Rentenreform: Kommission fordert Arbeit bis 67 und Abschaffung Rente mit 63
20.06.2026 - 09:11:33 | boerse-global.de
Im Zentrum: die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Das Gremium unter Vorsitz von Frank-Jürgen Weise und Constanze Janda übergab die Ergebnisse an Kanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas.
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Ältere Fachkräfte stärker einbinden
Ein Kernpunkt des Berichts: Ältere Beschäftigte sollen länger im Job bleiben. Die schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre bis 2031 reiche nicht aus, heißt es aus Kommissionskreisen.
BA-Chefin Andrea Nahles wies auf die Hürden für ältere Arbeitnehmer hin. Die Erwerbstätigenquote in dieser Gruppe sei zwar gestiegen. Doch Arbeitslose über 55 hätten weiterhin deutlich schlechtere Chancen auf eine Neuanstellung. Nahles fordert einen „Gesinnungswandel“ bei Arbeitgebern. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter liegt derzeit bei knapp unter 65 Jahren.
Streit um die „Rente mit 63“
Bei der Verabschiedung der rund 30 Empfehlungen herrschte keine Einstimmigkeit. Besonders umstritten: die geforderte Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren – bekannt als „Rente mit 63“. Kritiker argumentieren, die Regelung werde vor allem von gut verdienenden Fachkräften genutzt, die dem Arbeitsmarkt frühzeitig verloren gingen.
Weitere diskutierte Maßnahmen:
- Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung
- Stabilisierung des Rentenniveaus bei rund 48 Prozent
- Schrittweise Erhöhung der Beitragssätze von 18,6 auf 19,9 Prozent ab 2028
- Ausweitung der Versicherungspflicht auf Minijobs
- Verpflichtende betriebliche Altersvorsorge
Gewerkschaften und Sozialverbände wie Verdi, VdK und SoVD lehnen ein höheres Renteneintrittsalter strikt ab. Sie sprechen von faktischen Rentenkürzungen und warnen vor sozialer Schieflage.
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Koalition unter Zugzwang
Die Umsetzung liegt nun bei der schwarz-grünen Koalition. Arbeitsministerin Bas betonte, eine schnelle Eins-zu-eins-Umsetzung sei vor allem bei hohem Einigkeitsgrad der Kommission wahrscheinlich. Da der Bericht nun Minderheitsvoten enthält, drohen intensive parlamentarische Debatten.
Kanzler Merz und Ministerin Bas wollen bis zur Sommerpause im Juli ein umfassendes Reformpaket schnüren. Neben der Rentensicherung sind Anpassungen am Arbeitsmarkt, Änderungen bei der Einkommensteuer und Bürokratieabbau geplant. Ziel: die langfristige Finanzierbarkeit der Sozialsysteme sichern, ohne jüngere Generationen übermäßig zu belasten. Die offizielle Vorstellung der Ergebnisse ist unmittelbar nach der Übergabe ans Kanzleramt vorgesehen.
