Reparaturkosten, Typklassen

Reparaturkosten: Chinesische Autos holen bei Typklassen auf

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 11:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Chinesische Autobauer holen bei den Reparaturkosten auf: Der bisherige Vorteil europĂ€ischer Hersteller bei den Versicherungseinstufungen schrumpft. FĂŒr Autofahrer kann das die laufenden Kosten und die Wahl einer Marke beeinflussen.

Elektroautos von BYD. Die chinesische Autoindustrie setzt der europÀischen Industrie mit ihrer Exportoffensive zu. (Symbolbild) - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Elektroautos von BYD. Die chinesische Autoindustrie setzt der europÀischen Industrie mit ihrer Exportoffensive zu. (Symbolbild) - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa

EuropĂ€ische Autohersteller verlieren laut einer Analyse des Allianz-Zentrums fĂŒr Technik rasch ihren bisherigen Vorteil bei den Reparaturkosten gegenĂŒber chinesischen Konkurrenten.

Abstand bei Typklassen schrumpft

In der Kfz-Versicherung waren europĂ€ische Hersteller 2024 im Durchschnitt noch drei Typklassen besser eingestuft als chinesische Marken. FĂŒr 2026 betrĂ€gt der Abstand nach Angaben des AZT-Chefs Christian Sahr nur noch eine Typklasse.

Die Typklassen legt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft fest. Sie fließen vor allem in die Kaskoversicherung ein: Je höher die Einstufung, desto teurer ist der Versicherungsschutz in der Regel.

Chinesische Marken verbessern sich

Nach der Auswertung wurden chinesische Hersteller im Durchschnitt um 1,5 Typklassen besser, wÀhrend sich europÀische Hersteller um 0,5 Typklassen verschlechterten. Grundlage waren die Einstufungen der Modelle, die seit 2024 in Deutschland auf den Markt kamen: 174 Fahrzeuge im Jahr 2024, 115 im Jahr 2025 und 35 in der ersten HÀlfte dieses Jahres.

Sahr sieht darin einen klaren Trend. Chinesische Unternehmen lernten schnell, wĂ€hrend europĂ€ische Hersteller der Reparaturfreundlichkeit ihrer Fahrzeuge offenbar weniger Bedeutung beimessen wĂŒrden. FĂŒr Fahrzeughalter könne das höhere Kosten bedeuten, insbesondere mit zunehmendem Alter des Autos.

Werkstattnetz beeinflusst Versicherungskosten

Bei neuen Marken können zunĂ€chst fehlende WerkstĂ€tten und schwer verfĂŒgbare Ersatzteile die Reparaturdauer verlĂ€ngern und die Kosten erhöhen. Dieses Problem habe sich bei großen chinesischen Herstellern in den vergangenen Jahren jedoch deutlich verbessert.

Der AZT-Chef appellierte an europĂ€ische Hersteller, Reparaturkosten wieder stĂ€rker zu berĂŒcksichtigen. Die Bezahlbarkeit der MobilitĂ€t sei gefĂ€hrdet, wenn ein Wettbewerbsvorteil aufgegeben werde, der fĂŒr Verbraucher wichtiger werde.

BYD fĂŒhrt chinesische Marken an

MarktfĂŒhrer der chinesischen Hersteller in Deutschland ist BYD. Das Unternehmen kam in den ersten acht Monaten auf 36.748 Neuzulassungen und lag damit vor Tesla, CitroĂ«n und Mazda.

Unsicherheit ĂŒber Markenbestand

Ungewiss bleibt nach der Analyse das Überleben vieler chinesischer Marken. In China gibt es mehr als 100 Automarken, von denen zahlreiche Verluste schreiben oder nur geringe Gewinne erzielen.

Die Nachfrage nach Elektroautos steigt auf dem chinesischen Heimatmarkt, wĂ€hrend die Gesamtzulassungen eingebrochen sind. Das gilt als ein wesentlicher Grund fĂŒr die Exportoffensive. Nach einer im FrĂŒhjahr bekannt gewordenen EinschĂ€tzung des Changan-Chefs Hua Zhurong mĂŒsste ein chinesischer Hersteller bis 2030 jĂ€hrlich mindestens drei bis 3,5 Millionen Fahrzeuge verkaufen, um zu ĂŒberleben. Leapmotor und X-Peng liegen bislang deutlich darunter.

Reparaturkosten werden zum Wettbewerbsfaktor

Die Typklasse bildet fĂŒr Versicherer ab, wie hĂ€ufig ein Fahrzeug beschĂ€digt wird und welche Kosten bei der Regulierung entstehen. Sie ist deshalb kein vollstĂ€ndiger Preisvergleich, beeinflusst aber die laufenden Kaskokosten und damit die Gesamtrechnung eines Autos. Gerade bei Elektrofahrzeugen können Karosserie-, Sensor- und BatterieschĂ€den die Reparatur besonders teuer machen.

FĂŒr chinesische Hersteller war der Aufbau von Werkstattnetzen und die VerfĂŒgbarkeit von Ersatzteilen zunĂ€chst ein Nachteil. Mit wachsender PrĂ€senz in Europa können grĂ¶ĂŸere Marken diese HĂŒrde verringern. Der von der Allianz beschriebene Abstand bei den Typklassen deutet darauf hin, dass nicht nur der Anschaffungspreis, sondern auch die Kosten nach einem Unfall stĂ€rker in den Wettbewerb einfließen.

Folgen fĂŒr KĂ€ufer und Hersteller

FĂŒr Verbraucher zĂ€hlt daher der Gesamtaufwand aus Kaufpreis, Versicherung, Wartung, Ersatzteilen und möglichem Wertverlust. Ein gĂŒnstiger Einstiegspreis kann durch höhere laufende Kosten teilweise relativiert werden; umgekehrt stĂ€rkt eine gute Reparaturbilanz die AttraktivitĂ€t neuer Marken. Die Entwicklung betrifft auch etablierte europĂ€ische Hersteller, wenn ihre Fahrzeuge aufwendiger zu reparieren sind.

Das Risiko einer unklaren Zukunft einzelner Marken bleibt davon getrennt. Wenn Hersteller vom Markt verschwinden oder Vertriebsstrukturen schrumpfen, können Ersatzteilversorgung, Werkstattzugang und Wiederverkaufswert leiden. FĂŒr KĂ€ufer wird deshalb neben der Typklasse entscheidend, wie dauerhaft eine Marke in Deutschland prĂ€sent ist.

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