Reformpaket, Punkte

Reformpaket 34 Punkte: Zehn Milliarden Euro Steuersenkung ab Januar

03.07.2026 - 19:20:02 | boerse-global.de

Die Koalition einigt sich auf ein 34-Punkte-Maßnahmenpaket zur Wirtschaftsbelebung mit Steuerentlastungen und Rentenreformen.

Reformpaket: Steuersenkungen, neue Rentenregeln & Arbeitsmarkt
Reformpaket - Ein Stapel Euro-Banknoten mit einem kleinen Zahnrad darauf, im Hintergrund verschwommene Büroumgebung. Symbolisiert kleine Reformen. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Nach mehrtägigen Beratungen präsentierten Kanzler Merz und die Parteivorsitzenden Söder, Klingbeil und Bas ein 34 Punkte umfassendes Maßnahmenbündel. Ziel: Die deutsche Wirtschaft aus der Krise führen und 2027 wieder Wachstum von über einem Prozent erreichen.

Steuersenkungen für Familien – höhere Sätze für Spitzenverdiener

Kernstück der Reform ist eine steuerliche Entlastung von rund zehn Milliarden Euro. Ab Januar 2027 soll sie greifen, die volle Wirkung wird 2028 erwartet. Der Grundfreibetrag steigt von 12.348 auf 12.900 Euro. Auch das Kindergeld klettert von 259 auf 272 Euro. Eine vierköpfige Familie mit 60.000 Euro Bruttoeinkommen würde laut Koalition jährlich bis zu 600 Euro sparen.

Die sogenannte Reichensteuer wird gesplittet: Ab 250.000 Euro Einkommen greifen 45 Prozent, ab 280.000 Euro satte 47 Prozent. Der Spitzensteuersatz bleibt bei 42 Prozent. Die Pauschalsteuer für Minijobs steigt von zwei auf fünf Prozent. Handwerkerleistungen sind künftig nur noch zu 15 Prozent absetzbar.

Befristungen ausgeweitet – Krankschreibung nur noch vom Arzt

Am Arbeitsmarkt lockert die Koalition die Regeln deutlich. Die sachgrundlose Befristung soll künftig bis zu 48 Monate möglich sein – mit bis zu sechs Verlängerungen. Die Regelung gilt bis Ende 2030. Hochverdiener ab 14.787,50 Euro brutto monatlich können Arbeitsverhältnisse gegen Abfindung beenden.

Anzeige

Die neuen Regelungen zu Befristungen und Abfindungen zeigen, wie dynamisch sich das Arbeitsrecht derzeit entwickelt. Dieser kostenlose Ratgeber hilft Ihnen, Ihre Arbeitsverträge rechtssicher zu gestalten und teure Bußgelder von bis zu 2.000 € zu vermeiden. 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen sichern

Die telefonische Krankschreibung aus Corona-Zeiten wird abgeschafft. Arbeitnehmer müssen ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen – es sei denn, Tarifverträge regeln etwas anderes. Die gesetzliche Krankenversicherung soll 2027 um mindestens 16,3 Milliarden Euro entlastet werden.

Rente: Kapitalstock, späterer Eintritt, höhere Beiträge

Die Koalition führt eine Kapitalrente ein und hebt das Renteneintrittsalter schrittweise über 67 Jahre an. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren entfällt. Die Rentenbeiträge könnten um bis zu zwei Prozentpunkte steigen.

Um Unternehmen zu entlasten, fallen zahlreiche Berichtspflichten weg. Im Wohnungsbau wird die Vergesellschaftung privater Wohnungsunternehmen gesetzlich verboten. Einige Maßnahmen sollen noch 2026 umgesetzt werden, der Haushalt 2027 ist bereits für den 6. Juli geplant.

Anzeige

Angesichts der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Arbeitsmarkt wird eine lückenlose Dokumentation für Unternehmen immer wichtiger. Erfahren Sie in diesem Gratis-Leitfaden, wie Sie die gesetzliche Arbeitszeiterfassung einfach und rechtssicher in Ihren Betrieb integrieren. Kostenlose Mustervorlage für Arbeitszeiterfassung herunterladen

Ökonomen zweifeln an der Wirkung

Führende Wirtschaftsforscher äußerten am heutigen Freitag Zweifel am Paket. Ifo-Präsident Fuest lobte die Pläne als wichtigen Beitrag, kritisierte aber fehlende Ausgabenkonsolidierung. DIW-Präsident Fratzscher beklagte eine soziale Schieflage und forderte eine Investitionsoffensive samt tieferer Steuerreform.

ZEW und IW warnen: Die Steuerentlastungen könnten durch steigende Sozialbeiträge aufgefressen werden. ZEW-Präsident Wambach betont, dass strukturelle Probleme wie hohe Energiekosten und Fachkräftemangel nicht ausreichend adressiert würden. Arbeitgeberverbände und DGB loben die Einigung grundsätzlich – die neue Krankschreibungsregelung stößt aber auf organisatorische Bedenken.

de | wirtschaft | 69681892 |