Rentenreform, Millionen

Rentenreform: 4–5 Millionen Ostrentner mit 1.300–1.500 Euro betroffen

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 20:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Union beharrt auf der Abschaffung der Rente mit 63. Widerstand aus Ländern und Ökonomen warnen vor den Folgen für Ostdeutschland.

Rentenpaket: Unionsfraktionschef Frei lehnt Änderungen an Rente mit 63 strikt ab
Aktenstapel und eine Brille auf einem BĂĽrotisch als Symbol fĂĽr die politische Debatte um Rentenreformen. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Unionsfraktionschef Thorsten Frei hat Forderungen nach Änderungen am geplanten Rentenpaket eine deutliche Absage erteilt. In der laufenden Debatte um die künftige Ausgestaltung der Altersvorsorge sieht Frei keinen Verhandlungsspielraum bei der angestrebten Abschaffung der sogenannten Rente mit 63. Er betonte am 4. August 2026, dass die Vorschläge der Rentenkommission vollständig umgesetzt werden sollen, und beabsichtigt damit, die Diskussion mit einem Machtwort zu beenden. Während die FDP der Regierung in diesem Zusammenhang bereits Rentenchaos vorwirft, formiert sich in den Bundesländern erheblicher Widerstand.

Widerstand aus den Bundesländern und den eigenen Reihen

Gegen die Pläne zur Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren haben sich sieben von 16 Ministerpräsidenten positioniert. Besonders stark ist der Widerstand in den ostdeutschen Bundesländern, wo f?nf Regierungschefs die Reform ablehnen. Manuela Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern warnte davor, dass der Osten von der Streichung sehr stark betroffen wäre, und drohte mit einer Ablehnung des Pakets im Bundesrat. Auch Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlandes, bezeichnete das Vorhaben als große Ungerechtigkeit.

Michael Kretschmer aus Sachsen wies darauf hin, dass im Osten etwa 4 bis 5 Millionen Rentner mit monatlichen Bezügen zwischen 1.300 Euro und 1.500 Euro von der Neuregelung betroffen wären. Ergänzend fordern ostdeutsche Ministerpräsidenten Übergangsfristen, um die Härte der Reform abzufedern. Innerhalb der Union kommen ebenfalls kritische Stimmen: CDA-Chef Radtke schlug vor, statt der Rente mit 63 die dritte Stufe der Mütterrente zu stoppen, was jährliche Einsparungen von 5 Milliarden Euro zur Folge hätte.

Ă–konomische Notwendigkeit und statistische Diskrepanzen

Befürworter der Reform wie DIW-Präsident Marcel Fratzscher halten das Ende der Rente mit 63 hingegen für unumgänglich. Laut Einschätzung des Instituts sei die Abschaffung ein zentrales Element, ohne das die gesamte Reform scheitern würde. Die Einsparungen werden auf knapp 10 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang beziffert. Zudem könnten dadurch pro Jahrgang rund 125.000 zusätzliche Beschäftigte am Arbeitsmarkt gehalten werden. Aktuell kostet die Rente mit 63 den Steuerzahler jährlich rund 13 Milliarden Euro.

Daten aus dem Jahr 2024 verdeutlichen die unterschiedliche Nutzung des Modells: Bundesweit nahmen 24,2 Prozent der Neurentner die Rente mit 63 in Anspruch. Im Osten lag dieser Anteil mit 27,4 Prozent deutlich höher als im Westen mit 23,5 Prozent. Ein wesentlicher Grund für die Sensibilität des Themas in den neuen Bundesländern ist die Vermögensstruktur. Laut Daten der Bundesbank liegt das Median-Nettovermögen im Osten bei 43.000 Euro, während es im Westen 128.000 Euro beträgt. Zudem stammen ostdeutsche Renten zu 90 Prozent aus der gesetzlichen Versicherung, im Westen sind es lediglich 64 Prozent.

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Warnungen vor einem AufschnĂĽren des Gesamtpakets

Mitglieder der Rentenkommission warnen davor, die Kernpunkte der Reform zu verwässern. Martin Werding betonte, dass das Gesamtpaket gesprengt würde, sollte die Abschaffung der Rente mit 63 aufgeweicht werden. Auch das Kommissionsmitglied Rocholl sieht die geplante kapitalgedeckte Komponente gefährdet, falls das Paket neu verhandelt wird. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnte ebenfalls vor einem Aufschnüren der Vereinbarungen.

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Die Rentenkommission hat insgesamt 33 Vorschläge vorgelegt, die neben der Abschaffung der Rente mit 63 auch eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung vorsehen. Während die Linke eine flexible Altersgrenze fordert, die einen abschlagsfreien Ruhestand bereits ab 61 Jahren nach 45 Beitragsjahren ermöglichen soll, hält die Unionsfraktion unter Thorsten Frei an der strikten Umsetzung der Kommissionsvorschläge fest. Aktuell ist die Rente mit 63 für den Geburtsjahrgang 1961 faktisch erst mit 64,5 Jahren möglich.

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