Rechenzentren, Ampel-Koalition

Rechenzentren: Ampel-Koalition verdoppelt Effizienz-Frist auf 4 Jahre

25.06.2026 - 23:04:48 | boerse-global.de

Die Bundesregierung gewährt Rechenzentren längere Fristen für Effizienznachweise und Ökostrom. Unternehmen profitieren von höheren Schwellenwerten für Energiemanagementsysteme.

Ampel lockert Energieauflagen für Rechenzentren und Unternehmen
Rechenzentren - Ein modernes Rechenzentrum mit leuchtenden Server-Racks und Netzwerkkabeln, das Technologie und Energieeffizienz symbolisiert. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Betreiber von Rechenzentren bekommen mehr Zeit für Effizienz-Nachweise und Ökostrom-Vorgaben.

Mehr Zeit für Rechenzentren

Der Energiebedarf deutscher Rechenzentren steigt rasant. Für 2025 prognostiziert die Regierung 21,3 Milliarden Kilowattstunden – nach rund 20 Milliarden im Vorjahr. Cloud-Dienste und KI-Anwendungen treiben den Verbrauch.

Die Novelle des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) gibt der Branche jetzt mehr Luft. Die Frist für neue Anlagen, die geforderten Effizienzwerte (PUE) zu erreichen, verdoppelt sich von zwei auf vier Jahre. Die Pflicht zur vollständigen Ökostrom-Nutzung verschiebt sich um drei Jahre: Statt 2027 gilt die Quote erst ab 1. Januar 2030.

Auch bei der Abwärme-Nutzung gibt es Entlastung. Betreiber müssen diese künftig nur noch bereitstellen, wenn ein Wärmenetz bereits existiert. Der Bitkom kritisiert den PUE-Wert dennoch als zu eng gefassten Maßstab.

Weniger Bürokratie für die Wirtschaft

Die Schwellenwerte für Energie- und Umweltmanagementsysteme steigen deutlich. Statt bei 7,5 Gigawattstunden Jahresverbrauch liegt die Grenze künftig bei 23,6 Gigawattstunden. Das Wirtschaftsministerium beziffert die Gesamtentlastung auf über drei Milliarden Euro – davon 760 Millionen jährliche Einsparungen und 2,9 Milliarden einmalige Entlastung.

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Wirtschaftsministerin Reiche betont den Bürokratieabbau. Die Opposition spricht von einem klimapolitischen Rückschritt. Die Anpassungen kommen, nachdem Deutschland die Umsetzungsfrist für die EU-Energieeffizienzrichtlinie im Herbst 2025 bereits überschritten hatte. Branchenanalysten warnen: Trotz der Lockerungen könnten weitere Maßnahmen nötig sein, um die nationalen Ziele bis 2030 zu erreichen.

Internationale Transparenz-Offensive

Parallel wächst der globale Druck auf IT-Betreiber. UN-Generalsekretär Guterres forderte auf der London Climate Action Week mehr Transparenz von KI-Unternehmen – konkret zu Energie-, Wasser- und Flächenverbrauch. Eine internationale Initiative soll standardisierte Umweltindikatoren etablieren.

Technologiekonzerne reagieren bereits. Microsoft setzt in neuen Anlagen auf geschlossene Kühlkreisläufe und spart so pro Rechenzentrum jährlich über 125 Millionen Liter Wasser. Der Konzern senkte seinen Wasserverbrauch pro Kilowattstunde zwischen 2021 und 2023 um 39 Prozent. Pilotprojekte für wasserfreie Kühlungen starten ab 2026 in den USA.

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Nvidia präsentiert flüssigkeitsgekühlte Serverstrukturen. Damit ließe sich der Wasserverbrauch großer Rechenzentren nahezu eliminieren – relevant für KI-Server, die pro Megawatt Leistung bisher rund 9,8 Millionen Liter Wasser jährlich benötigen. Amazon plant, bis 2030 in über 120 Rechenzentren auf recyceltes Wasser umzustellen.

EU bereitet Steuerung vor

Die EU-Kommission arbeitet an gesetzlichen Rahmenbedingungen für intelligente Stromzähler. Ziel: Lastspitzen durch KI-gestützte Systeme senken. Rechenzentren verursachen bereits 2,5 Prozent des gesamten EU-Stromverbrauchs – eine Verdopplung innerhalb von vier Jahren wird erwartet. Die Kommission stellt daher 75 Millionen Euro für energieeffiziente KI-Systeme bereit.

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