Rewe übernimmt 38 Tegut-Märkte mit Kartellamtsauflage
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 17:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTegut-Filialen wechseln zu mehreren Betreibern
- Rewe darf 38 Tegut-Supermärkte übernehmen, nachdem das Unternehmen auf zwei weitere Standorte verzichtet.
- Die beiden ausgesparten Filialen liegen in Marburg und Schlüchtern und dürfen vier Jahre lang nicht zu Rewe wechseln.
- Edeka erhielt bereits die Freigabe für 178 Märkte, während Tante Enso 36 Tegut-Standorte übernehmen darf.
Rewe übernimmt 38 Tegut-Märkte
Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von 38 Tegut-Supermärkten durch Rewe freigegeben. Zwei weitere von Rewe geplante Standorte in Marburg und Schlüchtern darf der Handelskonzern zunächst vier Jahre lang nicht erwerben.
Auflage soll Wettbewerb sichern
Mit der Verpflichtung soll verhindert werden, dass sich die Wettbewerbsbedingungen für Verbraucher in den betroffenen Regionen erheblich verschlechtern. Kartellamtschef Andreas Mundt erklärte, die hohe Konzentration im Lebensmittelhandel reiche allein nicht für ein Verbot aus; entscheidend sei die konkrete Auswirkung der Übernahme.
Nach Angaben der Behörde erhöht Rewe durch die 38 Märkte sein bundesweites Beschaffungsvolumen um deutlich weniger als 0,2 Prozent. Eine erhebliche Behinderung des Wettbewerbs auf den Beschaffungsmärkten sei deshalb nicht zu erwarten.
Vier Handelsgruppen dominieren den Markt
Rewe, Edeka, Aldi und Lidl/Kaufland vereinen mehr als 90 Prozent des Umsatzes im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel. Für Hersteller bedeutet der Wegfall von Tegut als eigenständigem Abnehmer eine weitere Verringerung der Zahl großer Handelspartner.
Rewe bewertete die Freigabe als wichtigen Meilenstein und erklärte, die Entscheidung schaffe Klarheit und Planungssicherheit. Der Konzern wolle die Nahversorgung in den betroffenen Regionen langfristig sichern und die Standorte stärken.
Edeka erhält größten Teil des Netzes
Tegut betreibt rund 300 Märkte und gehört seit 2013 zur Schweizer Migros-Gruppe. Edeka erhielt bereits die Freigabe für die Übernahme von 178 Filialen; bei 24 Standorten verpflichtete sich Edeka ebenfalls zu einem vierjährigen Erwerbsverzicht.
Zusätzlich darf die Smart-Store-Kette Tante Enso 36 Tegut-Standorte übernehmen. Was mit den übrigen Filialen geschieht, ist offen. Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet, ist in sechs Bundesländern vertreten und beschäftigt laut Migros knapp 7.500 Menschen. Die Marke soll aufgegeben werden.
Die Freigabe betrifft einen weiteren Schritt bei der Aufteilung des Tegut-Filialnetzes. Mit 38 Märkten übernimmt Rewe deutlich weniger Standorte als ursprünglich vorgesehen; zwei Filialen in Marburg und Schlüchtern bleiben für vier Jahre außerhalb des Erwerbs.
Für die kartellrechtliche Bewertung ist vor allem entscheidend, wie stark sich die Stellung von Rewe auf den Beschaffungsmärkten verändert. Nach den Angaben des Bundeskartellamts steigt Rewes bundesweites Beschaffungsvolumen durch die Transaktion um weniger als 0,2 Prozent. Zugleich verweist die Behörde auf die hohe Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel, in dem Rewe, Edeka, Aldi und Lidl/Kaufland mehr als 90 Prozent des Umsatzes auf sich vereinen.
Folgen für Handel und Regionen
Die Übernahme zeigt den Konflikt zwischen einer Einzelfallprüfung und der strukturellen Konzentration der Branche. Kartellrechtlich reicht die hohe Marktdichte allein nicht für ein Verbot; geprüft wird, ob der konkrete Zusammenschluss den Wettbewerb erheblich verschlechtert.
Für Verbraucher in den betroffenen Regionen steht nun die künftige Ausrichtung der einzelnen Standorte im Mittelpunkt. Rewe kündigt an, die Nahversorgung und die Zukunftsfähigkeit der Märkte sichern zu wollen. Zugleich verliert der Markt mit Tegut einen eigenständigen Abnehmer, während die weitere Zukunft der verbliebenen Filialen offen bleibt.
