, den Arbeitsschutz von der reinen Unfallverhütung hin zur psychischen Prävention weiterzuentwickeln.

Zwischen Meditation und Neurowissenschaft

Die Angebote zur Stressbewältigung werden vielfältiger. In Wolfsberg eröffnete die Praxis „Balance2“, die Neuromentaltraining und Burnout-Prävention für Schulen und Unternehmen anbietet. In Butzbach entstand Mitte Mai ein Zentrum für Mentale Gesundheit mit systemischer Beratung und Morgen-Meditationen.

Einige Programme kombinieren körperliche Aktivität mit mentaler Regulation. Das KAHA-Training – eine Mischung aus Tai-Chi, Qi Gong und Yoga – wird in Volkshochschulen als gelenkschonende Entspannungsmethode eingesetzt. In München nutzen Teams das Jonglieren zum Stressabbau. Wissenschaftlich fundierte Ansätze wie eine 3-Stufen-Methode setzen auf asymmetrisches Atmen und „Predictive Processing“ für eine dauerhafte Selbstregulation.

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Seit 2019 sind psychisch bedingte Fehltage um 50 Prozent gestiegen – doch Achtsamkeitstraining allein schützt nicht vor systematischer Überlastung. Dieser Report liefert die Checkliste zur Gefährdungsbeurteilung und eine erprobte 3-Stufen-Methode zur Stressregulation. Report jetzt anfordern

Die Grenzen der Achtsamkeit

Doch die Forschung bremst die Euphorie. Eine Untersuchung der Universität Liechtenstein mit 460 Vollzeitbeschäftigten zeigte: Zwar hilft eine hohe individuelle Widerstandsfähigkeit, komplexe Aufgaben besser zu bewältigen. Doch anhaltender Zeitdruck schwächt die Selbstwirksamkeit massiv.

In der Fachzeitschrift Acta Psychologica betonen die Wissenschaftler: Anti-Stress-Kurse wirken oft nur als „Reparaturmaßnahme“ am Individuum. Statt die Verantwortung allein auf die Angestellten abzuwälzen, müssten Unternehmen die strukturellen Arbeitsbedingungen verbessern. Achtsamkeit könne helfen, Anforderungen positiver zu bewerten – aber nicht gegen systematische Überlastung schützen.

Bildungsurlaub und Kassenleistungen

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Die Universität Liechtenstein warnt: Anti-Stress-Kurse wirken oft nur als Reparatur am Individuum. Unternehmen müssen strukturelle Arbeitsbedingungen verbessern – sonst drohen Haftungsrisiken. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie die psychische Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG umsetzen. Gefährdungsbeurteilung jetzt sichern

Die Möglichkeiten für Arbeitnehmer wachsen dennoch. In Berlin, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind mehrtägige Seminare zu Meditation und Stressbewältigung auf einer Alpe im Allgäu als Bildungsurlaub anerkannt. Die Kurse vermitteln Methoden zur Stressmustererkennung und den Transfer in den Berufsalltag.

Auch Krankenkassen fördern die Eigenkompetenz. Die AOK PLUS weist darauf hin, dass jährlich bis zu zwei zertifizierte Gesundheitskurse kostenfrei über Gutscheine genutzt werden können. In Bielefeld wird zudem ein Pilotprojekt gestartet: Eine spezielle Liegeschaukel soll therapeutische Wirkung entfalten – wissenschaftlich begleitet, versteht sich.

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