Rentenreform: Renteneintrittsalter ab 2032 an Lebenserwartung gekoppelt
22.06.2026 - 05:39:32 | boerse-global.de
Die Expertenkommission unter Vorsitz von Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise übergibt ihren Abschlussbericht am heutigen Montag und Dienstag an Kanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas. Rund 150 Beratungsstunden stecken in dem Papier, das rund 30 bis 33 Empfehlungen umfasst.
Lebenserwartung bestimmt künftig das Rentenalter
Ein Kernpunkt: Das Renteneintrittsalter wird ab 2032 an die statistische Lebenserwartung gekoppelt. Die Formel lautet 2:1 – zwei Drittel der zusätzlichen Lebensjahre fließen in die Erwerbsarbeit, ein Drittel in den Ruhestand.
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Die konkreten Auswirkungen sind enorm. Für heute 30-Jährige bedeutet das: Rente erst mit 68. Bis 2041 steigt die Grenze auf 67,5 Jahre, bis 2051 auf 68 Jahre. In den 2090er-Jahren könnten es 70 Jahre sein. Die Rente mit 63 soll fallen. Frühestens mit 64 und unter Abschlägen wäre ein vorzeitiger Ausstieg möglich – Ausnahmen gibt es nur bei gesundheitlichen Problemen.
Schweden-Modell: Jeder muss einzahlen
Das Rentenniveau soll stabil bleiben – dafür setzt die Kommission auf eine verpflichtende kapitalgedeckte Zusatzrente. Das Modell orientiert sich am schwedischen System: Ein Staatsfonds, verwaltet von der Bundesbank oder dem Kenfo, sammelt die Beiträge.
Start ist 2028. Der Beitragssatz beginnt bei 0,5 Prozent des Bruttolohns und steigt auf 2 Prozent. Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich die Kosten. Bis 2031 sichert eine Haltelinie das Rentenniveau bei 48 Prozent. Ab 2032 kommt der Nachhaltigkeitsfaktor zurück. Ziel: Ein Gesamtniveau von 50 Prozent ab 2040.
Neue Beitragszahler: Selbstständige und Politiker
Die Kommission will den Kreis der Einzahler deutlich erweitern. Künftig sollen auch Selbstständige, Abgeordnete und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Bei Beamten empfiehlt das Gremium, weniger Neuverbeamtungen vorzunehmen.
Auch Minijobs stehen auf dem Prüfstand. Sie sollen künftig vor allem Schülern vorbehalten bleiben. Ein neuer Freibetrag von 20 bis 30 Prozent in der Grundsicherung soll die Altersvorsorge attraktiver machen. Die Mütterrente III bleibt erhalten.
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Streit um die richtige Richtung
Die Reaktionen könnten unterschiedlicher kaum sein. Der Sachverständigenrat lobt die Vorschläge. Chefin Monika Schnitzer spricht von einem guten Paket, die Senioren-Union fordert schnelle Umsetzung. DIW-Präsident Marcel Fratzscher findet die Rentenalterserhöhung richtig, kritisiert aber zu vorsichtige Schritte und fehlende Lösungen gegen Altersarmut.
Ganz anders die Gewerkschaften. Verdi-Chef Frank Werneke nennt die Pläne lebensfern – besonders das Aus für die Rente mit 63 und die drohende Absenkung des Rentenniveaus nach 2031 stoßen auf massive Kritik. Die IG Metall droht mit Ablehnung, die Linke warnt vor Rentenkürzungen.
Auch in der Koalition gibt es Diskussionsbedarf. Die Grünen begrüßen die Kapitaldeckung, bemängeln aber die fehlende langfristige Stabilisierung bei 48 Prozent. Die schwarz-rote Koalition will noch vor der Sommerpause ein Reformpaket schnüren. Arbeitsministerin Bas verspricht sorgfältige Prüfung – besonders mit Blick auf Übergangsfristen und Vertrauensschutz für rentennahe Jahrgänge.
