Raffinerien in Deutschland steigern Produktion: Weniger Benzin- und Dieselimporte trotz hoher Preise
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 08:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Deutschlands Raffinerien haben im ersten Halbjahr 2026 mehr Benzin und Diesel produziert, während die Einfuhren beider Kraftstoffe jeweils um knapp ein Viertel zurückgingen.
Mehr Benzin und deutlich mehr Diesel hergestellt
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden einschließlich Flugbenzin 11 Millionen Tonnen Motorenbenzin hergestellt. Das waren 1,8 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Die Dieselproduktion stieg um 9,4 Prozent auf 15,8 Millionen Tonnen.
Gleichzeitig sanken die Einfuhren von Benzin um 23 Prozent und von Diesel um 23,9 Prozent. Deutschland bezog damit jeweils deutlich weniger Kraftstoff aus dem Ausland als im Vorjahreszeitraum.
Importe billiger, Dieselrechnung trotzdem höher
Die geringeren Einfuhrmengen führten wegen gestiegener Weltmarktpreise für Rohöl jedoch nur teilweise zu einer finanziellen Entlastung. Der Wert der Benzinimporte sank um lediglich 2,5 Prozent auf 479 Millionen Euro.
Für Diesel musste Deutschland trotz der um fast ein Viertel verringerten Menge sogar mehr bezahlen. Der Wert der Einfuhren stieg um 5,8 Prozent auf 845 Millionen Euro. Als Grund wurden die höheren Rohölpreise infolge des Iran-Kriegs genannt.
Niederlande und Belgien wichtigste Lieferländer
Beim Benzin kamen 52,1 Prozent der insgesamt 525.000 importierten Tonnen aus den Niederlanden. Tschechien lieferte 26,1 Prozent, Österreich knapp zwölf Prozent.
Beim Diesel entfielen 55,1 Prozent der insgesamt 858.000 Tonnen auf Belgien und 39,7 Prozent auf die Niederlande. Die beiden Nachbarländer waren damit die wichtigsten ausländischen Lieferanten.
Deutschland exportiert mehr Diesel
Unter dem Strich exportierte Deutschland im ersten Halbjahr mehr Kraftstoff, als es importierte. Die Ausfuhren von Motorenbenzin gingen zwar um 3,5 Prozent auf 1,66 Millionen Tonnen zurück.
Der Diesel-Export stieg dagegen um 18,7 Prozent auf 2,06 Millionen Tonnen. Damit führte Deutschland deutlich mehr Diesel aus als im Vorjahreszeitraum.
Mehr Produktion, aber keine Preisgarantie
Die höheren Raffineriemengen stärken Deutschlands Versorgung aus eigener Produktion. Besonders beim Diesel fällt der Zuwachs deutlich aus: Die Herstellung stieg im ersten Halbjahr um 9,4 Prozent, während die Einfuhren um 23,9 Prozent sanken. Deutschland blieb zugleich Nettoexporteur von Benzin und Diesel.
Für Verbraucher folgt daraus jedoch keine unmittelbare Entlastung. Kraftstoffpreise orientieren sich am internationalen Rohöl- und Produktmarkt, nicht allein an der Menge, die deutsche Raffinerien herstellen. Steigende Rohölpreise können deshalb Einsparungen beim Importwert überlagern: Der Wert der eingeführten Dieselmenge lag trotz des geringeren Volumens über dem Vorjahresniveau.
Europäischer Markt bleibt entscheidend
Die Lieferstrukturen zeigen zudem, dass Deutschland weiterhin eng in den europäischen Energiemarkt eingebunden ist. Benzin kommt vor allem aus den Niederlanden und Tschechien, Diesel überwiegend aus Belgien und den Niederlanden. Sinkende deutsche Importe bedeuten daher nicht Unabhängigkeit von ausländischen Lieferketten, sondern eine Verschiebung zwischen Produktion, Handel und Lagerbeständen.
Die internationale Lage erhöht diese Bedeutung. Engpässe auf den Öl- und Dieselmärkten, Störungen wichtiger Seewege und eine starke europäische Abhängigkeit von importiertem Diesel können Preise auch dann treiben, wenn die heimische Produktion wächst. Für Autofahrer sind deshalb Weltmarktpreise, Steueränderungen und die Weitergabe von Entlastungen an Tankstellen kurzfristig wichtiger als die Halbjahresbilanz der Raffinerien.
