Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit: Nur 31% der Betriebe fĂŒhren GefĂ€hrdungsbeurteilung durch

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 02:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Wachsende Anforderungen an BetriebsrÀte: BAG-Urteile, psychische Gesundheit und Digitalisierung erfordern dringend aktualisiertes Fachwissen.

BetriebsrÀte vor neuen Herausforderungen durch BAG-Urteile und Gesetze
Eine Gruppe von GeschĂ€ftsleuten sitzt aufmerksam in einem Konferenzraum, wĂ€hrend ein Redner PrĂ€sentation gibt. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Grund sind wegweisende Urteile des Bundesarbebeitsgerichts (BAG) und neue gesetzliche Regelungen. Vor allem bei Gremienorganisation, Gesundheitsschutz und digitaler Transformation mĂŒssen Arbeitnehmervertreter ihr Fachwissen dringend aktualisieren.

BAG-Urteil macht Betriebsvereinbarung unwirksam

Ein Urteil des BAG vom 27. Januar 2026 zeigt die Fallstricke der Betriebsratsarbeit. Das Gericht erklĂ€rte eine Betriebsvereinbarung zur Altersvorsorge fĂŒr unwirksam – weil kein wirksamer Beschluss des Gremiums vorlag.

Die alleinige Unterschrift des Betriebsratsvorsitzenden reicht demnach nicht aus. Eine Heilung durch jahrelange Anwendung oder eine Anscheinsvollmacht schlossen die Richter aus.

Betriebsratswahlen 2026: WahlvorstÀnde in der Pflicht

Die im FrĂŒhjahr 2026 beginnenden Betriebsratswahlen erfordern eine fundierte Vorbereitung der WahlvorstĂ€nde. Bereits im Juni 2025 prĂ€zisierte das BAG das aktive Wahlrecht: Arbeitnehmer, die in mehreren Betrieben eines Unternehmens tĂ€tig sind, dĂŒrfen in allen betroffenen Standorten wĂ€hlen.

FĂŒr internationale Unternehmen ist eine Entscheidung vom 3. Juni 2026 relevant: Deutsche Standorte auslĂ€ndischer Fluggesellschaften sind grundsĂ€tzlich betriebsratsfĂ€hig.

Psychische Gesundheit: BetriebsrÀte in der WÀchterrolle

Ein Schwerpunkt der Qualifizierung liegt auf der mentalen Gesundheit. Laut DAK-Gesundheitsreport 2025 sind psychische Erkrankungen die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr ArbeitsunfĂ€higkeit – mit durchschnittlich 33 Fehltagen pro Fall.

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Eine Studie der Techniker Krankenkasse zeigt: 66 Prozent der Deutschen sind hÀufig gestresst. Das ist ein Anstieg um 16 Prozentpunkte innerhalb von zehn Jahren.

BetriebsrĂ€te haben hier ein Mitbestimmungsrecht bei der psychischen GefĂ€hrdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz. Doch nur 31 Prozent der Betriebe fĂŒhren eine solche Beurteilung durch. Die OECD warnte 2026 vor den Milliardenkosten durch psychische Erkrankungen.

KI und Digitalisierung: Neue Mitbestimmungsrechte

ZusĂ€tzlicher Schulungsbedarf ergibt sich aus den PlĂ€nen der Bundesregierung zur Mitbestimmung bei KĂŒnstlicher Intelligenz. Inhouse-Seminare und PrĂ€ventionsmaßnahmen gewinnen an Bedeutung, um die technologische Entwicklung im Sinne der BeschĂ€ftigten zu begleiten.

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Da viele Betriebe Fehler bei der gesetzlich vorgeschriebenen GefÀhrdungsbeurteilung machen, riskieren Arbeitgeber unnötige rechtliche Konsequenzen. Nutzen Sie diese kostenlosen Vorlagen und Checklisten, um behördenkonforme Beurteilungen schnell und sicher zu erstellen. Kostenlose Checklisten zur GefÀhrdungsbeurteilung sichern

Studie belegt: BetriebsrÀte sichern faire Löhne

Eine Studie der UniversitÀt Trier und der FH Bielefeld vom Mai 2026 belegt die wirtschaftliche Relevanz betrieblicher Mitbestimmung. Betriebe ohne Betriebsrat zahlen demnach dreimal hÀufiger GehÀlter unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns.

Der Mindestlohn soll 2026 auf 13,90 Euro und 2027 auf 14,60 Euro steigen.

VergĂŒtungsfragen: BAG schafft Klarheit

Das BAG stellte am 28. August 2024 klar: ZuschlĂ€ge nach dem Lohnausfallprinzip sind brutto zu zahlen, genießen aber keine Steuerfreiheit gemĂ€ĂŸ § 3b EStG, wenn die tatsĂ€chliche Arbeitsleistung fehlt.

Ein Steuernachteilsausgleich durch den Arbeitgeber ist unzulĂ€ssig – er verstĂ¶ĂŸt gegen das BegĂŒnstigungsverbot des Betriebsverfassungsgesetzes. Das LAG DĂŒsseldorf entschied im MĂ€rz 2025 ergĂ€nzend: FĂŒr BetriebsratstĂ€tigkeiten außerhalb der regulĂ€ren Arbeitszeit entstehen keine entsprechenden ZuschlĂ€ge.

Reformpaket: Krankschreibung ab dem ersten Tag

Die geplanten Reformen des Koalitionsausschusses vom 2. Juli 2026 stellen BetriebsrÀte vor weitere Aufgaben. Das Paket sieht eine Verpflichtung zur ArbeitsunfÀhigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag vor. Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Ein Gesetzgebungsverfahren ist bis Ende 2026 geplant.

Digitale Transformation: Frist lÀuft ab

Ab dem 1. Januar 2027 endet die Übergangsphase fĂŒr die elektronisch unterstĂŒtzte BetriebsprĂŒfung (euBP). Arbeitgeber mĂŒssen Entgelt- und Sozialversicherungsunterlagen dann ausschließlich elektronisch und prĂŒffĂ€hig vorhalten.

Die EinfĂŒhrung digitaler Personalakten wird zum operativen Standard. Die fachliche Begleitung durch den Betriebsrat ist erforderlich – um Datenschutzvorgaben und Arbeitnehmerrechte sicherzustellen.

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