Psychische Gesundheit: 45% der Beschäftigten erwägen Jobkündigung
23.06.2026 - 14:13:55 | boerse-global.de
Mehr als 200 Fachleute sind zum 11. Präventionsforum nach Berlin gekommen. Unter dem Vorsitz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) diskutieren sie über die Auswirkungen der Digitalisierung und Strategien für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
Psychische Erkrankungen als größter Risikofaktor
Die Zahlen sind alarmierend: 2024 entfielen 16,7 Prozent aller Krankheitstage auf psychische Störungen. Noch deutlicher wird die Belastung bei Frühverrentungen. Psychische Erkrankungen sind mit 42 Prozent der häufigste Grund für den Bezug einer Erwerbsminderungsrente.
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Die Digitalisierung sehen Experten als zweischneidige Entwicklung. Einerseits bietet sie Entlastungspotenziale, andererseits erzeugt sie neuen „Technostress“. Das Forum adressiert zudem moderne Führungskultur, Gewaltprävention, Mobbing und Suchtprävention in Betrieben.
Lob bleibt Mangelware
Parallel zur Konferenz veröffentlichte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ein neues Dossier zu sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz. Die Erwerbstätigenbefragung zeigt: 87 Prozent der Beschäftigten berichten von guter Zusammenarbeit, 79 Prozent fühlen sich als Teil einer Gemeinschaft. Doch die Anerkennung durch Vorgesetzte hapert. Nur 41 Prozent erhalten regelmäßig Lob für ihre Arbeit.
Ein weiteres Problem: der Kundenkontakt. 2024 mussten 36 Prozent der Beschäftigten in diesem Bereich verbale oder psychische Übergriffe erfahren. Der BKK Dachverband warnte gestern in einer neuen Broschüre zudem vor Vereinsamung. Rund 18 Prozent der Erwerbsfähigen sind von Einsamkeit betroffen. Das erhöht nicht nur individuelle Gesundheitsrisiken, sondern auch Fluktuation und Fehlzeiten.
Psychischer Stress treibt Fachkräfte weg
Die psychische Belastung wird zum wirtschaftlichen Risiko. Der Personio-Report 2026 zeigt: 45 Prozent der Beschäftigten in Deutschland erwägen, ihren Job innerhalb der nächsten zwölf Monate zu kündigen. Hauptgründe: stressiges Arbeitsumfeld, mangelnde Wertschätzung und Führungsdefizite. Besonders im Mittelstand gilt psychischer Stress als Treiber für steigende Krankenstände.
Die Initiative AOP-GA mischt sich in die Debatte ein. Sie kritisiert Forderungen nach einer Lockerung des Arbeitszeitgesetzes. Mehr Arbeitszeit führe nicht zwangsläufig zu höherer Leistung, so die Argumentation. Stattdessen müssten präventive Maßnahmen und bessere Arbeitsbedingungen priorisiert werden.
Neue Angebote für Betriebe
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Die Nürnberger Versicherung hat gemeinsam mit dem Partner XUND ein digitales Präventionsprodukt namens PRAEVIA eingeführt. Es soll über Risikoanalysen und Home-Tests eine gezielte Früherkennung ermöglichen.
Auch Bildungseinrichtungen ziehen nach. Die Universität Heidelberg stellte heute Konzepte für Resilienzräume im Bildungssektor vor. Die IHK Magdeburg bietet Ende Juni eine Veranstaltungsreihe für Ausbildungsverantwortliche an. Thema: Gesprächsführung und Umgang mit psychischen Belastungen bei Azubis.
Ein spezielles Feld betrifft die Glücksspielsucht. Rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland erfüllen die Kriterien einer Glücksspielstörung. Angesichts von Sportereignissen wie Weltmeisterschaften empfehlen Experten Betriebsräten, die Prävention von Wettsucht aktiv in die Betriebsabläufe zu integrieren.
