Raus, Dollar

Raus aus dem Dollar! - Aber wohin?

Veröffentlicht: 16.01.2008 um 10:35 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

Auf die Talfahrt des amerikanischen Dollar brauchen wir an dieser Stelle wohl nicht mehr detailliert einzugehen. Der Greenback ist extrem angeschlagen. Die Hypothekendarlehen-Krise und milliardenschwere Abschreibungen bei den Banken lasten auf der Realwirtschaft. Viele Ökonomen rechnen mittlerweile mit einer Rezession oder zumindest mit einem deutlichen Abschwung. Die Notenbank reagiert darauf mit Leitzinssenkungen, was das allgemeine Zinsniveau  absenkt und amerikanische Anleihen tendenziell uninteressanter werden lässt. Hinzu kommt ein ausuferndes Handelsbilanz-Defizit, das zuletzt bei über 60 Milliarden Dollar pro Monat lag. Vor diesem Hintergrund erwägen auch immer mehr internationale Zentralbanken, ihre Dollar-Währungsreserven umzuschichten. Die amerikanische Währung steckt in einer tiefen Vertrauenskrise.

In letzter Zeit ist vor allem der Euro gegenüber dem Dollar stark gestiegen. Die Frage ist allerdings, ob diese Entwicklung nachhaltig ist. Zwar hat der Euro-Raum gegenüber den Vereinigten Staaten einen positiven Handelsbilanzsaldo aufgebaut. Im Falle eines US-Abschwungs dürften aber auch die europäischen Volkswirtschaften in Mitleidenschaft gezogen werden. Der deutsche Exportmotor etwa dürfte dann wohl ins Stottern geraten. Sollte später auch die EZB Zinssenkungen vornehmen, könnte der Euro plötzlich ziemlich ambitioniert bewertet aussehen. Einen sicheren Hafen stellt er also keineswegs dar.

Es sind vor allem die asiatischen Währungen, die sich ihre Stärke gegenüber dem Dollar tatsächlich auch „verdient“ haben. In erster Linie war es der asiatische Wirtschaftsraum, der hohe Handelsbilanz-Überschüsse mit den Vereinigten Staaten erwirtschaftet hat. Der Anstieg des Euro fand im Gegensatz dazu eher „stellvertretend“ statt, denn viele asiatische Währungen können nicht frei gegenüber dem Dollar gehandelt werden. Er ist ganz sicher kein Ausdruck einer etwaigen strukturellen Überlegenheit Europas. Die asiatischen Währungen haben es dank robuster Wachstums- und Exportraten viel mehr verdient, gegenüber dem Dollar weiter zu steigen. Und in der Tat haben wir hier im vergangenen Jahr schon einen beträchtlichen Aufwertungsdruck erlebt.

Aus dem Wirtschaftunterricht wissen wir noch, dass die Währung eines Landes auf lange Sicht dessen wirtschaftliche Kraft widerspiegelt. Die USA sind heute zwar immer noch ein Wirtschaftsgigant, der aber auf tönernen Füßen steht. Währenddessen findet in Fernost ein ebenso gewaltiger wie nachhaltiger Wirtschaftsboom statt. Dies wird auch in den kommenden Jahren so bleiben. Auch im Fall eines globalen Abschwungs ist es immer noch ein erheblicher Unterschied, ob die USA in einer Rezession versinken, oder ob Länder wie China und Indien „nur noch“ Wachstumsraten von 8 bzw. 6 Prozent aufweisen werden. Letztere Szenarien sind im Falle eines weltweiten Wachstumsrückgangs im höchsten Maße wahrscheinlich.

In einer unserer letzten Kolumnen haben wir unseren Lesern geraten, in die indische Rupie zu „fliehen“. Diese Empfehlung können wir hier nur noch einmal bekräftigen. Zwar ist die Rupie gegenüber dem Dollar schon 2007 um 12,3 Prozent gestiegen. Dies ist vermutlich aber erst der Anfang. Das Land erlebt zur Zeit einen beträchtlichen Wirtschafts- und Export-Boom. Die Ausfuhren sind von April bis September auf Jahressicht um durchschnittlich 18,5 Prozent gestiegen. Im Oktober und November hat sich der Zuwachs nochmals um jeweils 35,6 und 26,8 Prozent beschleunigt – und dies, obwohl viele Analysten hier wegen der gestiegenen Rupie Einbußen prognostiziert hatten.

Unter den großen Wirtschaftsnationen ist Indien diejenige Volkswirtschaft, die weltweit am zweitstärksten wächst. Aus Investoren-Sicht weist das Land zudem noch einen weiteren – ganz entscheidenden - Vorteil auf: Es gehört zu den ganz wenigen asiatischen Nationen, deren Währung tatsächlich völlig frei handelbar ist. Hinzu kommen die enormen Exportwachstums-Raten, ein Wirtschaftswachstum von über 8 Prozent in den vergangenen fünf Jahren und ein noch stärker wachsender Binnenmarkt. Letzterer wird in den kommenden Jahren gewaltige ausländische Direktinvestitionen anziehen. Die Großkonzerne dieser Welt haben Indien als riesigen Absatzmarkt entdeckt, auf dem sie mit Repräsentanzen und Produktionsstätten präsent sein müssen.

Auch ein globaler Abschwung dürfte Indiens Binnenwachstum nur unwesentlich abbremsen. Kein größeres Unternehmen dieser Welt kann es sich künftig leisten, auf dem indischen Markt mit über einer Milliarde Konsumenten nicht präsent zu sein. Das Verhalten der Konzerne in China dürfte für die Investitionsneigung in Indien als Blaupause dienen. Dies wird auch die ausländischen Direktinvestitionen weiter beflügeln. Auch höhere Volatilitäten am indischen Aktienmarkt werden diese Entwicklung nicht aufhalten können. Während der Aktienmarkt also durchaus einige Blessuren abbekommen könnte, sollte der Aufwertungsdruck auf die Rupie anhalten.

Eine ganz entscheidende Rolle spielen dabei das indische Zinsniveau. Die hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre haben naturgemäß auch die Inflationsentwicklung angefacht. Indiens Zentralbank hat diese zuletzt gut unter Kontrolle bekommen. Allerdings wurde der Leitzins inzwischen auf 6 Prozent angehoben – und dürfte noch eine Weile auf diesem stolzen Niveau verharren. Die Anleihen indischer Unternehmen mit hoher Bonität weisen noch deutlich höhere Renditen auf. Indische Assets sind also für das internationale Publikum weiterhin sehr attraktiv.

Indessen hat die amerikanische Notenbank den US-Leitzins bereits wieder auf 4,25 Prozent abgesenkt. FED-Chef Ben Bernanke hat im Falle einer anhaltenden Wachstumsschwäche weitere aggressive Lockerungsschritte angekündigt. Am Markt sieht man den US-Leitzins bis Ende 2008 bereits bis auf 3,0 Prozent fallen. Dies wird die Kurse amerikanischer Anleihen weiter steigen lassen – die erzielbaren Kupons werden gleichzeitig fallen.

Natürlich ist es nicht auszuschließen, dass der Dollar im Fall einer US-Rezession erst einmal steigt. Beispielsweise könnte im Krisenfall die Risikoneigung der Großinvestoren nachlassen, und sie könnten sich vorerst mit den niedrigen Zinsrenditen auf dem Heimatmarkt begnügen. Dies könnte sich jedoch schnell ändern, denn die asiatischen Märkte - allen voran Indien –werden weiter mit hohen Zinsrenditen locken. Und wenn das Land erst einmal sein nachhaltiges Wachstum unter Beweis gestellt hat, werden auch indische Assets weiter interessant sein - und der Trend könnte sich noch einmal deutlich verstärken. Für die indische Rupie ist dann möglicherweise wahrscheinlich der Weg in ungeahnte Höhen offen.

ABN-AMRO bietet ein neues Zertifikat an, mit dem Anleger auf einen Anstieg der indischen Rupie gegenüber dem Dollar setzen können (WKN: AA0RTV). Der prozentuale Zuwachs wird dabei indikativ* um 400 Prozent gehebelt. Gleichzeitig bietet das Papier einen Kapitalgarantie von 90 Prozent und ist damit auch für sicherheitsorientierte Anleger geeignet.

Das Indische-Rupie-Zertifikat (Indian Rupee Partially Capital Protected Note) kann noch bis zum 1. Februar 2008 bei Depotbanken, Banken und Sparkassen gezeichnet werden. Der anfängliche Stückpreis liegt bei 100 Euro. Die Laufzeit endet am 14. Dezember 2012. Der Ausgabeaufschlag beträgt 2 Prozent. Die Wertpapier-Kennnummer lautet AA0RTV.


*indikativ; wird am Preisfeststellungstag fixiert und liegt zwischen 350 und 450 Prozent.

 

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