Reformpaket: Union und SPD einigen sich auf 34-Punkte-Programm
Veröffentlicht am: 02.07.2026 um 18:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Es umfasst steuerliche Entlastungen, schĂ€rfere Regeln am Arbeitsmarkt und MaĂnahmen zum BĂŒrokratieabbau. Vorgestellt wurde das Paket am heutigen Donnerstag.
Steuerentlastungen ab 2027 â Reichensteuer steigt
KernstĂŒck der Reform ist eine Einkommensteuerreform. Ab Anfang 2027 sollen Privathaushalte jĂ€hrlich um rund zehn Milliarden Euro entlastet werden. Die volle Wirkung tritt 2028 ein. Geplant sind höhere Grund- und KinderfreibetrĂ€ge sowie ein angehobener Arbeitnehmerpauschbetrag. Das Kindergeld steigt bis 2028 auf monatlich 272 Euro.
Eine vierköpfige Familie mit 60.000 Euro Bruttojahreseinkommen spart ab 2028 ĂŒber 600 Euro pro Jahr.
Gegenfinanziert wird das Ganze ĂŒber eine verschĂ€rfte Reichensteuer. Ab 250.000 Euro Jahreseinkommen greift kĂŒnftig ein Satz von 45 Prozent, ab 280.000 Euro sind es 47 Prozent. Der Spitzensteuersatz bleibt bei 42 Prozent. Die Pauschalsteuer fĂŒr Minijobs steigt von zwei auf fĂŒnf Prozent. Der Handwerkerbonus sinkt dagegen: Nur noch 15 Prozent der Kosten sind absetzbar, maximal 900 Euro Ersparnis.
Krankschreibung nur noch mit Arztbesuch
Am Arbeitsmarkt wird deutlich nachgeschĂ€rft. Die telefonische Krankschreibung fĂ€llt weg. Arbeitnehmer mĂŒssen ab dem ersten Krankheitstag ein Ă€rztliches Attest vorlegen. Gesundheitsministerin Warken verteidigte die Neuregelung als notwendigen Schritt.
Gleichzeitig bekommen Unternehmen mehr Spielraum. Die sachgrundlose Befristung wird auf bis zu 48 Monate ausgeweitet, mit bis zu sechs VerlĂ€ngerungen. Diese Regelung gilt fĂŒr Neueinstellungen bis Ende 2030. FĂŒr Hochverdiener ĂŒber dem 1,75-fachen der Beitragsbemessungsgrenze gibt es eine erleichterte KĂŒndigungsoption gegen Abfindung.
Im Gegenzug werden Sonn- und FeiertagszuschlĂ€ge bis 75 Euro pro Stunde steuerfrei â sofern sie tarifvertraglich geregelt sind.
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BĂŒrokratieabbau und Förderung von Zukunftsbranchen
Die Koalition streicht jede vierte Dokumentationspflicht. Bestehende Berichtspflichten sollen weitgehend entfallen. Beim Datenschutz will die Regierung die DSGVO-SpielrÀume zugunsten kleiner und mittlerer Unternehmen stÀrker nutzen. Ein neues Datengesetzbuch ist geplant.
Das Paket definiert auĂerdem strategische Zukunftsbranchen: Automobilindustrie, Chemie, Pharma, Clean Tech, KĂŒnstliche Intelligenz, Maschinenbau, Halbleiterproduktion und Batterietechnik. Der Deutschlandfonds soll ausgebaut werden, um zusĂ€tzliche Investitionen zu ermöglichen.
Im Wohnungsbau wird eine neue staatliche Wohnbaugesellschaft gegrĂŒndet. Gleichzeitig soll gesetzlich festgeschrieben werden, dass eine Vergesellschaftung privater Wohnungsunternehmen ausgeschlossen ist.
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Gemischte Reaktionen aus Wirtschaft und Wissenschaft
Die Resonanz auf das 34-Punkte-Paket fÀllt geteilt aus. Deutsche-Bank-Chef Sewing lobte die Einigung als positives Signal. Auch die Wirtschaftsweise Schnitzer sprach von einem Schritt in die richtige Richtung.
Kritik kommt vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) â die MaĂnahmen gingen nicht weit genug. Die DIHK warnt vor Belastungen des Mittelstands durch die höhere Reichensteuer.
HausĂ€rzteverbĂ€nde reagierten empört auf die Neuregelung der Krankschreibungen. Die Attestpflicht ab Tag eins sei organisatorisch kaum zu bewĂ€ltigen. Ăkonomen des Kiel Instituts fĂŒr Weltwirtschaft und des DIW bezweifeln die erhofften Wachstumseffekte â sie seien ĂŒberschaubar. Der Wirtschaftsweise Truger kritisierte das Paket als einseitiges Deregulierungsprogramm.
Die Gewerkschaften DGB und IG Metall Ă€uĂerten sich differenziert. Die Flexibilisierungen am Arbeitsmarkt lehnen sie ab. Positiv bewerten sie dagegen die Steuerentlastungen fĂŒr untere Einkommensgruppen.
