Reparaturgesetz ab heute: Neue Standards für Lebensdauer von Geräten
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 21:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Büromöbelhersteller Sedus Stoll bringt im Juli 2026 ein neues Kreislaufmodell auf den Markt. Unter dem Namen S:ircle können gewerbliche Kunden Büromöbel mieten statt kaufen. Die Rücknahme, Aufbereitung und Weiterverwertung der Möbel ist im Preis inbegriffen. Ziel ist es, den Lebenszyklus ergonomischer Büromöbel zu verlängern und Ressourcen zu schonen.
Hintergrund: Solide Geschäftszahlen
Die strategische Neuausrichtung kommt nicht von ungefähr. Sedus Stoll erwirtschaftete 2023 einen Umsatz von 259,1 Millionen Euro – ein Plus von 8,8 Prozent zum Vorjahr. Auch 2024 blieb das Unternehmen profitabel, verfehlte aber das Rekordniveau. Mit dem neuen Service-Modell will der Hersteller nun zusätzliche Marktanteile durch Instandsetzungs- und Wartungsdienstleistungen gewinnen.
Neues Reparaturgesetz setzt Standards
Parallel zu den Brancheninitiativen verschärft sich der rechtliche Rahmen. Am 23. Juli 2026 tritt in Deutschland ein neues Reparaturgesetz in Kraft. Es adressiert zunächst vor allem Elektrogeräte wie Smartphones, Fernseher und Haushaltsgroßgeräte. Doch es setzt einen neuen industriellen Standard für die Lebensdauer von Wirtschaftsgütern.
Kritiker sehen Lücken. Die Deutsche Umwelthilfe bemängelt fehlende Maßnahmen gegen hohe Reparaturkosten. Es gebe keine ausreichenden Sanktionsvorschriften und keine zuständige Behörde zur Überwachung. Gefordert werden unter anderem Mehrwertsteuersenkungen auf Reparaturleistungen und eine Begrenzung der Ersatzteilpreise.
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Österreich zieht im Oktober 2026 nach. Die Reparierbarkeit wird dort als objektives Qualitätsmerkmal verankert. Hersteller müssen Ersatzteile bis zu zehn Jahre nach dem Ende einer Modellserie vorhalten. Bei Reparaturen im Rahmen der Mängelhaftung verlängert sich die Gewährleistung um ein Jahr.
Trend zur professionellen Instandsetzung
Auch andere Branchen setzen auf Wartung statt Neukauf. Der Aufzugsspezialist KONE sicherte sich einen Großauftrag der SBB zur Wartung von rund 700 Anlagen. Zwei Drittel der Anlagen stammen von Fremdherstellern. KONE setzt auf spezielle Schulungsprogramme und digitale Überwachungssysteme mit Sensoren für Echtzeit-Analysen.
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Für die Büromöbelbranche rückt die Instandsetzung damit aus der Nische der reinen Mängelbeseitigung ins Zentrum der Produktstrategie. Sedus Stoll positioniert sich mit der Aufbereitung gebrauchter Möbel gegen die Wegwerfmentalität im Workplace-Management.
Neue EU-Verordnung ab 2027
Hersteller müssen zudem neue technische Normen beachten. Die EU-Maschinenverordnung wird ab dem 20. Januar 2027 verpflichtend. Das betrifft vor allem elektrisch verstellbare Büromöbel. Themen wie Cybersicherheit und Risikobewertung bei wesentlichen Produktveränderungen stehen im Fokus. Fachleute weisen darauf hin, dass harmonisierte Normen derzeit noch überarbeitet werden.
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