Rewe, Tegut

Rewe übernimmt 38 Tegut-Märkte – zwei bleiben außen vor

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 13:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Das Bundeskartellamt genehmigt den Kauf von 38 Tegut-Märkten durch Rewe, knüpft die Freigabe aber an einen vierjährigen Verzicht auf zwei Standorte. Damit setzt die Behörde Grenzen für die weitere Konzentration im Lebensmittelhandel.

Tegut-Standorte wechseln den Besitzer

  • Das Bundeskartellamt erlaubt Rewe den Erwerb von 38 Tegut-Supermärkten.
  • Die Märkte in Marburg und Schlüchtern darf Rewe vier Jahre lang nicht übernehmen.
  • Edeka erhielt zuvor die Freigabe für 178 Tegut-Filialen, 24 davon mit Erwerbsauflagen.
Das Tegut-Logo an einem Standort der Handelskette. - Bild: Uwe Zucchi/dpa
Das Tegut-Logo an einem Standort der Handelskette. - Bild: Uwe Zucchi/dpa

Bundeskartellamt erlaubt Rewe Tegut-Übernahme

Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von 38 Tegut-Supermärkten durch Rewe freigegeben. Rewe verzichtet nach einer Auflage der Wettbewerbshüter für vier Jahre auf die Standorte in Marburg und Schlüchtern.

Behörde begrenzt Übernahme in zwei Städten

Rewe wollte ursprünglich 40 Tegut-Märkte erwerben. Nach Angaben des Bundeskartellamts verpflichtet sich der Handelskonzern, die beiden Standorte in Hessen zunächst nicht zu übernehmen.

Kartellamtschef Andreas Mundt erklärte, damit solle verhindert werden, dass sich die Wettbewerbsbedingungen für Verbraucher in den betroffenen Regionen erheblich verschlechtern. Die Behörde prüfte insbesondere die Auswirkungen auf die regionalen Absatzmärkte.

Geringer Anteil am Beschaffungsvolumen

Durch die 38 Märkte gewinnt Rewe bundesweit weniger als 0,2 Prozent des Beschaffungsvolumens hinzu. Eine erhebliche Behinderung des Wettbewerbs auf den Beschaffungsmärkten sei deshalb nicht zu erwarten.

Auf diesen Märkten kaufen Handelsunternehmen Lebensmittel, andere Waren und Dienstleistungen bei Lieferanten ein. Das Kartellamt sieht den deutschen Lebensmittel-Einzelhandel dennoch als sehr hoch konzentriert an.

Vier Handelsgruppen dominieren den Markt

Rewe, Edeka, Aldi und Lidl/Kaufland kommen zusammen auf mehr als 90 Prozent des Umsatzes im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel. Für Hersteller bedeutet die geringe Zahl großer Abnehmer eine schwächere Verhandlungsposition.

Nach Einschätzung der Behörde reicht die hohe Konzentration allein kartellrechtlich nicht für ein Verbot. Entscheidend sei, ob die konkrete Übernahme die Wettbewerbsverhältnisse erheblich verschlechtere.

Edeka übernimmt größeren Teil des Netzes

Edeka hatte zuvor die Freigabe für die Übernahme von 178 Tegut-Filialen erhalten. Bei 24 Standorten verpflichtete sich Edeka, innerhalb von vier Jahren auf einen Erwerb zu verzichten.

Weitere 36 Tegut-Standorte kann die Smart-Store-Kette Tante Enso übernehmen. Was mit den übrigen Filialen des rund 300 Märkte umfassenden Netzes geschieht, ist noch offen.

Tegut-Marke soll verschwinden

Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Die Kette ist in sechs Bundesländern vertreten, der Schwerpunkt liegt in Hessen.

Laut Migros beschäftigt Tegut knapp 7.500 Menschen. Die Marke soll aufgegeben werden.

Die Freigabe steht im Zusammenhang mit der Neuordnung des Tegut-Filialnetzes. Die Kette gehört seit 2013 zur Schweizer Migros-Gruppe, wurde 1947 in Fulda gegründet und ist vor allem in Hessen verankert. Mit dem Verkauf verschwindet ein eigenständiger Wettbewerber aus dem klassischen Lebensmittelhandel.

Die Entscheidung zeigt zugleich den engen kartellrechtlichen Prüfmaßstab bei Übernahmen in stark konzentrierten Märkten. Dass auf Rewe, Edeka, Aldi und Lidl/Kaufland mehr als 90 Prozent des Umsatzes im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel entfallen, beschreibt eine strukturelle Abhängigkeit vieler Lieferanten von wenigen großen Abnehmern. Für eine Untersagung muss jedoch eine konkrete erhebliche Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen durch den jeweiligen Zusammenschluss nachgewiesen werden.

Folgen für Regionen und Beschäftigte

Für Verbraucher in den betroffenen Regionen bedeutet die Freigabe zunächst, dass die 38 Märkte von Rewe übernommen werden können. In Marburg und Schlüchtern bleibt der Erwerb durch Rewe für vier Jahre ausgeschlossen; damit soll dort ein weiterer Konzentrationsschritt verhindert werden. Zugleich bleibt offen, wie die übrigen Tegut-Standorte verteilt werden.

Die Neuordnung betrifft auch die Beschäftigten: Migros zufolge arbeitet Tegut mit knapp 7.500 Menschen. Neben Rewe und Edeka erhält mit Tante Enso ein Anbieter von Smart Stores einen Teil des Netzes. Entscheidend für die lokale Versorgung wird sein, welche Standorte erhalten bleiben, unter welchem Namen sie weitergeführt werden und ob in einzelnen Orten neue Wettbewerber entstehen.

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