Reformen, Civey-Umfrage

Reformen: 41 Prozent akzeptieren persönliche Einschnitte

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine repräsentative Befragung im Auftrag des ZVEI zeigt breite Zustimmung zu politischen Veränderungen. Bei den konkreten Kosten solcher Reformen gehen die Einschätzungen jedoch deutlich auseinander.

Reformfelder und Altersgruppen im Vergleich

  • 83 Prozent der Befragten sehen umfassenden politischen Reformbedarf in Deutschland.
  • Die höchste Bereitschaft zu vorübergehenden Nachteilen zeigen mit 56 Prozent die 30- bis 39-Jährigen.
  • 44 Prozent nennen weniger Bürokratie als wichtigste Reformforderung, gefolgt von Staatsausgaben und Sozialsystemen.
Damit die sozialen Sicherungssysteme auch in Zukunft noch funktionieren, wären viele Menschen in Deutschland bereit, vorübergehend persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen. (Symbolbild) - Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Umfrage zeigt Zustimmung zu Reformen in Deutschland

Ein Großteil der Menschen in Deutschland würde zugunsten nachhaltiger Sozialreformen kurzfristige persönliche Einschnitte akzeptieren. In einer repräsentativen Civey-Umfrage für den Verband der Elektro- und Digitalindustrie ZVEI stimmten 41 Prozent der 5.000 befragten Erwachsenen dieser Aussage zu.

Gleichzeitig sehen 83 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer umfassenden politischen Reformbedarf in Deutschland. Sie verbinden diesen Bedarf nicht nur mit der Zukunft der sozialen Sicherungssysteme, sondern auch mit weiteren strukturellen Veränderungen.

30- bis 39-Jährige besonders bereit

Die höchste Bereitschaft, bei entsprechenden Reformen vorübergehend Nachteile in Kauf zu nehmen, äußerten die 30- bis 39-Jährigen. In dieser Altersgruppe lag der Anteil bei 56 Prozent.

Bei den 18- bis 29-Jährigen waren es 46 Prozent. Am geringsten fiel die Zustimmung unter den 40- bis 49-Jährigen aus: Dort erklärten sich 24 Prozent mit kurzfristigen persönlichen Einschnitten einverstanden.

Weniger Bürokratie steht oben auf der Liste

Als wichtigste Reformforderung nannten 44 Prozent der Befragten einen deutlichen Abbau von Bürokratie. 36 Prozent forderten einen effizienteren Einsatz staatlicher Ausgaben.

Langfristig finanzierbare Sozialsysteme halten 35 Prozent für wichtig. 32 Prozent wünschen sich, dass die Bundesregierung Strom bezahlbarer macht.

ZVEI fordert strukturelle Verbesserungen

ZVEI-Präsident Daniel Hager erklärte, die Menschen wollten Veränderung, weil es nicht ausreiche, den eigenen Status quo zu erhalten, während sich die Welt weiter beschleunige. Die Bürgerinnen und Bürger wollten keine kurzfristigen Maßnahmen, sondern strukturelle Verbesserungen und verlässliche Entlastungen.

Die Umfrage zeichnet ein differenziertes Bild der Reformbereitschaft: Einer sehr großen Mehrheit, die grundsätzlich umfassende Veränderungen befürwortet, steht eine deutlich kleinere Gruppe gegenüber, die dafür kurzfristige persönliche Nachteile akzeptieren würde. Dieser Abstand verweist auf eine zentrale politische Herausforderung: Reformen können auf Zustimmung stoßen, solange ihre konkreten Kosten für Bürgerinnen und Bürger noch nicht feststehen.

Besonders hoch ist die Bereitschaft bei den 30- bis 39-Jährigen. Diese Altersgruppe ist häufig zugleich mit hohen Wohn-, Betreuungs- und Vorsorgekosten konfrontiert und von der langfristigen Stabilität der sozialen Sicherungssysteme betroffen. Die geringere Zustimmung bei den 40- bis 49-Jährigen kann hingegen auf eine Lebensphase mit besonders vielfältigen finanziellen Verpflichtungen treffen; aus den Umfragewerten allein lassen sich dafür jedoch keine Ursachen ableiten.

Reformwünsche mit unmittelbarer Wirkung

Die Prioritäten der Befragten konzentrieren sich auf Themen, deren Folgen im Alltag unmittelbar spürbar sind: weniger Bürokratie, ein effizienterer Einsatz staatlicher Mittel, tragfähige Sozialsysteme und bezahlbarer Strom. Für die politische Umsetzung bedeutet das, dass langfristige Strukturentscheidungen nachvollziehbar mit kurzfristigen Entlastungen verbunden werden müssten.

Die Ergebnisse liefern damit ein Stimmungsbild, aber keine Zustimmung zu einem konkreten Reformpaket. Entscheidend wäre, welche Maßnahmen Einschnitte verursachen, wie lange sie dauern und wie die Belastungen zwischen Altersgruppen und Einkommen verteilt würden.

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