Quishing, Smishing

Quishing und Smishing: Angriffe auf MobilgerÀte steigen um 146 und 162 Prozent

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 19:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Internationale Aktion gegen Phishing-Dienst Kratos: Über 200 Server unschĂ€dlich gemacht, Entwickler in Indonesien festgenommen.

BKA zerschlÀgt Phishing-Plattform Kratos: 200 Server ausgeschaltet
Eine Person mit Kapuze sitzt vor mehreren Bildschirmen in einem dunklen Raum und tippt auf einem Laptop, um CyberkriminalitĂ€t darzustellen. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Zentralstelle zur BekĂ€mpfung der InternetkriminalitĂ€t (ZIT) haben die Infrastruktur der Phishing-Plattform „Kratos“ zerschlagen. Bei der international koordinierten Aktion mit US-Behörden wurden ĂŒber 200 Server unschĂ€dlich gemacht. In Indonesien nahmen die Ermittler einen mutmaßlichen Entwickler fest.

Franchise-Modell fĂŒr Cyberkriminelle

Die Plattform Kratos agierte seit Ende 2024 als Phishing-as-a-Service-Anbieter. Das GeschĂ€ftsmodell: Rund 1.800 Franchisenehmer fĂŒhrten monatlich etwa 15.000 betrĂŒgerische Kampagnen durch. Die Schadsoftware erstellte tĂ€uschend echte Microsoft-Anmeldeseiten und umging sogar die Mehr-Faktor-Authentisierung (MFA). Laut BKA erwirtschaftete die Gruppe seit ihrem Bestehen ĂŒber 300.000 Euro Umsatz. Hunderttausende Opfer in mehr als 30 Staaten sind betroffen.

Parallel dazu meldete Interpol im Rahmen der „Operation First Light 2026“ weltweite Erfolge: 5.811 Festnahmen und sichergestellte Vermögenswerte von 293 Millionen US-Dollar. In Deutschland schĂ€tzt man den jĂ€hrlichen Schaden durch FinanzkriminalitĂ€t auf rund 100 Milliarden Euro. Die Politik reagierte mit einem 26-Punkte-Plan.

Neue Tricks – alte LĂŒcken

Angreifer setzen zunehmend auf spezialisierte Techniken, um Sicherheitsfilter auszutricksen. Der IT-Dienstleister Barracuda registrierte seit April 2026 ĂŒber eine Million Phishing-Mails mit „Text-Salting“. Dabei betten Kriminelle harmlose, fĂŒr Nutzer unsichtbare Texte in den HTML-Code ein – das tĂ€uscht KI-basierte Spam-Filter.

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Die US-Behörde CISA warnt zudem vor vier kritischen SicherheitslĂŒcken in Microsoft SharePoint (CVE-2026-32201, CVE-2026-45659, CVE-2026-56164 und CVE-2026-58644). Angreifer können ohne Authentifizierung Code ausfĂŒhren oder Webshells installieren. FĂŒr eine der LĂŒcken setzten die Behörden eine Frist bis zum 19. Juli 2026.

Microsoft meldete außerdem Kampagnen des „ACR Stealers“. Die Malware nutzt Steganografie in Bilddateien und Blockchain-EintrĂ€ge, um Passwörter und Dokumente aus Cloud-Speichern zu stehlen. Die Angriffe liefen zwischen Ende April und Mitte Juni 2026.

Passwort-Manager im Visier

Aktuelle Kampagnen zielen gezielt auf Nutzer von Passwort-Managern. Kunden von LastPass und Bitwarden erhalten gefĂ€lschte Compliance-Mails von Domains wie „lastpassnewsletter.com“ oder „bitwardennewsletter.com“. Die Nachrichten fordern zur BestĂ€tigung von Sicherheitsrichtlinien auf und leiten auf manipulierte Seiten weiter, die DocuSign imitieren.

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Auch Unternehmen sind betroffen: Bei „Boss Scams“ setzen Kriminelle KI-gestĂŒtzte Deepfakes und Sprachklone ein. In Mumbai ĂŒberwies ein stellvertretender GeschĂ€ftsfĂŒhrer nach gefĂ€lschten WhatsApp-Anweisungen 11,5 Millionen Euro in 63 Einzeltransaktionen. Das FBI warnt in diesem Zusammenhang vor der Plattform „Kali365“, die speziell MFA-HĂŒrden bei gezielten Angriffen ĂŒberwindet.

MobilgerÀte im Fadenkreuz

Mobile EndgerÀte werden verstÀrkt attackiert. Im ersten Quartal 2026 stiegen Quishing-Angriffe (Phishing via QR-Code) um 146 Prozent. Smishing (SMS-Phishing) legte im zweiten Quartal um 162 Prozent zu. Allein im MÀrz registrierten Marktbeobachter 18,7 Millionen Angriffe mit bösartigen QR-Codes.

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