Rettungsdienst: 24-Stunden-Dienste seit Januar möglich
25.06.2026 - 14:41:19 | boerse-global.de
Seit Anfang 2026 sind 24-Stunden-Dienste tariflich möglich, ein neuer Gesetzesentwurf reformiert die Höchstarbeitszeiten – und Kommunen wehren sich gegen die geplante Notfallreform des Bundes.
24-Stunden-Dienste: Neue Möglichkeiten seit Januar
Seit dem 1. Januar 2026 erlaubt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD/VKA) im Rettungsdienst tägliche Höchstarbeitszeiten von bis zu 24 Stunden. Voraussetzung: Betriebsvereinbarungen müssen abgeschlossen werden. Zur Unterstützung veröffentlichten Arbeitgeberverbände in der zweiten Junihälfte spezifische Anwendungshinweise.
Der Gesundheitsschutz steht dabei im Fokus. Die Gewerkschaft komba Nordrhein-Westfalen fordert begleitende Schutzmaßnahmen, um die Belastung der Mitarbeiter zu begrenzen. Denn: Lange Dienste bedeuten hohe körperliche und psychische Anforderungen.
Arbeitszeitgesetz: Von täglicher zu wöchentlicher Höchstarbeitszeit
Parallel zu den tariflichen Änderungen legte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas im Juni 2026 einen Referentenentwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes vor. Kern der geplanten Änderung: Statt einer werktäglichen soll künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten. Im Durchschnitt von zwölf Monaten wären dann 48 Stunden pro Woche erlaubt.
Der Entwurf gibt Tarifvertragsparteien mehr Flexibilität. Unter bestimmten Schutzregeln könnte die gesetzliche Ruhezeit von elf Stunden entfallen. Zudem soll die elektronische Arbeitszeiterfassung verpflichtend werden – und zwar am Tag der Arbeitsleistung. Ausnahmen gibt es für Kleinbetriebe und durch tarifvertragliche Vereinbarungen.
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Die Reaktionen sind gespalten. Teile der Wirtschaft kritisieren den Entwurf, Gewerkschaften warnen vor einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tages. Auch aus der Union kommt Kritik.
Kommunaler Widerstand gegen die Notfallreform
Neben der Arbeitszeit sorgt die geplante Notfallrettungsreform des Bundes für Zündstoff. Der Kreistag des Landkreises Verden verabschiedete am 24. Juni 2026 einstimmig eine Resolution gegen das Vorhaben. Hauptkritikpunkt: die geplante Kostendeckelung durch Bindung an die Grundlohnsumme.
Landrat Bohlmann argumentiert, der Bund bestelle Reformen, deren finanzielle Lasten bei den Landkreisen blieben. Zudem würden lokale Besonderheiten ignoriert. Die Zahlen aus Verden sprechen eine deutliche Sprache: Vor zehn Jahren fielen rund 1.500 Wochenstunden im Rettungsdienst an, für 2027 werden über 2.000 Stunden erwartet.
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Gesundheitsschutz: EU verschärft Grenzwerte
Auch auf europäischer Ebene tut sich etwas. Die EU erzielte eine vorläufige Einigung über die sechste Überarbeitung der Richtlinie zu krebserregenden Stoffen. Neue Grenzwerte für Kobalt, 1,4-Dioxan und Schweißrauche sollen in den kommenden 40 Jahren tausende Erkrankungsfälle verhindern.
Hilfsorganisationen wie die Johanniter-Unfall-Hilfe und der Malteser Hilfsdienst fordern gleichzeitig mehr Krisenresilienz. Bei einer Veranstaltung im Juni 2026 betonten Vertreter: Der Bevölkerungsschutz brauche verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen.
Hitzewelle: Städte schlecht vorbereitet
Eine zusätzliche Herausforderung: die aktuelle Hitzewelle. Mit Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius Ende Juni 2026 wird in Nordrhein-Westfalen über die mangelnde Vorbereitung vieler Städte diskutiert. Experten fordern flächendeckende Hitzeaktionspläne und Schutzmaßnahmen für vulnerable Gruppen im Gesundheits- und Rettungswesen.
